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WorldComs langer SchattenNasdaq fällt auf 5-Jahres-Tief

02.07.2002, 22:15 Uhr

In der vergangenen Woche schienen die US-Börsen den WorldCom-Bilanzskandal noch locker wegzustecken - in dieser Woche trifft er die Indizes dafür umso härter. Details über den Bilanzbetrug des Telekom-Konzerns schickten die Indizes auf Talfahrt.

In der vergangenen Woche schienen die US-Börsen den WorldCom-Bilanzskandal noch locker wegzustecken - in dieser Woche trifft er die Indizes dafür umso härter. Am Montag schickten Details über den Bilanzbetrug des Telekom-Konzerns die Indizes bereits auf Talfahrt und auch am Dienstag riss der Strom der Negativ-Meldungen nicht ab. Der Dow Jones fiel 1,1 Prozent auf 9.008 Punkte, für die Nasdaq ging es 3,3 Prozent auf 1.358 Zähler nach unten.

Die US-Regierung prüft Presseberichten zufolge derzeit die Vergabe weiterer Aufträge an das Unternehmen. Zudem sei der Umfang der Falschbuchungen in den Bilanzen des Telekomkonzern möglicherweise um 1 Milliarde US-Dollar höher als bisher bekannt. Nach Ansicht von Analysten steht der Telekomkonzern kurz vor dem Bankrott. Die Abwanderung von Kunden könne das Unternehmen in die Knie zwingen, so ein Händler. Die WorldCom-Aktie pendelte im einstelligen Cent-Bereich, nachdem die Papiere am Vortag rund 90 Prozent eingebrochen waren.

Mit Vivendi Universal geriet am Dienstag zudem ein weiterer Großkonzern in den Verdacht der Bilanzmanipulation. Einem Zeitungsbericht zufolge soll der amerikanisch-französische Medienkonzern im Jahr 2001 versucht haben seine Bilanz durch komplizierte Buchungen um 1,5 Milliarden Euro zu schönen. Die Aktie brach im US-Handel 20,9 Prozent auf 17,76 Dollar ein.

Die Stimmung sei sehr schlecht, so ein Händler. Zu den Bilanz-Skandalen käme noch die Furcht vor weiteren Anschlägen am amerikanischen Nationalfeiertag, dem 4. Juli. Die US-Sicherheitsbehörden hätten entsprechende Warnungen ausgegeben, das belaste die Märkte natürlich zusätzlich.

Von der Konjunkturseite wird es vor den neuesten Arbeitslosenzahlen am Freitag nur wenig Nachrichten geben. Der Blick der Anleger richte sich daher auf die Unternehmensmeldungen und die seien mal wieder überwiegend schwach, hieß es weiter.

So gab der Softwarehersteller Advent Software am Montag nach Börsenschluss eine Umsatzwarnung für das zweite Quartal aus. Man rechne nun nur noch mit Umsätzen im laufenden Quartal von maximal 39 Millionen Dollar und nicht mehr wie bislang prognostiziert mit 48 Millionen Dollar. Die Aktie brach 29,7 Prozent auf 17,04 Dollar ein.

Schlechte Nachrichten gab es auch von dem Hersteller von Software-Zubehör Rational Software. Der Gewinn je Aktie werde im zweiten Quartal nur zwischen drei und vier Cent betragen und nicht wie ursprünglich erwartet fünf bis sechs Cent, warnte das Unternehmen. Analysten waren bislang von einem Überschuss je Aktie von sechs Cent ausgegangen. Die Aktie verlor 1,3 Prozent auf 7,35 Dollar zu.

Der Zulieferer für den Mobiltelefonsektor Anadigics erwartet im dritten Quartal geringere Umsätze als im zweiten Quartal. Die Prognose für das zweite Quartal werde man allerdings erfüllen, so das Unternehmen weiter. Die Aktie schloss mit 28 Prozent bei 5,24 Dollar in der Verlustzone.

Der hoch verschuldete US-Mischkonzern Tyco International hat nach eigenen Angaben 4,6 Milliarden Dollar aus dem Börsengang seiner Finanztochter CIT Group eingenommen. Tyco habe 200 Millionen CIT-Aktien für je 23 Dollar verkauft, teilte der Konzern am Montagabend mit. Die Gesamteinnahmen belaufen sich damit auf weniger als die Hälfte des noch vor einem Jahr gezahlten Kaufpreises für CIT und liegen 400 Millionen Dollar unter dem zuletzt erwarteten Mindesterlös. Die Papiere gaben 7,6 Prozent auf 12,71 Dollar nach. Wenig erbaulich verlief auch das CIT-Debüt: Der Kurs gab 4,4 Prozent auf 22,00 Dollar nach

Die beiden führenden US-Autohersteller General Motors und Ford wollen einem Pressebericht zufolge neue Kaufanreize anbieten, um der sich abschwächenden Autonachfrage entgegen zu wirken. Die General-Motors-Aktie gab 0,6 Prozent auf 50,50 Dollar ab, für Ford ging es 1,6 Prozent auf 15,76 Dollar nach oben.

Das Pharmaunternehmen First Horizon Pharmaceutical gab eine Gewinnwarnung für das zweite Quartal und das Gesamtjahr aus. Der Gewinn je Aktie im zweiten Quartal werde maximal zwei Cent je Aktie betragen und nicht wie von Analysten erwartet bis zu acht Cent, so das Unternehmen. Die Aktie brach 81 Prozent auf 3,51 Dollar ein.