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Wunde FüßeDax schließt im Minus

24.07.2008, 18:26 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nach schwachen Konjunkturdaten und Zahlen von Daimler mit Verlusten geschlossen. Der Leitindex Dax büßte 1,46 Prozent ein. MDax und TecDax fielen tiefer.

Eine Serie von Hiobsbotschaften aus der Automobilindustrie hat die Rally europäischer Aktien am Donnerstag beendet. Daimler schockierte die Anleger mit einer Gewinnwarnung, Renault senkte die Absatzprognose und Ford gab einen Milliarden-Verlust bekannt. Der deutsche Aktienmarkt ging mit Verlusten aus dem Handel. Der Leitindex Dax b üßte 1,46 Prozent auf 6440,70 Punkte ein. Spürbar belastete dabei der hohe Kursverlust der Daimler-Aktie von knapp zehn Prozent. Der MDax sank um 3,00 Prozent auf 8309,39 Zähler. Der TecDax fiel um 3,36 Prozent auf 721,58 Punkte.

Die Aktien von Daimler beendeten den Börsentag mit einem Minus von 9,6 Prozent auf 38,47 Euro. Damit verlor der Autobauer innerhalb eines Tages 4,4 Mrd. Euro an Börsenwert. Dies entspricht der gesamten Marktkapitalisierung des ebenfalls im Dax gelisteten Konsumgüter-Herstellers Henkel. Der Stuttgarter Automobilkonzern hatte bei Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal eingeräumt, wegen der Entwicklung der Rohstoffpreise, der Weltkonjunktur und der Wechselkurse seine Ergebnisprognosen für das laufende Jahr nicht erreichen zu können. Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler bleibt das Sorgenkind der Stuttgarter. Daimler hält noch knapp 20 Prozent an dem angeschlagenen US-Autobauer.

Die Verhandlungen zwischen der Deutsche Börse und der Börse in Kuwait über ein neues Handelssystem kommen offenbar voran. Nach Aussagen einer mit der Situation vertrauten Person vom Donnerstag ist die Börse in fortgeschrittenen Gesprächen über eine mögliche Nutzung ihres Xetra-Handelssystems in Kuwait. Eine Entscheidung solle bis zum Herbst fallen. Die Aktien der Deutschen Börse ging mit einem Aufschlag von 2,15 Prozent aus dem Handel.

An der Spitze des Dax stand am Donnerstag jedoch die Aktie der Merck KGaA. Nach den Verlusten vom Vortag legte die Aktie 4,55 Prozent ins Plus. Auf der Verliererseite fanden sich hinter Daimler Titel wie ThyssenKrupp, MAN, Infineon und BMW ein.

Im Gespräch blieb auch Continental. Der Aufsichtsrat des Autozulieferers hatte am Vorabend dem Conti-Vorstand im Abwehrkampf gegen die Schaeffler-Gruppe den Rücken gestärkt. Conti-Chef Wennemer forderte Schaeffler auf, ein höheres Angebot abzugeben oder sich mit einer kleineren Beteiligung als den angepeilten 30 Prozent zufrieden zu geben. Die Aktie gab am Donnerstag 0,29 Prozent ab.

Konjunkturdaten

Wie am Nachmittag bekannt wurde, sind die US-Arbeitslosenanträge weit schlechter ausgefallen als erwartet. "Damit zeigt sich, dass die guten US-Daten der letzten Wochen nur eine Zwischenerholung und kein neuer Trend waren", sagt ein Händler. Dies relativiere den gesamten Datenkranz der vergangenen Wochen und belaste den Dax. Die wöchentlichen Anträge sind auf 34.000 gestiegen, erwartet wurden nur 9.000.

Im deutschen Aktienhandel hatte schon zuvor der Ifo-Geschäftsklimaindex Händlern zufolge die Stimmung am Aktienmarkt getrübt: Das Konjunkturbarometer sank im Juli auf 97,5 Zähler, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 100 Punkte gerechnet. "Ein eindeutiges Abschwungsignal", sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank.

Blick hinter die erste Reihe

Im MDax standen Vossloh, Tognum und Kloeckner oben auf der Verkaufsliste. Die Aktien gaben jeweils rund sieben Prozent ab. MTU Aero Engines verbilligte sich sogar um 10,0 Prozent.

Im TecDax zogen eine ganze Reihe von Unternehmen den Index nach unten: Aktien von Singulus fielen um 11,5 Prozent. Aixtron, Morphosys und Q-Cells verloren jeweils mehr als sechs Prozent. Auch die übrigen Solarwerte mussten Abschläge hinnehmen.