Inside Wall StreetHandy überholt Haustelefon
Die Telekomindustrie hat einen Wendepunkt erreicht: Im ablaufenden Jahr haben die Amerikaner erstmals mehr Geld für ihre Handys ausgegeben als für ihre Festnetz-Telefone.
Die Telekomindustrie hat einen Wendepunkt erreicht: Im ablaufenden Jahr haben die Amerikaner erstmals mehr Geld für ihre Handys ausgegeben als für ihre Festnetz-Telefone. Ganz überraschend kommt der Trend nicht, doch scheint jetzt das Ende des klassischen Apparates auf dem Beistelltischchen offiziell eingeläutet.
Selbst Branchenexperten sind erstaunt über das rasante Tempo des Handy-Trends. Immerhin: Noch vor fünf Jahren hatten sich Amerikaner ihr Haustelefon dreimal so viel kosten lassen wie das Handy. Im Jahr 2006 haben sie dann laut jüngsten Daten der US-Regierung fast gleich viel Geld für Festnetz und Mobilfunk ausgegeben: 542 Dollar für die Landleitung, und 524 Dollar für das mobile Gerät - in diesem Jahr, für das die endgültigen Daten noch nicht vorliegen, hat sich das Verhältnis gedreht.
Die Gewichtung verschiebt sich interessanterweise auf beiden Seiten der Gleichung. Dass sich Handys rasend schnell verbreiten, ist bekannt. In den USA sind zurzeit geschätzte 250 Millionen Geräte im Einsatz. Der durchschnittliche Umsatz pro Gerät steigt wiederum mit dem stetig wachsenden Angebot neuer Funktionen. Seit Jahren bringt die SMS-Schiene der Branche Millionen ein, das Überspielen von Fotos und Filmen kostet extra, ebenso der Download von Musik und Spielen.
Auf dem Markt für Landleitungen geht es hingegen deutlich bergab. Bestehende Leitungen werden weniger genutzt, und neu gegründete Haushalte verzichten oft komplett auf einen Apparat, weil sie ihre gesamte Fernkommunikation per Handy erledigen können. Zumal Internet-Telefonie da aushilft, wo die Handy-Gebühren zu teuer wären, also etwa im internationalen Bereich.
Die Telekom-Industrie hat sich ihrem Schicksal gefügt. Beim Dow-notierten Branchenriesen gibt man offen zu, über Landleitungen kein Wachstum mehr zu sehen und auch keines mehr zu erwarten. Seit Jahren stagnieren die Umsätze, wie Pressesprecher Eric Rabe erklärt. Im Mobilfunk verzeichnet Verizon hingegen seit fünf Jahren jährliche Wachstumsraten zwischen 15 und 20 Prozent.
Auch am wachsenden VoIP-Trend - also Telefonaten über Internet - verdienen die Konzerne mit, da sie längst auch Breitbandzugang zum Netz anbieten. Insofern ist die Branche auch in Zukunft sicher im Geschäft, so sehr es sich auch geändert hat.