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US-Daten zum TrotzWall Street will nach oben

29.05.2008, 16:00 Uhr

Die US-Börsen versuchen den Schwung der vergangenen Tage beizubehalten, was ihnen allerdings schwer fällt: Nach negativen Konjunkturdaten kratzen die Indizes in New York von beiden Seiten an ihrem Schlussstand vom Vortag. Im Fokus stehen Einzelhändler sowie Autobauer und Airlines.

Die US-Börsen versuchen am Donnerstag den Schwung der vergangenen Tage beizubehalten. Das fällt ihnen allerdings schwer: Nach negativen Konjunkturdaten kratzen die wichtigsten Indizes in New York von beiden Seiten an ihrem Schlussstand vom Vortag. In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Woche überraschend deutlich gestiegen. Zudem wuchs die US-Wirtschaft im ersten Quartal zwar stärker als zunächst ermittelt, blieb aber hinter den Schätzungen befragter Experten zurück.

Neben Bilanzen aus dem Einzelhandelssektor stehen nach entsprechenden Presseberichten Autobauer und Luftfahrtgesellschaften im Fokus. Zudem hat Dell Computer Quartalszahlen angekündigt.

Der Dow Jones Industrial notiert nahezu unverändert bei 12.592 Punkten. Der S&P 500 schafft ein Plus von 0,2 Prozent auf 1.392 Zähler. Und der Nasdaq Composite hält sich mit 0,3 Prozent im Plus bei 2.494 Zählern.

Titel der Sears Holdings quittieren enttäuschende Zahlen mit deutlichen Abschlägen. Auch die Genehmigung eines 500 Millionen Dollar schweren Programms zum Rückkauf weiterer Aktien kann der Aktie nicht wirklich helfen. Die Titelbüßen 3,0 Prozent ein. Der Einzelhändler ist im dritten Geschäftsquartal überraschend in die Verlustzone gerutscht und rechnet wegen schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen für den Rest des Jahres mit Druck auf Umsätze und Margen.

Sears-Konkurrent Costco Wholesale überrascht dagegen positiv mit einem unerwartet deutlich gestiegenen Nettogewinn. Der Umsatzanstieg entspricht in etwa den Markterwartungen. Die UBS erhöhte ihr Kursziel von 69 auf 74 Dollar. Der Markt honoriert das mit einem plus von 1,1 Prozent.

Bei H.J. Heinz liegt der gestiegene Nettogewinn im Rahmen der Erwartungen, der Umsatz leicht darüber. Für das laufende Geschäftsjahr und das Folgejahr hebt das Unternehmen seine Prognose an. 2008/09 soll der Gewinn je Aktie (EPS) 2,83 bis 2,91 Dollar betragen. Die Analysten gehen von 2,88 Dollar aus. Auch im Geschäftsjahr 2009/10 soll das EPS wieder um 8 bis 11 Prozent (zuvor: 7 bis 9 Prozent) steigen. Der Kurs verbessert sich um 2,4 Prozent.

Aktien von Ford Motor stehen ebenfalls im Blick. Der zweitgrößte US-Autobauer will einem Pressebericht zufolge rund 2.000 Arbeitsplätze in den USA streichen. Das entspräche einer Verringerung der US-Belegschaft um 12 Prozent, berichtete das "Wall Street Journal Europe" unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person. Mit dem geplanten Stellenabbau reagiere der Konzern auf den Absatz-Einbruch bei den Sprit fressenden Geländewagen (Pickups, SUV). Der Kurs reagiert kaum auf die Nachricht. Die Papiere notieren 1,5 Prozent höher.

Branchenprimus General Motors (GM) arbeitet laut Medienberichten an weiteren Restrukturierungsmaßnahmen. Die neuen Pläne seien eine Reaktion auf den schwächeren Absatz auf dem US-Markt und den Wunsch der Kunden nach Modellen mit einem geringeren Treibstoffverbrauch, heißt es. Aus Sorge um den rückläufigen Marktanteil bei Geländewagen und steigender Kosten senkte Lehman Brothers das Kursziel von 24,0 auf 19,50 Dollar. Auch übern sich die Anleger in Zurückhaltung. Der Kursausschlag zeigt 0,5 Prozent nach unten.

Aktien von UAL und US Airways stehen einmal mehr mit Nachrichten zum geplanten Zusammenschluss im Fokus. Die Chefs der beiden amerikanischen Fluggesellschaften treffen sich laut einem Pressebericht am Berichtstag zu Beratungen über den Fortgang ihrer Fusionsgespräche. Dies berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ) am späten Mittwoch auf seiner Internetseite unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Kreise. UAL ziehen 0,6 Prozent an, US Airways gewinnen 0,7 Prozent.

Im Finanzsektor sind am Donnerstag alle Augen auf Bear Stearns gerichtet. Die Aktionäre wollen auf einer Hauptversammlung ihr Votum zur Übernahme durch den Konkurrenten JP Morgan abgeben. Gemessen am aktuellen Kurs beläuft sich das Angebot für das prominenteste Opfer der Subprime-Krise auf 9,31 Dollar und entspricht damit ziemlich genau dem Tageskurs. Die Börsenaufsicht SEC untersucht derweil, wie es überhaupt zum Fall des einst mächtigen Hauses kommen konnte und prüft, ob möglicherweise illegale Handelsaktivitäten eine Rolle gespielt haben. Die Titel notieren 0,3 Prozent höher.