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Geht den Aktien die Puste aus? Nervosität vor EZB-Sitzung

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"Sell in May and go away" - Gibt es den sogenannten Mai-Effekt?

(Foto: Reuters)

Greifen die europäischen Währungshüter kommende Woche in die Zinsschraube oder nicht? Die Meinungen sind geteilt. Auch die "Fusionitis" unter Unternehmen schürt Unsicherheiten. Markteilnehmer müssen zudem jede Menge Zahlen verdauen.

Vor der Mai-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) blühen am Aktienmarkt die Spekulationen über den weiteren Kurs der Geldpolitik. Anleger dürften die Bälle deshalb in der neuen Börsenwoche eher flach halten. Den Takt an den Märkten wird außerdem eine Flut von Firmenbilanzen vorgeben.

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Marktbeobachter stellen sich vor der EZB-Ratssitzung am Donnerstag die Frage, ob die Währungshüter die Zinsen weiter senken oder Wertpapiere aufkaufen werden, um eine Deflation - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen - zu verhindern. Viele Volkswirte gehen davon aus, dass die Zentralbanker um ihren Chef Mario Draghi nicht aktiv werden. Allerdings gibt es auch Wetten auf eine weitere geldpolitische Lockerung und somit laut Strategen durchaus Raum für Enttäuschungen. "Das Stimmungsbild ist gemischt, und wenn die EZB nicht handelt, könnte das auch einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischen", sagt Tobias Basse von der NordLB.

Nach Analyse der Commerzbank dürfte die EZB am Donnerstag ihr Pulver trocken halten. "Allerdings wird Mario Draghi alles versuchen, um Fantasie am Markt zu erhalten." Aktuell sieht Draghi jüngsten Aussagen zufolge trotz der niedrigen Inflation derzeit keine Gefahr einer Deflation. Solch ein Preisverfall auf breiter Front gilt als sehr schädlich für eine Volkswirtschaft, da Konsumenten in der Erwartung sinkender Preise ihren Konsum ebenso aufschieben wie Firmen ihre Investitionen.

Sell in May and Go away?

Viel Luft nach oben sehen die meisten Analysten für den deutschen Aktienmarkt in der neuen Woche nicht. In der alten Woche schaffte der Dax mit 9556 Punkten ein Plus von 1,6 Prozent. In den USA hatte die Aussicht auf eine weitere Erholung der US-Wirtschaft den Dow-Jones-Index zeitweise auf einen Rekordstand von 16.580 Punkten geschoben. Auf Wochensicht gewann der amerikanische Leitindex 0,9 Prozent. Analysten werden am Montag vor allem auf den ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor schauen, bei dem ein leichter Anstieg erwartet wird.

Fundamental spreche momentan vieles dafür, dass Aktien eine Durststrecke bevorstehe, sagt Stratege Markus Reinwand von der Helaba. Die Ukraine-Krise habe die Stimmung getrübt, vor allem aber blieben die Unternehmensgewinne seit geraumer Zeit hinter den Erwartungen zurück. "Die alte Börsenregel "Sell in May and go away" könnte sich in diesem Jahr somit durchaus als sinnvoll erweisen." Das sieht Tobias Basse von der NordLB anders: "Zur Zeit spielt das geopolitische Umfeld eine so große Rolle an der Börse - da würde ich lieber nicht auf einen Mai-Effekt wetten."

Die Börsenweisheit könnte sich 2014 als Flop herausstellen, meint auch Sarah Brylewski von Ayondo Markets. "Denn eigentlich bedeutet sell in May auch, dass man die bisher im Jahresverlauf angesammelten Gewinne über den Sommer hinweg ins Trockene bringt. Einziges Problem in diesem Jahr - beim Dax sind noch keine Gewinne aufgelaufen."

Fusionen Vorboten einer Korrektur?

Eine Stütze für den Aktienmarkt könnten laut Basse Fusionsfantasien sein. Es sei häufig zu beobachten, dass ein in Schwung kommender M&A-Markt zu immer größeren Übernahmen führe, erläutert die DZ Bank. Dann sei aber Vorsicht geboten, denn das Übernahmefieber sei üblicherweise am Ende einer Börsenhausse am höchsten. "Sollte sich die aktuelle Entwicklung auch im zweiten Halbjahr 2014 fortsetzen, wäre dies aus unserer Sicht ein weiteres Warnzeichen für eine mögliche Korrektur der ohnehin nicht mehr günstigen Aktienmärkte." Derzeit sind einige Mega-Deals in der Pipeline: In der Pharma-Branche will der US-Konzern Pfizer, der am Montag Quartalszahlen vorlegt, den britischen Rivalen AstraZeneca kaufen. Bayer will sich das Geschäft mit rezeptfreien Produkten von Merck & Co einverleiben. Und Siemens plant ebenso wie der US-Konkurrent General Electric ein Übernahmeangebot für die Energiesparte von Alstom.

Die Anleger dürften daher besonders auf die Quartalsbilanz von Siemens und Alstom am Mittwoch achten. Dann wird Siemens-Chef Joe Kaeser auch seine lang erwartete Strategie für die Zukunft des Münchener Technologieriesen vorstellen. Autobauer BMW legt am Dienstag Zahlen für das erste Quartal vor. Zuletzt hatten Analysten Zweifel, ob die Münchner bei ihrer Prognose für 2014 zu optimistisch waren. Am Donnerstag wartet die Deutsche Telekom mit ihrem Bericht auf.

Auch im Finanzsektor hagelt es Bilanzen und Aktionärstreffen: Bei der UBS hoffen Investoren, dass die Bank den Anlegern wieder eine ordentliche Dividendenausschüttung verspricht. Voraussetzung für eine höhere Gewinnbeteiligung ist, dass die Bank beim Erreichen der Kapitalziele 2014 Fortschritte macht. Bei der Commerzbank liegt das Augenmerk auf den Fortschritten im Geschäft mit Mittelständlern.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts

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