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"Wir haben es in der Hand"Altersteilzeit kommt voran

18.06.2008, 19:59 Uhr

Bei den Verhandlungen zu einer Verlängerung der Altersteilzeit wächst die Zuversicht. In der IG Metall ist man optimistisch bald eine Einigung erzielen zu können. Dennoch ist für kommende Woche ein weiteres Treffen bereits angesetzt.

Die IG Metall ist voll Zuversicht in die fünfte Verhandlungsrunde über eine neue Altersteilzeit für die Metallbranche gegangen und erwartet, bald eine Lösung zu finden. "Wir haben die Möglichkeit, in den nächsten Tagen das Thema auf ein Ergebnis zuzuspitzen", sagte Baden-Württembergs IG Metall Bezirksleiter Jörg Hofmann zum Auftakt der Gespräche mit den Arbeitgebern in Sindelfingen. Ein sechstes Treffen Anfang kommender Woche sei schon vorgesehen. Der Gewerkschafter fügte mit Blick auf die Euro 2008 hinzu: "Wir haben es in der eigenen Hand, ins Viertelfinale zu kommen."

Südwestmetallchef Stefan Roell sagte, er halte an dem vorgelegten Konzept fest; damit würde der Anspruch auf eine finanzielle abgefederte Altersteilzeit auf besonders belastet Arbeitnehmer beschränkt. Roell appellierte an die Gewerkschaft: "Sie muss den Beschäftigten die Wahrheit sage, dass in Deutschland wieder länger gearbeitet werden muss."

Eine Lösung für die Branche mit 3,4 Millionen Beschäftigten sollte nach einer Vereinbarung vom letzten Jahr noch im Juni gefunden werden. Jetzt streben die Tarifparteien noch "vor der Sommerpause" eine Einigung an. Das Interesse daran, dass sich dieses Tarifthema mit der Entgeltrunde in diesem Herbst verbindet, ist auf beiden Seiten gering.

Bewegung bei den Arbeitgebern

Hofmann sprach von Bewegung bei den Arbeitgebern. Diese bestehe darin, dass neben dem sehr eingeschränkten Anspruch auf Altersteilzeit den Betrieben im Jahr 2010 auch die Möglichkeit freiwilliger Betriebsvereinbarungen abweichend von der künftigen tarifvertraglichen Regelung eröffnet werden soll.

Bundesweit rund 40 000 Beschäftigte, davon 10 000 aus dem Südwesten, waren am Mittwoch dem Warnstreikaufruf ihrer Gewerkschaft gefolgt. So legten 800 Beschäftigte im größten Daimler-Werk in Sindelfingen, 450 Mitarbeiter Bombardier-Werkes in Görlitz und Tausende von Beschäftigten in Nürnberg und Hannover für ein verbessertes Angebot der Arbeitgeber ihre Arbeit nieder. Auch am Donnerstag und Freitag sind Warnstreiks vorgesehen. Der Hautgeschäftsführer der niedersächsischen Arbeitgeber Dietrich Kröncke sagte, die Aktionen dienten lediglich der Mitgliederwerbung der IG Metall.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte im "Deutschlandradio Kultur", die Bedeutung der Altersteilzeit habe sich von einem arbeitsmarktpolitischen zu einem sozialpolitischen Instrument gewandelt. Der Anspruch darauf müsse auf notwendige Fälle begrenzt und durch ein "Kostenmix" finanziert werden. In der "Bild"- Zeitung nannte er die Warnstreiks "vollkommen überflüssig".

SPD für Verlängerung

Die IG Metall will einen Anspruch der Beschäftigten auf Altersteilzeit von einem bestimmten Alter an. Zudem möchte sie den frühzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben für die unteren Entgeltgruppen durch höhere Aufstockungsbeträge attraktiver machen. Derzeit erhalten die Metaller für die Hälfte der Arbeitszeit 82 Prozent ihres Vollzeitnettogehaltes, wobei die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Arbeitgeber zur Aufstockung beitragen. Die Arbeitgeber wollen nur Beschäftigten einen Anspruch gewähren, die in langjähriger Nacht- und Wechselschicht oder an besonders anstrengenden und belastenden Arbeitsplätzen arbeiten. Nach Schätzung der IG Metall läge der Anteil der Anspruchsberechtigten damit nur noch im Promillebereich. Derzeit sind der Gewerkschaft zufolge bundesweit 40.000 Beschäftigte der Branche in staatlich geförderter oder ungeförderter Altersteilzeit.

Die BA-Förderung läuft Ende 2009 aus, soll aber nach dem Willen der SPD bis 2015 verlängert werden. Die IG Metall hatte die Arbeitgeber vergeblich aufgefordert, sich in der Politik für einen Erhalt der Regelung einzusetzen.