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Starke KonjunkturWall Street gedämpft

26.01.2007, 22:11 Uhr

In der letzten Stunde vor dem Wochenende rafften sich die US-Börsen noch einmal auf. Nachdem starke Konjunkturdaten die Hoffnung auf eine Zinssenkung erneut zerstört und die Kurse gedrückt hatten, schafften es die Blue Chips nur knapp, wenige Tage vor Monatsende nicht unter die Eröffnungsstände des neuen Jahres zu rutschen.

Von Lars Halter, New York

In der letzten Stunde vor dem Wochenende rafften sich die US-Börsen noch einmal auf. Nachdem starke Konjunkturdaten die Hoffnung auf eine Zinssenkung erneut zerstört und die Kurse gedrückt hatten, schafften es die Blue Chips nur knapp, wenige Tage vor Monatsende nicht unter die Eröffnungsstände des neuen Jahres zu rutschen.

Am Freitag verlor der Dow-Jones-Index 16 Zähler oder 0,13 Prozent auf 12 486 Punkte, die Nasdaq schloss mit einem Plus von 1,25 Zählern oder 0,05 Prozent fast unverändert auf 2435 Punkten.

Für beide Indizes und auch für den marktbreiten S&P-500 geht es in den nächsten Tagen darum, die Stände zu halten und den Januar nicht im Minus zu beenden. Denn unter den zahlreichen Börsen-Weisheiten gilt der Januar-Indikator als eine der zuverlässigsten: In 45 der letzten 50 Jahre hat der erste Monat den Handelstrend für das ganze Jahr vorgegeben.

Am Freitag waren es zwei Konjunkturberichte, die den Markt bedrückten. Die Bestellungen langlebiger Güter sind im Dezember um 3,1 Prozent gestiegen und damit stärker als erwartet. Vor allem die Nachfrage nach Flugzeugen und Kapitalgütern war groß.

Bessere Zahlen als erwartet gibt es auch aus dem Immobiliensektor, wo die Hausverkäufe etwas höher ausfielen. Beide Datensätze zusammen machen auf dem Parkett erneut alle Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung zunichte. Für die Fed-Sitzung in der kommenden Woche ist so gut wie ausgemacht, dass der Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent bleiben wird.

Größter Gewinner im Dow-Jones-Index war am Freitag ausgerechnet Caterpillar mit einem Plus von 2,3 Prozent. Dabei hatte der Baumaschinen-Hersteller die Erwartungen für das Quartal verfehlt. Allerdings sind die Aussichten gut: In 2007 erwartet man zwar ein schwaches Geschäft im Immobilien- und Bausektor, dafür aber Stärke im Bergbau sowie im Öl- und Gassektor.

Ein schwierigeres Jahr 2007 erwartet Honeywell. Der Dow-notierte Industrieriese, der Kontrolleinheiten für die Industrie sowie Klimaanlagen und Turbinen baut, hat für das abgelaufene Quartal die Erwartungen der Analysten getroffen. Für das neue Jahr werden die Erwartungen aber leicht nach unten revidiert. Die Aktie belastete den Dow mit einem Minus von 0,3 Prozent.

In Schwierigkeiten ist auch General Motors. Der Automobilhersteller wird seine Quartalskonferenz verschieben und die Ergebnisse für die letzten drei Monate und das ganze Jahr vorerst nicht melden. Die Aktie gab um 0,6 Prozent nach, da sich Anleger Sorgen machen. GM-Konkurrent Ford hatte am Donnerstag einen Rekordverlust von 5,8 Milliarden Dollar gemeldet.

Unter den Dow-Gewinnern fand sich der Softwareriese Microsoft. Das Unternehmen blickt für das angelaufene Quartal auf einen Gewinneinbruch um 28 Prozent, was mit der verspäteten Auslieferung des neuen Betriebssystems Vista zusammenhängt. Anleger schockiert das aber nicht, da die Verzögerung längst bekannt war. Dass Microsoft dank starker Software-Verkäufe und der hohen Nachfrage nach der Spielekonsole Xbox 360 ein Umsatzwachstum von 6 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar ausweist, ließ das Papier um 1,3 Prozent klettern.

Einen großen Gewinner gab es kurz vor Handelsschluss im Bankensektor. Countrywide Financial schoss um 10 Prozent nach oben und schloss mit einem Plus von 5 Prozent, nachdem die Financial Times gemeldet hatte, dass das Finanzhaus mit der Bank of America verhandele. Die zweitgrößte amerikanische Bank sei an dem führenden Hypotheken-Leiher interessiert, heißt es. Vielleicht nimmt das eine Meldung für den kommenden „Merger Monday“ hinweg.