Wilder RittWall Street hält sich
Die Bullen haben sich erstaunlich resistent gezeigt und allen schlechten Nachrichten getrotzt. Obwohl mehrere Indikatoren schwach ausfielen, schlossen die Indizes teilweise im Plus. Für Gesprächsstoff sorgten erneut Fannie und Freddie.
Die Bullen haben sich erstaunlich resistent gezeigt und allen schlechten Nachrichten getrotzt. Obwohl mehrere Indikatoren schwach ausfielen, der Arbeitsmarkt sich nicht auf dem Weg der Besserung zeigt und im Finanzsektor große Unsicherheit herrscht, schlossen die Indizes teilweise im Plus.
Der Dow-Jones-Index kletterte um 12 Zähler oder 0,1 Prozent auf 11.429 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index stieg um drei Zähler oder 0,3 Prozent auf 1.278 Punkte. Die Hightech-orientierte Nasdaq blieb aber zurück und gab um neun Zähler oder 0,4 Prozent auf 2.380 Punkte nach.
Der Ölpreis ist um 5,62 Dollar nach oben geklettert, da man Angst vor einem „Neuen Kalten Krieg“ hat. Russland ist verärgert über die Unterschrift zum Raketenabwehrschild in Polen. Dies kommt nur Tage nachdem die USA Russland wegen des Kaukasus-Konflikts scharf angegriffen hatten. So schloss der Ölpreis bei 121,18 Dollar pro Fass.
Der Philly-Fed-Index ist im August auf Minus 12,7 Punkte gestiegen und damit leicht besser ausgefallen als erwartet. Der Wirtschaft geht es aber weiterhin schlecht, denn auch dieser Wert zeigt weiterhin schrumpfende Betriebe in und um Philadelphia.
Die führenden Indikatoren sind mit Minus 0,7 Prozent deutlich stärker gefallen als um Minus 0,2 Prozent. Dies zeigt, dass die Wirtschaft deutlich schwächer ist als erhofft. Auch die sinkenden Energiepreise, die für den besseren Wert beim Philly-Fed verantwortlich gemacht werden, helfen der Wirtschaft nicht deutlich.
Am Morgen hatten die Arbeitslosendaten die Experten enttäuscht. Zwar waren die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der vergangenen Woche um 13 000 gesunken, doch der Vier-Wochen-Durchschnitt stieg, und auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen legte zu. Die Zahlen bleiben alle auf hohem Niveau, was die Schwäche des Arbeitsmarktes deutlich macht.
Bei den Unternehmen stehen erneut die Finanzwerte im Mittelpunkt, und besonders Fannie Mae und Freddie Mac. Die beiden Unternehmen haben einen wilden Ritt hinter sich, bei dem sich steile Verluste und Gewinne abwechselten. Die Anleger warten darauf, dass eine Entscheidung über das Schicksal der Hypothekenbanken gefällt wird. Während die einen dabei nach einem Handelsstopp für die Papiere verlangen, sind in der Zwischenzeit Spekulationen und Short-Positionen für die starken Kursschwankungen verantwortlich. Die Aktie von Fannie Mae endete mit einem Plus von zehn Prozent, während Freddie Mac um 2,7 Prozent sank.
Lehman Brother fiel dagegen um lediglich 0,7 Prozent, und auch hier fragt man sich, wie das zukünftige Schicksal aussehen wird. Dabei gibt es viele Gerüchte, teilweise über geplatzte Finanzspritzen aus China und Korea, und teilweise über eine Kreditlinie, die Credit Suisse der Bank entziehen will. Dies wurde zwar dementiert, aber da die Bankenaufsicht ermittelt, verschwindet das Gerücht nicht.
Außerdem senkte Citigroup am Morgen das Gewinnziel für Lehman Brothers und erhöhte die Summe der erwarteten Abschreibungen. Andere Analysten behalten dagegen ihre Kaufempfehlung bei, da sie glauben, Lehman ist ein Kandidat für eine feindliche Übernahme.
Für Gewinne sorgten die Energiekonzerne, die aufgrund des steigenden Ölpreises deutlich zulegten. So stiegen die Papiere von Exxon Mobil um 2,0 Prozent, die von Chevron schafften ein Plus von 2,4 Prozent.
Es gab aber auch gute Nachrichten. Der Ketchup-Konzern H.J. Heinz konnte den Gewinn im vergangenen Quartal um 11,5 Prozent steigern und verdiente 229 Mio. Dollar. Die Gewinnaussichten werden für das Gesamtjahr am oberen Ende der bisherigen Spanne angesiedelt. Pro Aktie soll der Gewinn rund 2,90 Dollar erreichen, was die Aktie um 0,6 Prozent klettern ließ
Auch das Bekleidungsunternehmen Limited Brands, zu dem auch Victoria’s Secret gehört, konnte die Anleger überraschen. Obwohl sich der Gewinn von 102 Mio. Dollar mehr als halbiert hatte, konnte man damit die Erwartungen deutlich schlagen. Für das laufende Quartal erwartet man, dass die Geschäfte etwas langsamer laufen, die Prognosen bleiben leicht hinter den Erwartungen zurück. Die Aktie stieg um 13 Prozent.