Archiv

Geschäft mit der BlutarmutAmgen legt schwächer zu

26.01.2007, 08:11 Uhr

Der weltgrößte Biotechnologiekonzern Amgen hat mit einem nur leichten Gewinnzuwachs im abgelaufenen Quartal die Anleger enttäuscht.

Der weltgrößte Biotechnologiekonzern Amgen hat wegen hoher Forschungskosten im vierten Quartal nur einen leichten Gewinnanstieg verbucht. Enttäuschende Studienergebnisse mit dem Krebsmittel Vectibix und dem Anämie-Medikament Aranesp sorgten für zusätzlichen Missmut bei den Anlegern.

Für das Schlussquartal wies das kalifornische Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss einen Nettogewinn von 833 Mio. Dollar aus nach 824 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie erhöhte sich damit auf 71 Cent, vor Sonderposten lag er bei 90 Cent und damit unter den Analystenprognosen von 94 Cent. Der Umsatz fiel dagegen mit einem Anstieg um 17 Prozent auf 3,8 Mrd. Dollar besser als erwartet aus. Allerdings stiegen die Kosten stärker als der Umsatz und drückten damit auf die Erträge. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben legten um 52 Prozent auf mehr als eine Milliarde Dollar zu. Die allgemeinen Betriebsaufwendungen summierten sich auf eine Milliarde Euro, was einen Zuwachs von zehn Prozent bedeutet.

Für das laufende Jahr sagte Amgen einen Gewinn je Aktie zwischen 4,30 und 4,50 Dollar und einen Umsatz zwischen 15,4 und 16,0 Mrd. Dollar voraus. Analysten erwarten im Schnitt im Gesamtjahr 4,42 Dollar Gewinn je Anteilsschein und 15,7 Mrd. Dollar Umsatz. Im nachbörslichen elektronischen Handel verlor die Amgen-Aktie drei Prozent und wurde bei 72,35 Dollar gehandelt.

Enttäuschende Studienergebnisse

Allein mit dem Präparat Aranesp zur Behandlung von Blutarmut bei Krebs-und Dialysepatienten erzielte Amgen zwar im vierten Quartal einen Umsatzanstieg von 27 Prozent auf 1,1 Mrd. Dollar. Nun machen dem Unternehmen aber negative Studienergebnisse mit dem Mittel zu schaffen. In einer Untersuchung mit dem Medikament, bei der Krebspatienten keine Chemo- oder Radiotherapie erhielten, konnte Aranesp keine höhere Wirksamkeit als einem Placebo nachgewiesen werden. Zusätzlich erhöhte sich das Todesrisiko bei mit Aranesp behandelten Patienten. Amgen plant nun weitere Studien mit dem Präparat.

Einen weiteren Rückschlag musste Amgen bei dem Krebsmittel Vectibix hinnehmen, mit dem der Konzern im ersten vollen Quartal seit der Markteinführung 39 Mio. Dollar umsetzte. In einer Studie zu metastasierendem Darmkrebs zeigte das Mittel keinen Vorteil, wenn die Patienten Vectibix bei einer Erstbehandlung zusätzlich zu einer Chemotherapie und dem Genentech-Medikament Avastin erhielten. Amgen erhofft sich nun aufschlussreichere Daten aus der Studie im zweiten Quartal. Dann würden Ergebnisse zum progressionsfreien Überleben erwartet, also zur Zeitspanne, in der bei den Patienten die Krankheit nicht weiter fortschreitet. Wenn die Ergebnisse hierzu negativ ausfielen, sei Vectibix nur noch ein Produkt mit einem Potenzial von 400 bis 500 Mio. Dollar und nicht mehr der Mrd.-Umsatzbringer, auf den Amgen hoffe, urteilte Analyst Geoffrey Porges von Sanford Bernstein.

Vectibix konkurriert mit dem Krebsmittel Erbitux, für das der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte außerhalb der USA und Kanada hat.