Marktberichte

Freundlich, aber "schwerfällig" Dax beschließt den Tag im Plus

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Der Dax am Donnerstag: Der Rückenwind aus China lässt bis zum Mittag etwas nach.

(Foto: REUTERS)

Ermutigende Signale aus dem Inneren Chinas wecken neue Hoffnung an der Börse. Die Furcht vor einer "harten Landung" des Riesenreichs verblasst. Der Dax rettet sich jenseits der 9700er-Linie in den Feierabend.

Konjunkturdaten aus China, Europa und den USA haben dem deutschen Aktienmarkt im Handelsgeschehen am Donnerstag nur in geringem Umfang Auftrieb verliehen. "Händler zögern wegen der nahenden Präsidentenwahlen in der Ukraine und des verlängerten Wochenendes in den USA und Großbritannien mit Käufen", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black. In London und New York bleiben die Börsen am kommenden Montag feiertagsbedingt geschlossen.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Plus von 0,24 Prozent bei 9720,91 Punkten aus dem Donnerstagshandel. Enttäuschende Konjunktursignale aus Frankreich hätten größere Gewinne verhindert, hieß es. Der deutsche Leitindex bewegte sich im Verlauf in einer engen Spanne von rund 45 Punkten. Der Dax zeige sich weiterhin schwerfällig, kommentierte Marktexperte Jens Klatt von DailyFX. Für den MDax ging es deutlich stärker um volle 1,00 Prozent auf 16.490,97 Punkte nach oben. Der Technologiewerteindex TecDax schloss 0,48 Prozent im Plus bei 1250,64 Punkten.

Investoren befürchten eine Eskalation der Gewalt im Umfeld der ukrainischen Wahl am Sonntag. Pro-russische Separatisten wollen die Stimmabgabe im Osten des Landes verhindern, sie streben eine Abspaltung der Region an. Die Regierung in Kiew wiederum setzt das Militär ein, um die Kontrolle über das Gebiet wiederzuerlangen.

Auch die Europa-Wahl sorge für Unruhe, betonten Börsianer. Allgemein werde mit hohen Stimmengewinnen für rechtspopulistische und europakritische Parteien gerechnet. Dies könnte den Sanierungsprozess in den Krisenstaaten verlangsamen und einige Regierung vielleicht sogar ins Wanken bringen.

Daten aus China und Europa

Mit Erleichterung reagierten Börsianer auf den Anstieg des von HSBC ermittelten Stimmungsbarometers der chinesischen Einkaufsmanager auf 49,7 Punkte nach 48,1 Punkten im Vormonat. "Endlich mal wieder gute Nachrichten aus dem Reich der Mitte", urteilte LBBW-Analyst Uwe Streich.

Der Index der europäischen Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor stieg sogar auf 53,5 Zähler, den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Die Industrie verlor wegen der wackeligen Weltkonjunktur jedoch an Schwung. "Dies ändert nichts an der Tatsache, dass die Eurozone eine ihrer besten Wachstumsphasen der vergangenen drei Jahre hat", betonte Volkswirt Rob Dobson vom Datenanbieter Markit.

Der vorläufige Einkaufsmanager-Index für die US-Industrie stieg überraschend stark auf 56,2 Punkte von 55,4 Zählern im Vormonat, teilte Markit weiter mit. Diese Dynamik werde in den kommenden Monaten voraussichtlich anhalten.

Auftrieb für Stahlwerte

Am deutschen Aktienmarkt waren Stahlwerte besonders gefragt, nachdem sich die Analysten von Goldman Sachs positiv zu einigen Unternehmen der Branche geäußert hatten. Sie stuften unter anderem Klöckner & Co von "Sell" auf "Neutral" hoch. Daraufhin legten deren Aktien 4,2 Prozent zu und setzten sich an die Spitze der Nebenwerte-Index MDax.

Bei den Anteilsscheinen von Salzgitter schmolz der anfangs hohe Kursgewinn am Ende auf 0,5 Prozent zusammen. Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller sieht seine Branche nach hohen Verlusten in einer Talsohle angelangt. Die Aktien von ThyssenKrupp verteuerten sich im Dax um 0,7 Prozent.

Die Aktien des Roboter- und Maschinenbauers Kuka gewannen nach einem Medienbericht über eine mögliche Beteiligung von Siemens knapp 3 Prozent. Siemens-Papiere legten ihrerseits um 0,8 Prozent zu.

Deutschen Bank trifft Aktionäre

Im Blickfeld der Anleger standen zudem die im Dax gelisteten Bankaktien. Die Deutsche Bank sieht sich angesichts schärferer Regeln der Aufseher zum Sparen gezwungen, ihre Titel verbuchten am Tag der Hauptversammlung ein Plus von 0,6 Prozent.

Die Aktien der Commerzbank setzten ihren in dieser Woche eingeschlagenen Erholungskurs fort und rückten um 0,66 Prozent vor. Der Negativtrend seit Anfang April scheint damit vorerst gestoppt. Die teilverstaatlichte Bank steht einem Zeitungsbericht zufolge kurz davor, ihre Immobilienkredite in Japan loszuwerden.

Air Berlin zieht steil an

Im TecDax gewannen die Aixtron-Aktien 3,6 Prozent. Händlern zufolge profitierten die Titel von Spekulationen um ein mögliches Interesse von Philips am US-Branchenkollegen Cree. Im SDax schnellten Papiere von Air Berlin gegen Handelsende um mehr als 8 Prozent in die Höhe.

Der EuroStoxx 50 trat zum Handelsschluss mit plus 0,02 Prozent auf 3187,63 Punkte quasi auf der Stelle. Der CAC 40 in Paris legte etwas zu, der Londoner "Footsie" notierte unverändert. An der Wall Street gewannen Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 zwischen 0,1 und 0,7 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 1,13 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,07 Prozent auf 135,78 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,12 Prozent auf 146,10 Punkte zu. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3668 (Mittwoch: 1,3676) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7316 (0,7312) Euro.

Quelle: ntv.de, mmo/ddi/DJ/dpa/rts

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