Marktberichte

Türkei stützt Lira, Bernanke tritt ab Fed-Furcht ergreift Dax-Anleger

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Am Mittwoch tagt die US-Notenbank zum letzten Mal unter Fed-Chef Bernanke.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zum letzten Mal tagen die US-Notenbanker heute unter Vorsitz von Ben Bernanke: Hören die Währungshüter mit dem Gelddrucken auf? Die Unsicherheit über das Ende der Dollarflut jagt den Anlegern gehörige Angst ein.

Die Angst der Anleger über Währungsturbulenzen in den Schwellenländern hat am Mittwoch zu einem Auf und Ab an den Aktienmärkten geführt. Auch die Ungewissheit über die Entscheidung der US-Notenbank Fed am Abend löste Angst am Markt aus. Der Dax verlor rund 0,7 Prozent auf 9.336 Punkte. In der Spitze hatte der deutsche Leitindex sogar 2,0 Prozent nachgegeben. Zur Eröffnung hatte das Börsenbarometer 1,1 Prozent zugelegt. Der MDax sank 0,7 Prozent auf 16.309 Zähler. Auch der TecDax gab seine anfänglichen Gewinne von 1,1 Prozent vollständig ab und schloss mit 0,5 Prozent im Minus bei 1.217 Stellen.

Die Angst vor den Folgen einer Drosselung der Dollarflut trieb die Anleger um. Die US-Notenbank Fed wird am Abend entscheiden, ob sie die Geldpresse künftig langsamer rotieren lassen wird. Viele Experten rechnen mit einer Reduzierung der Wertpapierkäufe um zehn auf monatlich 65 Milliarden Dollar. Die Entscheidung auf der letzten Sitzung der Währungshüter unter Fed-Chef Ben Bernanke hat weltweite Konsequenzen. Sollten die US-Währungshüter die Geldflut weiter eindämmen, dürften viele Anleger wieder stärker den als sicheren Hafen geltenden US-Kapitalmarkt anlaufen und ihr Geld aus den Schwellenländern abziehen. Die Entscheidung wird am Abend nach Handelsschluss in Europa veröffentlicht.

Kommt nach der Dollarflut der Crash?

"Der Markt wartet auf die Fed und fürchtet, dass die Kapitalflucht aus den Schwellenländern noch nicht vorbei ist", erklärte ein Händler. Die Angst vor einer Kapitalflucht hatte in den letzten Tagen die Währungen unter anderem in Argentinien, Indien und der Türkei unter Druck gebracht und weltweite Börsenturbulenzen ausgelöst. Die indische Zentralbank erhöhte daraufhin bereits am Dienstagmorgen drastisch die Zinsen. Am Abend stützten auch die türkischen Notenbanker die heimische Währung mit einer dramatischen Zinserhöhung. "Die Verzweiflungsaktion der türkischen Zentralbank hat nur kurzzeitig für Erleichterung gesorgt", sagte ein anderer Händler.

Die Verunsicherung zeigte sich im Auf und Ab im deutschen Leitindex. Die Aktien von HeidelbergCement schossen zunächst mit einem Plus von 2,8 Prozent nach oben, gaben ihre Gewinne aber wieder vollständig ab und gingen am Ende mit einem Mini-Aufschlag von 0,1 Prozent aus dem Handel. Die Experten von JP Morgan hatten die Aktien als ihre Top-Favoriten im Baustoffsektor empfohlen und auf eine Auswahl-Liste gesetzt. Auch Bayer zogen anfänglich um rund 1,2 Prozent an, lagen zwischenzeitlich mit rund 1,4 Prozent im Minus und schlossen nahezu unverändert. Analysten der Berenberg Bank hatten die Titel laut Händlern hochgestuft.

Deutsche Bank erwartet weitere Kosten

Daimler legten anfänglich 0,8 Prozent zu, verloren am Ende aber 1,6 Prozent. Der Weggang von Einkaufs- und Produktionschef Andreas Renschler bremste den Aktienkurs zusätzlich. Nach der Hauptversammlung vom Vortag wurden Siemens mit einem Dividendenabschlag gehandelt und schlossen 4,1 Prozent unter dem Vortageskurs. Auch die Spezialchemietitel von Lanxess gerieten mit minus 0,8 Prozent unter Druck.

Die Vorzugsaktien von VW verbilligen sich um rund 2,0 Prozent, nachdem die Gewinnentwicklung der Tochter Scania am Markt enttäuscht hatte. Besonders stark gefragt waren defensive Papiere: Fresenius gaben dank einer positiven Studie von Exane BNP nur 0,2 Prozent nach. Auch die Aktien der Deutschen Bank blieben angesichts der schwachen Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres und des negativen Marktumfeldes eher unauffällig und verloren bloß 0,7 Prozent.

Im MDax legten Osram erst 2,4 Prozent zu, in der Spitze betrug der Aufschlag sogar bis zu 5,7 Prozent. Am Ende reichte es allerdings nur für ein Minus von 2,5 Prozent. Der Leuchtmittelhersteller hatte im Weihnachtsquartal dank des strikten Sparkurses mehr als erwartet verdient. Wacker Chemie stiegen erst um 1,3 Prozent, drehten dann aber mit rund 0,7 Prozent ins Minus. Der Chemiekonzern hatte am Vortag wegen einer Schadensersatzzahlung einen deutlich höheren Quartalsgewinn in Aussicht gestellt. Im TecDax setzten SMA Solar ihren Höhenflug vom Vortag in Folge einer Analystenempfehlung fort und stiegen um rund 1,7 Prozent.

Quelle: ntv.de, hvg/rts