Auf gen 5000Dax packt's an
Eine überraschend starke Erholung des US-Verbrauchervertrauens hat dem deutschen Markt ins Plus geholfen. Die Daten sprechen Analysten zufolge dafür, dass die konjunkturelle Talsohle bald erreicht sein könnte.
Das besser als erwartete US-Verbrauchervertrauen für den Monat Mai hat die allgemeine Unsicherheit an den deutschen Aktienmärkten vertrieben. Die Anleger sprangen am Dienstagnachmittag nach einigen Rückschlägen wieder auf den fahrenden Zug.
Der Dax notierte zuletzt 1,4 Prozent höher bei 4985 Punkten. Das Tagestief lag nur knapp über 4800 Zählern. Die Umsätze blieben aber gering.
Der Index des US-Conference Board für das Verbrauchervertrauen stieg auf 54,9 Punkte. Volkswirte hatten lediglich einen Stand von 43,0 erwartet hatten. Vor allem der Subindex der Erwartungen kletterte deutlich auf 72,3 nach zuvor 51,0.
"Damit wird der Trend positiver Stimmungsindikatoren klar unterstrichen", sagte ein Experte von der Postbank. Es sei allerdings noch kein Indiz dafür, dass der private Konsum auch anspringen werde. Dafür seien die Daten vom US-Arbeitsmarkt noch zu schlecht.
Ein Teil der Verunsicherung, die am Dienstag herrschte, ging auf das Konto der militärischen Drohgebärden aus Nordkorea. Einen Tag nach seinem Atomtest hat Nordkorea einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge zwei Kurzstreckenraketen abgeschossen.
Ansonsten galt das negative Augenmerk der Lage bei GM. Eine mögliche Insolvenz des bis vor kurzem weltgrößten Autobauers rückt täglich näher. Zumindest kurzfristig könnte das die Börsenstimmung drücken, hieß es.
Bis spätestens Pfingstmontag muss GM der US-Regierung ein tragfähiges Sanierungskonzept vorlegen. Zuvor läuft am Mittwoch eine Frist für die Anleihe-Gläubiger zur Umwandlung ihrer Forderungen in Aktien aus. "Das schwebt wie ein Damokles-Schwert über dem Markt", erklärte ein Händler. Daimler schafften dennoch mit satten 4,0 Prozent den Sprung ins Plus, BMW legten 2,1 Prozent zu. VW- und Porsche-Titel hinkten hinterher un notierten 0,2 bzw. 0,4 Prozent ein.
Merck legten 2,4 Prozent zu. Händlern zufolge haben die Titel Nachholbedarf. Zu den größten Verlierern zählten Fresenius mit minus 1,6 Prozent. Adidas rappelten sich hoch und notierten 0,5 Prozent höher, nachdem der Sportartikelhersteller Marktgerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung dementierte.
Salzgitter berappelten sich am Tag vor der Hauptversammlung ebenfalls. Die Aktien legten knapp 2,0 Prozent zu. Seit Monatsbeginn haben die Titel bereits mehr als 16 Prozent an Wert gewonnen und sich damit unter allen Dax-Werten am besten entwickelt.
Am Tag der Hauptversammlung notierten die Aktien der Deutschen Bank 2,6 Prozent höher. Eine positive Überraschung blieb aus. Vorstandschef Josef Ackermann erklärte allerdings, die gute Entwicklung des ersten Quartals scheine sich fortzusetzen. Gleichzeitig warnte er jedoch, dass auch 2009 kein einfaches Jahr werde, auch wenn einige Konjunkturindikatoren auf ein Ende des Abschwungs hindeuteten.
BaFin macht Banken Druck
Auseinander gingen im Handel die Meinungen zu einer Meldung des "Telegraph", der zufolge laut Aufsichtsbehörde BaFin die "toxischen" Wertpapiere deutscher Banken "wie eine Granate explodieren" könnten, sollten sich die Geldhäuser nicht an den Bad-Bank-Plänen des Bundes beteiligen.
Händler stellten fest, dass die Aussagen aus dem Umfeld der Banken "aggressiver" würden. Andere verwiesen jedoch darauf, dass die BaFin die Zahlen zu den "toxischen" Wertpapieren bereits veröffentlicht hat. "Die BaFin übt weiter Druck auf die Banken aus, sich an der Bad Bank zu beteiligen", meinte ein anderer Marktteilnehmer. Der Bericht habe vor allem eine politische Komponente. Am Dienstag hatte das keine Auswirkungen auf den Handel. Gewinnmitnahmen blieben aus. Neben der Deutschen Bank fanden auch die Titel der Commerzbank den Weg ins Plus und notierten 1,3 Prozent höher.
Dagegen brachen im MDax die Aktien von Heidelberger Druck um 6,1 Prozent ein. Händler verwiesen zur Erklärung auf eine Verkaufsempfehlung von UBS. Gerüchte um eine Platzierung von Aktien brachten die Titel von HeidelbergCement unter Druck. Das Unternehmen erklärte, nichts von einer solchen Platzierung zu wissen, und verwies darauf, dass die Aktien zum 29. Mai aus dem MSCI-Index herausfielen und daher Umschichtungen den Kurs belasten könnten. Der Kurs gab 4,8 Prozent nach.
Die Aktien von Arcandor setzten ihre Talfahrt fort, nachdem weitere Spitzengespräche mit Metro über eine Fusion der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt verschoben worden waren. Die Titel der Karstadt-Mutter lagen zuletzt 1,7 Prozent im Minus.
Im TecDax ragten die Aktien von Freenet und United Internet zunächst mit Kursgewinnen von bis zu elf Prozent heraus, nachdem Freenet sein DSL-Geschäft an die United-Internet-Tochter 1&1 verkauft hatte. Händler blieben aber skeptisch. "Einige Anleger hatten auf einen höheren Preis spekuliert, das ist eigentlich gar nicht so positiv, wenn man genauer hinschaut", sagte ein Händler. Zuletzt notierten Freenet unverändert. United lagen dafür immer noch 10,8 Prozent im Plus.