Marktberichte

Rückgang allerorten Märkte sacken wieder ab

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Die Händler, die sich gerade nicht auf dem berühmten Parkett tummeln dürfen, haben ihren Optimismus vom Vortag wieder eingebüßt.

(Foto: REUTERS)

Die großen US-Indizes zeigen sich nicht besonders agil - im Gegenteil: Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq sacken allesamt wieder ein Stück ab. Goldman Sachs blickt düster in die Zukunft.

Nach einer Berg- und Talfahrt haben die US-Börsen den Handel tief im Minus beendet. Vorübergehend hatten Konjunkturdaten, die nicht ganz so schlecht ausgefallen waren wie befürchtet, den Kursen ins Plus geholfen, doch bald gewannen wieder Rezessionsängste die Oberhand, befeuert von einer pessimistischen Studie der Investmentbank Goldman Sachs.

S&P 500
S&P 500 3.126,37

Der Dow-Jones-Index fiel um 1,8 Prozent auf 21.917 Punkte. Im ersten Quartal summierte sich das Minus des Index auf 23 Prozent. Es war das schwächste erste Vierteljahr seit 1987. Der S&P-500 verlor 1,6 Prozent, der Nasdaq-Composite schloss 1 Prozent niedriger. Dabei wurden 1.325 (Montag: 1.801) Kursgewinner gesehen, denen 1.665 (1.198) -verlierer gegenüberstanden. Unverändert schlossen 40 (37) Titel.

Die Zahl der Neuinfizierten und Todesfälle in den USA nimmt immer noch stark zu, und eine Abschwächung scheint nicht in Sicht. Und es ist weiter ungewiss, inwieweit die eingeleiteten Maßnahmen der US-Regierung und der Fed die negativen Auswirkungen der Pandemie abfedern werden. Wie schlimm es tatsächlich um die US-Konjunktur steht, würden aber erst die Daten in den kommenden Wochen zeigen, hieß es.

Düstere Aussichten

Goldman Sachs sieht schon jetzt schwarz für die US-Wirtschaft. Die Analysten der Investmentbank haben ihre ohnehin schon pessimistischen Erwartungen nochmals zurückgeschraubt. Für das erste Quartal dieses Jahres rechnen sie mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 9 Prozent, im zweiten Quartal erwarten sie einen Einbruch des realen BIP um sogar 34 Prozent. Bisher hatten sie den Rückgang auf 6 Prozent im ersten und 24 Prozent im zweiten Quartal geschätzt.

Allerdings ist Goldman zuversichtlich, dass Maßnahmen wie Kontaktverbote oder Schließungen etwa von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen schon im kommenden Monat die Zahl der Neuerkrankungen deutlich sinken lassen. Eine langsamere Ausbreitung des Virus und die Beachtung der Einschränkungen durch Unternehmen und Einzelpersonen könnten den Weg für eine Erholung der Wirtschaft ab Mai/Juni bereiten, so die Analysten.

Im Verbrauchervertrauen und dem Chicago-Einkaufsmanager-Index hat die Krise derweil zunächst nicht ganz so gravierende Spuren hinterlassen wie erwartet. Beide verzeichneten im März zwar jeweils einen Rückgang, der aber geringer ausfiel als von Ökonomen prognostiziert. Leicht positiv wurden auch die jüngsten Daten aus China aufgenommen. Nach dem historischen Absturz der Einkaufsmanager-Indizes sind diese im März für das Dienstleistungsgewerbe und den verarbeitenden Sektor wieder in den Expansionsbereich zurückgekehrt.

WTI-Ölpreis erholt sich dank guter China-Daten

Nachdem die Ölpreise am Vortag auf den tiefsten Stand seit 18 Jahren gefallen waren, kam es nun zu einer Stabilisierung, einerseits gestützt durch die besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten aus China, andererseits aber gebremst durch den wieder etwas festeren Dollar. Beobachter sprachen auch nur von einer technischen Erholung, denn die Belastungsfaktoren bestünden weiter. Durch den negativen Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf die globale Konjunktur ist die Öl-Nachfrage eingebrochen, was ein starkes Überangebot zur Folge hat. Dazu kommt der Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 1,9 Prozent auf 20,48 Dollar, Brent sank derweil um 0,1 Prozent auf 22,74 Dollar.

Der Goldpreis gab deutlicher nach. Wie beim Öl lastete auch hier der feste Dollar auf dem Preis. Nach Aussage von AxiCorp soll die russische Notenbank erklärt haben, ab dem 1. April ihre Goldkäufe einzustellen. Die Feinunze reduzierte sich um 3 Prozent auf 1.575 Dollar.

Der Dollar profitierte derweil zu vielen Währungen von seinem Status als "sicherer Hafen" in Krisenzeiten, aber auch von einer erhöhen Dollar-Nachfrage zum Ende des Quartals bzw Fiskaljahrs. Im Gegenzug rutschte der Euro zeitweise unter die Marke von 1,10 Dollar und notierte im späten US-Handel bei 1,1020 Dollar.

Für die andauernde Unsicherheit sprach auch die lebhafte Nachfrage nach US-Anleihen. Steigende Notierungen drückten die Rendite zehnjähriger Papiere um 3,8 Basispunkte auf 0,68 Prozent.

Dividendenverzicht von Carnival kommt gut an

Bei den Einzelwerten konnte sich die Ford-Aktie (minus 4 Prozent) der negativen Stimmung nicht entziehen, obwohl der Autohersteller sich im Zuge der Corona-Krise ein neues Standbein schafft. Ford will Beatmungsgeräte für Krankenhäuser produzieren, die für Covid-19-Patienten benötigt werden. Das Unternehmen will 50.000 Geräte innerhalb von 100 Tagen fertigen und dann je nach Nachfrage 30.000 Stück pro Monat.

Dagegen wurde die Entscheidung der Kreuzfahrtreederei Carnival, auf Dividende und Aktienrückkauf zu verzichten, mit einem Plus von 2,9 Prozent belohnt. Carnival, die wegen der Corona-Pandemie den Betrieb praktisch einstellen musste, will so ihre Liquidität verbessern. In den vergangenen beiden Handelstagen war der Carnival-Kurs um 28 Prozent gefallen, in den zurückliegenden drei Monaten summiert sich das Minus auf 75 Prozent.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ