Marktberichte

Trotz mieser Gesamtzahlen Remdesivir-Hoffnung zieht US-Börsen

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Für Ebola entwickelt, könnte aber auch gegen Covid-19 helfen: Remdesivir.

(Foto: dpa)

An der Börse wird die Zukunft gehandelt - das zeigt sich gerade wieder an der Wall Street. Trotz desaströser Zahlen ziehen die Kurse an. Der Grund: Positive Studien zum möglichen Covid-19-Medikament Remdesivir lösen Hoffnungen aus.

Die US-Wirtschaft bricht ein und die Wall Street feiert. Doch hat die Börse am Mittwoch die Hoffnung auf einen Erfolg im Kampf gegen Covid-19 gefeiert. Dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal 2020 wegen der Coronavirus-Pandemie den größten Einbruch seit der Finanzkrise 2008 erlitten hatte und dieser schlimmer als ohnehin befürchtet ausgefallen war, ignorierten Anleger schlicht. Denn sie schauten nach vorn und da kam eine Schlagzeile von Gilead Sciences wie gerufen: Das Biotechnologie-Unternehmen meldete Erfolge mit dem Mittel Remdesivir im Kampf gegen Covid-19. Das Präparat habe den primären Endpunkt der klinischen Studie erreicht, so das Unternehmen. Analysten sagten eine schnelle Zulassung für die Anwendung gegen Covid-19 voraus. Die Aktie schoss um 7,4 Prozent nach oben.

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Der Dow-Jones-Index legte um 2,2 Prozent auf 24.634 Punkte zu, S&P-500 und Nasdaq-Composite gewannen 2,7 bzw. 3,5 Prozent. Den 2.624 (Dienstag: 2.138) Kursgewinnern an der NYSE standen 369 (822) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 18 (58) Aktien. Für Investmentstratege Michael Arone von State Street Global Advisors stellte die Gilead-Schlagzeile das Thema des Tages: "Dies ist ein medizinisches Problem, das auch eine medizinische Lösung erfordert", erläuterte Arone die Marktreaktion. Offenbar komme man einer medizinischen Lösung näher.

Im späten Geschäft kam dann kurzzeitige Unterstützung durch die US-Notenbank, die aber nicht bis zum Handelsschluss hielt. Zwar verkündeten die Währungshüter um Notenbankgouverneur Jerome Powell nichts über die bekannten Maßnahmen Hinausgehendes, doch zeigte sich die Federal Reserve zu aggressiven Schritten bereit, um eine Erholung der US-Wirtschaft nach den tiefen Einschnitten durch die Pandemie zu unterstützen. Die Geldpolitiker gaben sich entschlossen, ihr gesamtes Instrumentarium einzusetzen. Der Leitzins wurde wie erwartet bei 0,00 bis 0,25 Prozent belassen. "Keine Frage, dass sie sich entschlossener als 2008 geben. Die Summe, die die Fed bereit ist, in den Markt zu pumpen, treibt die Aktienbewertungen", sagte Investmentstratege Tim Courtney von Exencial Wealth Advisors mit Blick auf die Finanzkrise von 2008.

Alphabet, Boeing und Spotify springen an

Trotz der Entwicklungen rund um die Coronakrise hielt auch die Berichtsperiode Anleger in Atem: Alphabet machten einen Satz von 8,9 Prozent nach oben. Das Unternehmen hatte im ersten Quartal einen überraschend deutlichen Umsatzsprung verzeichnet, warnte bei der Vorlage der Geschäftszahlen aber auch vor rückläufigen Werbeeinnahmen als Folge der Coronakrise.

Noch kräftiger nach oben um 11,4 Prozent ging es für die Spotify-Aktie. Der Musik-Streamingdienst hat in der ersten Periode Kunden hinzugewonnen. Der Umsatz aus Abonnements stieg stärker als erwartet, allerdings gingen die werbefinanzierten Erlöse deutlich zurück. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde gekürzt.

Boeing hatte im Auftaktquartal zwar die Verlust- und Umsatzerwartungen verfehlt, der freie Cashflow rutschte allerdings nicht so stark ins Minus wie befürchtet. Zudem kündigte der Luft- und Raumfahrtkonzern an, wegen der Coronakrise seine Flugzeugproduktion zurückzufahren und 10 Prozent seiner Belegschaft abzubauen. Die Titel schnellten um 5,9 Prozent empor.

Mit einer deutlichen Erholungsrally zeigten sich die Ölpreise nach dem Einbruch der vergangenen Tage. Beobachter sprachen allerdings nur von einer technischen Gegenbewegung, denn die jüngsten Belastungsfaktoren bestünden weiter - Überangebot, Nachfrageeinbruch im Zuge der Coronavirus-Pandemie und knapp werdende Lagerkapazitäten. Allerdings stiegen die Rohöllagerbestände in den USA in der Vorwoche weniger dramatisch als befürchtet. Die Benzinbestände sanken sogar, obwohl auch hier mit einem Lageraufbau gerechnet worden war. Auch die US-Förderung ging leicht zurück. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI sprang um 22 Prozent auf 15,06 Dollar. Für die europäische Sorte Brent ging es um 10,2 Prozent nach oben auf 22,54 Dollar.

Auch Goldpreis steigt

Der Goldpreis folgte den Ölpreisen nach oben. Die Ölpreisrally dürfte die Lebenshaltung verteuern und damit die ohnehin herrschenden Inflationssorgen wegen der gigantischen Rettungspakete von Regierungen und Notenbanken noch vergrößern, hieß es. Fed-Chef Powell hatte den Goldpreis in seiner Pressekonferenz zusätzlich befeuert, als er angekündigte, die Fed werde noch mehr tun müssen. Die Feinunze verteuerte sich um 0,5 Prozent nach auf 1.716 Dollar.

Am Rentenmarkt kamen die Notierungen im späten Geschäft zurück, nachdem die schwachen BIP-Daten zunächst gestützt hatten. Zwar gab sich die Fed taubenhaft, neue Maßnahmen wurden aber nicht verkündet. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zeigte sich letztlich kaum verändert bei 0,61 Prozent. Am Devisenmarkt kam der Dollar mit den taubenhaften Äußerungen der Fed etwas zurück. Der Euro stieg auf 1,0875 nach Wechselkursen um 1,0820 Dollar am Vorabend. Die umfassenden Maßnahmen der US-Notenbank in Reaktion auf die Corona-Pandemie könnten den Dollar nach Ansicht der Analysten von MUFG stärker schwächen, zumal gleichzeitig die Flucht in den Dollar als sicherer Hafen angesichts der nachlassenden Volatilität an den Finanzmärkten nachlasse.

Quelle: ntv.de, vpe/DJ