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Strafe für Billiggeldpolitik Euro zahlt Zeche für Draghi

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Der Euro bröckelt ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

In den USA stehen die Zeichen auf steigende, in Europa auf fallende Zinsen - das bekommt dem Euro schlecht. In Japan kann der Yen dagegen Boden gut machen. Auch dahinter steckt die Politik.

Die Anleger kehren dem Euro am Montag den Rücken: Die Gemeinschaftswährung fiel am späten Vormittag auf ein Tagestief von 1,2417 Dollar. Im New Yorker Schlussgeschäft vom Freitag hatte der Euro noch bei 1,2460 Dollar gelegen. Händler konnten keinen konkreten Auslöser für den abbröckelnden Euro-Kurs nennen. Die Gemeinschaftswährung leide seit Wochen unter der auseinanderdriftenden Geldpolitik im Euro-Raum und den USA, sagte ein Händler.

Während man sich in der Euro-Zone auf weitere Geldspritzen einstelle, gehe man in den USA von einer baldigen Zinserhöhung aus. Mit Spannung warteten Investoren daher vor allem auf den Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Notenbanker den wichtigen Passus "Niedrigzinsen für eine längere Zeit" in ihrer Erklärung streichen werden.

Der Yen hat nach dem deutlichen Wahlsieg der japanischen Regierungskoalition dagegen am Montag zugelegt. Der Dollar fiel zeitweise um 0,9 Prozent auf 117,76 Yen. Weil es an den Aktienmärkten bergab ging, steuerten Anleger laut Händlern den sicheren Hafen Yen an. Der Nikkei-Index gab 1,6 Prozent nach. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich bei einer vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag mit seiner Regierungskoalition die Zweidrittelmehrheit im Abgeordnetenhaus gesichert.

Aus Sicht von Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann sollte dies den Yen, der in diesem Jahr bereits 12,5 Prozent an Wert verloren hat, aber mittelfristig weiter schwächen. Der Wahlausgang dürfte schließlich "Abenomics ohne Grenzen" bedeuten. Um die japanische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, flutete die Notenbank die Märkte zuletzt mit billigem Geld. Abe versprach bei seinem Amtsantritt 2012, mit einer gezielten Ausgabenpolitik und Strukturreformen zusätzliche Impulse zu setzen. Dieser Maßnahmen-Mix wurde als "Abenomics" weltweit bekannt. Ein konjunktureller Durchbruch blieb bislang aber aus. Nach einer Mehrwertsteuer-Erhöhung im April rutschte Japans Wirtschaft im dritten Quartal wieder in die Rezession.

Quelle: ntv.de, hvg/rts