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Leicht unter DruckEuro sucht Unterstützung

11.03.2014, 16:51 Uhr
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(Foto: picture alliance / dpa)

Die europäische Gemeinschaftswährung bewegt sich weiterhin in einer nur kleinen Spanne. Druck kommt von Äußerungen des EZB-Vize Constancio, wonach der Markt die Botschaft der EZB nicht verstanden habe.

Der Euro ist leicht unter Abwertungsdruck geraten. Aussagen eines führenden EZB-Vertreters drückten den Kurs. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung bis auf 1,3872 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagmittag etwas höher auf 1,3881 (Freitag: 1,3894) Dollar festgesetzt.

Mangels entscheidender Konjunkturdaten blieben große Impulse aus. Belastet wurde der Euro durch EZB-Vize Vitor Constancio. Der Portugiese hatte dem Finanzdienst "Market News International" gesagt, Notenbankchef Mario Draghi sei in der Vorwoche möglicherweise falsch vom Markt interpretiert worden. Tatsächlich habe er das Niedrigzinsversprechen der EZB verstärken wollen. Zudem bekräftigte Constancio, die Zinsen könnten jederzeit weiter gesenkt werden.

Zinssenkungen doch nicht vom Tisch?

Die EZB hatte ihren Leitzins vergangene Woche bei 0,25 Prozent belassen und zur Enttäuschung vieler Börsianer keine weiteren Maßnahmen in Aussicht gestellt. Draghi hatte zudem in den Augen vieler Beobachter ein relativ optimistisches Bild der Konjunktur gezeichnet und Sorgen vor einer gefährlichen Spirale sinkender Preise und sinkender Investitionen zu zerstreuen versucht. Ungeachtet dessen werde die Zinspolitik aber weiter extrem locker bleiben, sagte Draghi. "Unsere Geldpolitik wird aber auch dann erst einmal so bleiben, wie sie ist, wenn wir Fortschritte bei der Konjunktur sehen."

Constancio bezog sich nun ausdrücklich auf dieses Zitat des Notenbankchefs. "Ein Element in der Äußerung des Präsidenten, das von den Analysten und an den Märkten nicht aufgenommen wurde, war die Aussage, dass unser Zinsversprechen stabiler oder niedrigerer Zinsen auch über eine einfache Verbesserung der Situation hinaus gilt", sagte Constancio. "Grund dafür ist, dass die Wirtschaft nicht rund läuft. Das wurde von den Märkten leider nicht aufgenommen." Einige Analysten und EZB-Beobachter, darunter etwa Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer, hatten in den vergangenen Tagen erklärt, für sie seien nach den jüngsten Äußerungen Draghis weitere Zinssenkungen vorerst vom Tisch.

Am Devisenmarkt wird aber auch der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland um die Halbinsel Krim weiter aufmerksam verfolgt. Eine erneute Eskalation der Lage wird von Experten nicht ausgeschlossen. "Auch wenn dies weder im Interesse Russlands noch des Westen sein kann, bleibt das Ereignisrisiko hoch und vor diesem Hintergrund ist ein Anstieg der Risikoaversion jederzeit möglich", beschrieb Experte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen die Stimmung.

Yen-Anleger gelassen

Derweil lässt die Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik in Japan die Yen-Anleger kalt. Der Dollar notierte nahezu unverändert bei 103,20 Yen. Die japanischen Währungshüter beschlossen einstimmig, durch den Kauf von Wertpapieren weiterhin jährlich 60 Billionen bis 70 Billionen Yen (bis zu 510 Milliarden Euro) in die Wirtschaft zu pumpen.

Händlern zufolge war diese Entscheidung weitgehend erwartet worden. "Bevor die Bank of Japan ihre Geldpolitik noch weiter lockert, müsste sie erst einmal ihre Sicht der japanischen Wirtschaft ändern. Aktuell bewerten die Währungshüter die konjunkturelle Entwicklung als okay und haben daher nicht das Gefühl, irgendetwas an ihrem Programm ändern zu müssen", sagte Tadashi Matsukawa von PineBridge Investments.

Japan verfolgt derzeit eine sehr lockere Geldpolitik, um aus der Spirale aus sinkenden Preisen und rückläufigen Investitionen zu kommen, die jahrelang die Wirtschaft lähmte.

Nach der zuletzt erhöhten Volatilität des Yuan bewegt sich die chinesische Währung indes in einer engen Spanne zum Dollar. Die deutliche Abschwächung des täglichen Referenzsatzes durch die chinesische Zentralbank zu Wochenbeginn bleibt ohne Auswirkungen. Dieser wurde so stark abgeschwächt, wie zuletzt vor anderthalb Jahren. "Das Handelsvolumen hat sich mit der zunehmenden Vorsicht der Anleger deutlich reduziert", sagt ein Händler. Zuletzt notierte der Yuan bei 6,1402 und damit in der Nähe des Referenzsatzes vom Vortag bei 6,1312. Am Freitag lag der Referenzsatz noch bei 6,1201.

Quelle: ntv.de, ddi/jwu/rts/DJ/dpa