Siemens stützt die StimmungDax robust erwartet

Am deutschen Aktienmarkt zeichnet sich am Morgen ein leicht positiver Handelsstart ab. Beobachter in Banken und Brokerhäusern rechnen mit kräftigem Rückenwind durch die Ergebnisse von Siemens.
Nach seinen zuletzt deutlichen Kursverlusten dürfte der Dax den Einschätzungen von Börsianern zufolge freundlich in den Dienstagshandel starten. Die Dax-Futures eröffneten am Morgen leicht erholt. "Gute Unternehmenszahlen wie bei Siemens, einige Hochstufungen und der Stopp der internationalen Verkaufswelle stützen", meinte ein Händler. Der März-Kontrakt des Dax-Futures stieg im frühen Geschäft um 26,5 Zähler auf 9373 Punkte. Das Tageshoch liegt bislang bei 9376 und das -tief bei 9358 Punkten. Umgesetzt wurden bisher rund 1100 Kontrakte.
Wichtig sei nun, dass der deutliche Widerstand bei 9.400 Zählern überwunden werde, erklärte ein charttechnisch orientierter Beobachter. "Ansonsten würde es sich nur um einen Pullback von unten an den Widerstand handeln", meinte ein Händler weiter. Dies könnte zu einem neuerlichen Absturz führen.
In der Indikation bei Lang & Schwarz wurde der deutsche Leitindex zum Handelsstart bei 9346 Punkten gesehen, was einem nahezu unveränderten Auftakt entspricht. Die Optionsprämien auf Dax-Optionen preisen für Dienstag eine Schwankungsbreite im Dax von 90,60 Punkten oder 0,97 Prozent um den Schlusskurs des Vortages ein. Das entspricht einer Dax-Bewegung auf bis zu 9440 Punkte nach oben und 9259 Punkte nach unten. Der VDax-New schloss am Vortag bei 18,51 Prozent. Der Leitindex hatte den regulären Handel am Vorabend bei 9349,22 Zählern beendet.
Seit Ende vergangener Woche hat der deutsche Leitindex fast 3 Prozent verloren - Sorgen um die wirtschaftliche und politische Entwicklung in einigen Schwellenländern hatten die Märkte zuletzt weltweit ins Straucheln gebracht.
Beachtung dürfte am Morgen vor allem der Geschäftsbericht von Siemens finden. Der Umsatz stagnierte auf Quartalsebene auf vergleichbarer Basis ohne Währungseffekte in etwa bei 17,4 Milliarden Euro und lag damit etwas unter den Erwartungen der Analysten.
Als "sehr ordentlich" bewerteten Händler die Geschäftszahlen in einer ersten Einschätzung. Vor allem der positive Ausblick des Konzerns sorgt offenbar für Zuversicht. "Wenn Siemens von einer 'gewissen' Bodenbildung in Europa und einer 'etwas' längeren Erholung in China spricht, weiß man bei deren konservativem Stil, dass das als deutlich positives Erholungszeichen interpretiert werden muss", meinte ein Analyst am Morgen. Bei den Einzelbereichen habe vor allem der Infrastrukturbereich positiv überrascht. Die Umsätze hätten dagegen leicht unter Erwartung gelegen.
Heino Ruland von Ruland Research geht davon, dass der Siemens-Umsatz wegen unterlassener Absicherungen gegen Wechselkursrisiken unter der Euro-Stärke gelitten haben könnte. Bei der Analyse der Daten sei etwas belastend, dass Siemens die Vergleichszahlen zum Vorjahr geändert habe, hieß es. Sie deckten sich nicht mit den ehemals berichteten Daten.
Die Stärke des Infrastrukturbereichs falle zudem nur so stark aus, so Marktexperte Ruland weiter, da ein eigentlich bekannter Großauftrag aus Saudi-Arabien anscheinend nicht in die Schätzungen mit einbezogen worden sei. Insgesamt liege das Konzernergebnis aber trotzdem über Erwartung. Daher lobt Ruland den Plan von Siemens, sich weiter auf die Steigerung der Produktivität konzentrieren zu wollen.
Abschied von der Nyse
Per Saldo kommen die Daten damit gut in der Investmentgemeinde an. "Nach so mittleren Katastrophen aus dem Industriebereich wie Alstom und ABB sind das solide Zahlen plus einem für Siemens-Verhältnisse sehr guten Ausblick", meinte ein Händler. Der geplante Rückzug von der amerikanischen Nyse sei nicht belastend, da ein Verbleib ohnehin zu teuer und berichtsaufwendig gewesen wäre. Bei Lang & Schwarz werden die Titel vorbörslich 0,6 Prozent fester getaxt.
Die am Morgen ebenfalls vorgelegten Geschäftszahlen des niederländischen Elektronikkonzerns und Siemens-Rivalen Philips stufte ein Händler in einer ersten Einschätzung als überzeugend ein. Allerdings trübe die Qualität der Zahlen, da vor allem Kosteneinsparungen zu den Verbesserungen beigetragen hätten, hieß es. "Das operative Geschäft könnte besser laufen", ergänzte er. Der Ausblick des Unternehmens lese sich vorsichtig. Damit stehe das Unternehmen in dieser Berichtssaison allerdings nicht allein.
Die Vorgaben aus Übersee fallen schwach aus, lediglich aus China kommen leicht stützende Signale. An der Wall Street hatte der Dow-Jones-Index am Vorabend 0,3 Prozent nachgegeben, der S&P-500 0,5 Prozent und der Nasdaq-Composite 1,1 Prozent. In Asien verlor der Nikkei-Index am Dienstag 0,2 Prozent, der Shanghai-Composite rückte dagegen um 0,4 Prozent vor.
Mit den Notierungen am deutschen Anleihemarkt geht es im frühen Handel leicht nach oben. Der März-Kontrakt des Bund-Futures steigt bis 8.40 Uhr um 3 Ticks auf 142,46 Prozent. Das Tageshoch liegt bislang bei 142,54 und das -tief bei 142,43 Prozent. Umgesetzt wurden bisher rund 19.300 Kontrakte. Der Bobl-Futures gewinnt 5 Ticks auf 126,04 Prozent.
Trotz des erneuten Ifo-Anstiegs konnte sich der deutsche Rentenmarkt zu Wochenbeginn behaupten, merkten Analysten der Helaba an. Entsprechend gebe beim Bund-Future der seit Jahresanfang bestehende Aufwärtstrend weiterhin die Richtung vor. Die nächsten Widerstände seien bei 142,90, 143,30 und 144,37 zu finden, erste Unterstützungen bei 141,75 und 141,30. Die Handelsspanne am Dienstag sehen die Analysten zwischen 142,00 und 143,30.