Wirtschaft
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Mittwoch, 20. Juni 2018

Rekord bei Klein- und Techwerten: Wall Street überwindet Zoll-Schock

Die Anleger in den USA schenken dem eskalierenden Handelskonflikt vor allem mit China kaum noch Beachtung. Die Kurse an der Wall Street stabilisieren sich. Der Technolgiebörse Nasdaq erklimmt sogar ein Allzeithoch.

Nach den deutlichen Vortagesabgaben an der Wall Street ist es zu einer Stabilisierung unter den Standardwerten gekommen. Gleichwohl verlängerte der Dow-Jones-Index seine Durststrecke auf sieben Sitzungen. Doch auch wenn die Risikoaversion wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie der EU etwas schwand, so blieb das Thema doch ein Bremsklotz. Die EU hatte die Gegenzölle im Stahlstreit mit den USA für Freitag angekündigt. Im Handelsstreit mit China hatte US-Präsident Donald Trump zuletzt die Strafzollsumme von 450 Milliarden Dollar aufgerufen, hier gab es keine neuen Entwicklungen.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,2 Prozent auf 24.658 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite rückten um 0,2 bzw. 0,7 Prozent vor. Anders als der Dow markierte der Nasdaq-Composite ein weiteres Rekordhoch, auch der Kleinwerteindex Russell-2000 kletterte auf Allzeithoch. Die dort gelisteten Unternehmen seien eher auf den nationalen Markt ausgerichtet und daher nicht so anfällig für die globalen Handelsauseinandersetzungen. Auch die Größen des Internets an der Nasdaq dürften die Folgen des Handelsstreits weniger deutlich spüren, hieß es.

Facebook notierten erstmals über 200 Dollar auf Rekordniveau, der Titel legte um 2,2 Prozent zu. Twitter kletterten um 2,6 Prozent. "Ich bin nicht allzu besorgt. Wenn sich herausstellt, dass die Situation an die großen Handelskriege der 1930er Jahre heranreicht, werde ich mich irren, aber das ist eine Position, die wir bereit sind einzunehmen", sagte Investmentstratege Chris Bertelsen von Aviance Capital Management zum Handelskonflikt. 

Anleger hoffen weiter im Handelskonflikt

Doch gab es auch zarte Entspannungssignale. Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, könnte ein Friedensangebot für US-Präsident Donald Trump von Deutschlands Automobilherstellern im Gepäck haben. Ihr Vorschlag beinhaltete laut Kreisen den Verzicht auf alle Einfuhrzölle für Autos zwischen der EU und den USA. Das bedeutete, die EU-Steuer von 10 Prozent auf Autoeinfuhren aus den USA und anderen Ländern und den 2,5-prozentigen Zoll auf Autoimporte in den USA abzuschaffen. Die Europäer knüpften den Vorschlag an die Bedingung, dass Trump die geplante Steuer von 25 Prozent auf europäische Autoimporte fallen lasse.

Das niedriger als erwartet ausgefallene US-Leistungsbilanzdefizit für das erste Quartal könnte Trump ebenfalls milder stimmen, so eine Hoffnung am Markt. Die Daten zu den Verkäufen bestehender Häuser im Mai enttäuschten derweil, spielten aber keine Rolle.

Unter den Einzelwerten standen Indexänderungen im Fokus. So endete nach 111 Jahren für die Aktie von General Electric (GE) die Mitgliedschaft im Dow-Jones-Index. Die Titel des Mischkonzerns hatten in den vergangenen Jahren erheblich an Wert verloren. Für GE steigt nun die Aktie der Apothekenkette Walgreens Boots Alliance in den Dow auf. Die Änderungen werden mit Handelsbeginn am 26. Juni wirksam. GE verloren 0,5 Prozent, Walgreens gewannen 5,2 Prozent. Mit Handelsstart am Mittwoch waren erstmals Nvidia im S&P-100 vertreten. Sie ersetzten Time Warner, die wegen der Übernahme durch AT&T ausschieden. Nvidia stiegen um 0,8 Prozent.

AT&T kauft weiter zu

AT&T will offenbar das Internet-Unternehmen AppNexus übernehmen und für den Anbieter von Technologien zur digitalen Vermarktung rund 1,6 Milliarden Dollar zahlen. Damit fasste AT&T im digitalen Werbemarkt Fuß, der bislang von Google und Facebook beherrscht wird. Die Aktie von AT&T verlor 1,2 Prozent. Microsoft stärkte ihr Cloud-Geschäft durch eine Übernahme, die Papiere legten um 1,0 Prozent zu.

Oracle brachen um 7,5 Prozent ein. Während die Geschäftszahlen die Markterwartungen übertroffen hatten, sorgten Ausblick und geänderte Bilanzierung im Wachstumssegment Cloud für Verunsicherung. 21st Century Fox stiegen um 7,5 Prozent. Disney hatte im Bieterrennen um den Großteil der Vermögenswerte der Gesellschaft nachgelegt. Disney gewannen 1,0 Prozent.

Starbucks stürzten um 9,1 Prozent ab. Die US-Kaffeehauskette will im Geschäftsjahr 2019 weitaus mehr Filialen schließen als bislang angenommen. Auch bei der weiteren Lizenzierung von Lokalen will Starbucks auf die Bremse treten. Die Titel des Möbelhändlers La-Z-Boy gaben 4,5 Prozent ab, das Unternehmen hatte die Markterwartungen verfehlt. Synaptics haussierten um 11,5 Prozent, das Unternehmen für Computerkomponenten hielt an der Fusion mit Dialog Semiconductor fest. 

Blicke am Ölmarkt auf Lagerdaten und Opec-Treffen gerichtet

Am Ölmarkt waren die Blicke vor allem auf die Opec-Treffen am Freitag und Samstag gerichtet. Dort wollen Saudi-Arabien und Russland sich für eine Ausweitung der Produktion einsetzen. Iran hat allerdings schon signalisiert, nicht für eine Ausweitung zu sein. Die wöchentlichen Rohöllagerbestände in den USA verringerten sich derweil stärker als erwartet, es war der stärkste Fall seit Januar.

Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI legte mit den Daten um 1,8 Prozent auf 66,22 Dollar zu, die globaler gehandelte Sorte Brent sank mit den Opec-Erwartungen um 0,5 Prozent auf 74,74 Dollar. Auch ein Rebellenangriff auf einen Ölhafen in Libyen stützte Brent nicht nachhaltig.

Nach einer Erholung bis auf 1,16 Dollar notierte der Euro zuletzt bei 1,1582 Dollar. Der ICE-Dollarindex bewegte sich kaum. Die Commerzbank sah für den Dollar Aufwärtspotenzial, da Zölle für eine höhere Inflation und damit höhere Zinsen in den USA sprächen. Dem gegenüber stehe ein wichtiges Risikoszenario. Wenn die realwirtschaftlichen Effekte eines Handelskrieges den inflationären Effekt überwögen, könne der US-Dollar unter die Räder geraten. Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, sah in dem robusten US-Wirtschaftswachstum aber ein starkes Argument, um die Zinssätze weiterhin schrittweise anzuheben.

Die Feinunze Gold verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 1.269 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Dezember. Händler verwiesen auf die Dollarstärke. Der ICE-Dollarindex verbuchte im Juni einen Aufschlag von 1,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de