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10.000er Rekord verschobenDax macht einen Rückzieher

29.05.2014, 17:40 Uhr
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Statt die Hürde endlich zu nehmen, kehrte der Markt lieber wieder um (Foto: dpa)

Es fehlen so wenige Punkte, da hätte selbst der Feiertagshandel an Christi Himmelfahrt für den Dax-Rekord bei 10.000 Punkten gereicht. Stattdessen sucht der Markt Gründe, um wieder runterzukommen.

Der deutsche Aktienmarkt ist durch Feiertagslethargie geprägt gewesen. Der Dax bewegte sich an Christi Himmelfahrt überwiegend knapp im Minus und stand bei Xetra-Schluss mit 9938 Punkten auf Vortagesniveau. Selbst die Tatsache, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal 2014 erstmals seit drei Jahren geschrumpft ist, beeindruckte die Marktteilnehmer nicht. Sie warten stattdessen nach wie vor darauf, ob und wann dem Dax der Sprung über die 10.000 Punkte-Marke gelingt.

Anleger setzen darauf, dass die Notenbanker auf ihrer Ratssitzung am kommenden Donnerstag den Leitzins senken und möglicherweise zusätzliche Geldspritzen für das Finanzsystem ankündigen werden. Die Aussicht auf eine anhaltend hohe Geldschwemme setze dem Dax nach oben keine Grenzen, sagt ein Händler.

Einige Börsianer halten in den kommenden Tagen aber auch Gewinnmitnahmen für möglich. "Es wäre keine Überraschung, wenn die Investoren zum Monatsende Kasse machen", sagte Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. Seit Anfang Mai hat der Dax 3,5 Prozent zugelegt, der EuroStoxx50 im Vergleich dazu nur 1,5 Prozent.

In den USA lag die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 1,0 Prozent tiefer als im Schlussquartal 2013, wie das Handelsministerium in einer zweiten Schätzung mitteilte. Ende April hatte das Ministerium noch ein Wachstum von 0,1 Prozent, also knapp über Stagnation, ermittelt. Bankvolkswirte hatten wegen des ungewöhnlich kalten Winters mit einem Wachstumseinbruch gerechnet.

Die Feiertagsruhe spiegelte sich auch beim Blick auf die Einzelwerte wider. Kursrelevante Nachrichten gab es kaum. Im Dax stachen die Anteilsscheine der Commerzbank mit einem Minus von 2,2 Prozent hervor, nachdem Exane BNP die Titel abgestuft hatte. Analyst Guillaume Tiberghien verwies auf Aussagen der Bank, wonach niedrigere Zinsen ihre Erträge belasten würden. Zudem sei das Risiko einer Kapitalerhöhung gestiegen, so der Experte. Bayer-Titel hielten sich dagegen nach einer Kurszielerhöhung durch die Deutsche Bank knapp im Plus.

Die T-Aktien rutschte leicht ins Minus. Ein Händler verwies auf einen Medienbericht, wonach sich hochrangige Manager des deutschen Telekomkonzerns und dessen US-Mobilfunksparte Mitte Mai mit dem Sprint-Mehrheitseigner Softbank getroffen hätten. Dabei hätten die Bonner einem möglichen Übernahmeangebot des drittgrößten US-Mobilfunkers Sprint für T-Mobile US positiv gegenübergestanden. Zuletzt hatten sich die Hinweise auf eine mögliche Offerte von Sprint verdichtet. Ein Problem ist allerdings die Unsicherheit über die mögliche Reaktion der Wettbewerbshüter.

Keine Nachrichten machten Händler hinter dem auffälligen Plus der Metro-Aktie aus. "Die Aktie scheint völlig auskonsolidiert zu haben, jetzt reichen schon kleine Kauforders für Kursgewinne, aber sogar die sind für einen Tag wie heute richtig gut", sagte ein Händler. Unter 29 Euro seien bereits seit einer Woche kaum noch Stücke zu haben gewesen. Dies spreche dafür, dass dies als ein vom Markt akzeptierter Minimalpreis der Aktie gesehen werde. Zudem reiche die Entspannung der Lage im Russland/Ukraine-Konflikt, um wieder Hoffnung auf ein baldiges IPO der Cash&Carry-Sparte zu wecken. Die Metro-Aktie gewann 2,2 Prozent auf 30,33 Euro und lag damit an der MDax-Spitze.

Quelle: ntv.de, sla/rts/DJ