Job-Daten gegen FedDax schafft ein Plus

Nach der Vorlage des US-Arbeitsmarktberichts atmen die Aktienmärkte auf. Der Dax macht seine Verluste wett. Spekulationen über ein mögliches Ende der lockeren US-Geldpolitik verflüchtigen sich vorerst einmal.
Nach einem durchwachsen ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht hat sich die Stimmung am deutschen Aktienmarkt merklich aufgehellt. Der späte Sprung ins Plus glückt.
Der Leitindex Dax notierte bei Handelsschluss 0,3 Prozent höher bei 7776 Punkten. Der MDax legte 0,5 Prozent zu auf 12.244 Zähler. Der TexDax notierte ebenfalls 0,2 Prozent höher bei 855,35 Punkte.
Die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den USA betrug im Dezember 155.000 und lag damit um 5000 Jobs höher als von Analysten erwartet. Dagegen fiel die Arbeitslosenquote mit 7,8 Prozent etwas schlechter aus als prognostiziert. Insgesamt dürfte das für die meisten Notenbanker der Fed deutlich zu wenig und damit eine baldige Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik nicht sehr wahrscheinlich sein.
Spekulationen auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik durch die Fed hatten die Aktienmärkte seit der Veröffentlichung des Dezember-Protokolls der US-Notenbank in der Zange gehalten. Das Protokoll sei "geldpolitisch nicht so aggressiv ausgefallen, wie das einige vermutet haben", sagte Annalisa Piazza, Analystin bei Newedge. Offenbar sei die Zentralbank bereit, ihre Politik zu überdenken, sobald die Nachteile die Vorteile zu überwiegen begännen, so Piazza weiter.
US-Jobdaten nehmen Fed in die Pflicht
Einige Mitglieder des für Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses der Fed sehen die Konjunkturhilfen offenbar zunehmend skeptisch. Laut Protokoll plädierten sie dafür, den Kauf von Staatsanleihen noch in diesem Jahr einzustellen, was Spekulationen auslöste, ob und vor allem wann die Fed von ihrem bisherigen Kurs abweichen wird.
Die Zentralbanker um Fed-Chef Ben Bernanke hatten Mitte Dezember beschlossen, die Notenpresse noch schneller rotieren zu lassen und noch mehr Staatsanleihen zu kaufen. Die US-Notenbank hatte bei ihrer Sitzung zudem mitgeteilt, solange an ultraniedrigen Zinsen festhalten zu wollen, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent liegt, was nach den jüngsten Daten deutlich der Fall ist.
Eine mögliche Eindämmung der Liquiditätsschwemme ist für die Aktienmärkte grundsätzlich keine gute Nachricht. Andererseits würde eine solche Maßnahme auch nahelegen, dass die US-Notenbank die Lage der Wirtschaft insgesamt wieder positiver einschätzt, was den Aktienmärkten auch wieder Auftrieb verleihen dürfte.
Euro-Wirtschaft findet Boden
Keine positiven Impulse entfaltete der gut, wenn auch knapp unter der Erwartung ausgefallene deutsche Einkaufsmanagerindex für den Servicebereich. Er stieg auf 52,0 Punkte und liegt damit wieder über der Schwelle von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Der entsprechende Index für die Eurozone fiel mit 47,8 wie erwartet aus. "Die Daten lassen hoffen, dass die Wirtschaft der Eurozone den Boden gefunden hat", so Howard Archer, Chefvolkswirt bei IHS.
Gute US-Absatzzahlen für Dezember sorgten bei den deutschen Autoherstellern nur für schwache Impulse. Für BMW ging es im Dezember um 34,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach oben, Mercedes kam immerhin auf ein Plus von 12 Prozent. BMW- und Daimler-Papiere notierten 0,2 bzw. 0,4 Prozent höher. VW notierten unverändert.
Zu den größten Verlierern zählten die Aktien von Merck mit einem Abschlag von 1,1 Prozent. Die Analysten von Nomura hatten die Papiere des Pharmakonzerns heruntergestuft.
Sky-Programme bei der Telekom
An der MDax-Spitze stiegen die Titel von Sky Deutschland um 2,9 Prozent. Die Deutsche Telekom hatte sich nach dem Verlust der Bundesligarechte mit dem Bezahlsender auf eine umfassende Zusammenarbeit geeinigt. Unter anderem können damit Kunden des bisherigen Telekom-Angebots Liga Total auch in der kommenden Saison Fußball schauen. Die T-Aktien legten um 1,2 Prozent zu.
Die Aktien der beiden großen Dax-Kursgewinner des Jahres 2012, Continental (-1,0 Prozent) und Lanxess (-1,1 Prozent), fielen ohne konkrete kursbewegende Nachrichten zurück. Händler führten die Kursschwäche auf Gewinnmitnahmen zurück. Für Lanxess spreche trotz der Kurs-Rally noch immer die Bewertung, sagte ein Händler Mit einem KGV von etwas mehr als 10 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2013 handele die Aktie deutlich unter dem Sektordurchschnitt von 14.
Im TecDax waren erneut die Solarwerte gefragt. Solarworld stiegen um gut 11,6 Prozent, nachdem sie am Vortag bereits 15 Prozent gewonnen hatten. US-Starinvestor Warren Buffett will bis zu 2,5 Mrd. US-Dollar über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway in ein Projekt des US-Unternehmens SunPower stecken.