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Siemens-Korruptionsskandal Geständnis von AUB

Die mit dem Siemens-Korruptionsskandal in die Schlagzeilen geratene Arbeitnehmerorganisation AUB hat erstmals umfassend eingeräumt, Teile des Apparats mit Privatmitteln ihres früheren Vorsitzenden Wilhelm Schelsky finanziert zu haben. So habe der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende frühere AUB-Chef die Mitarbeiter in den fünf AUB-Geschäftsstellen entlohnt, berichtete der neu gewählte fünfköpfige Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) in Nürnberg. Der komplett verjüngte Vorstand werde sich nun um einen Neuanfang bemühen, betonte der neue AUB-Geschäftsführer Gottfried Linn (Bonn).

Schelsky steht im Verdacht, Millionen Euro von Siemens zum Aufbau einer Gegengewerkschaft zur IG Metall erhalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittelt seit Monaten gegen den früheren AUB-Chef wegen des Verdachts auf Untreue und Steuerhinterziehung. Die AUB ist von der juristischen Aufarbeitung der Affäre nicht betroffen. "Das ist eine Affäre Schelsky, keine AUB-Affäre", unterstrich die bisherige AUB-Vize Ingrid Brand-Hückstädt am Sonntag. Zum neuen Vorsitzenden wurde der freigestellte Hamburger Airbus-Betriebsrat Rainer Knoob gewählt, zum stellvertretenden AUB- Chef Michael Guder von der Firma Phonehouse.

Nach Angaben des neuen AUB-Schatzmeisters Andreas Braum (Frankfurt) hat Schelsky außerdem bei AUB-Mitgliederversammlungen die Übernachtungs- und Bewirtungskosten der Versammelten übernommen. Auch aufwendige Werbegeschenke und "anderen Luxus, den es künftig nicht mehr geben wird", habe der frühere AUB-Chef privat finanziert, räumte Braum ein. Die Höhe der geflossenen Mittel seien selbst dem früheren Vorstand nicht bekannt gewesen, berichtete die bisherige Schelsky- Stellvertreterin Ingrid Brand-Hückstädt, die mit Rücksicht auf die Schelsky-Affäre nicht mehr kandidierte.

Auskünfte über die Höhe der Gelder und ihre Herkunft habe Schelsky stets abgelehnt. "Wir haben im Jahr zwei bis drei Vorstandssitzungen gehabt. Wenn dabei Fragen zu den Finanzen kamen, hat er sie regelmäßig abgewürgt", berichtete Brand-Hückstädt. Den Haushaltsplan habe er allein aufgestellt. Sie räumte ein: "Da hätten wir in der Tat nachfragen müssen". Auch wäre es besser gewesen, die finanziellen Beiträge Schelskys als Spenden zu deklarieren. Anhaltspunkte dafür, dass die Gelder von Siemens stammten könnten, habe es nicht gegeben, betonte die frühere AUB-Vize. Der neue AUB-Bundesvorsitzende Rainer Koob versicherte zugleich: "Diese Ein-Mann-Show ist jetzt vorbei".

Nach dem Ausbleiben der Schelsky-Gelder hat die bisherige AUB- Spitze den Organisationsapparat stark gestrafft. Von den bislang fünf AUB-Geschäftsstellen gebe es nur die Hauptstelle in Nürnberg. Zur Bewältigung der Finanzkrise beschlossen die rund 300 Teilnehmer der Mitgliederversammlung außerdem eine Anhebung des Monatsbeitrags von acht auf zwölf Euro. Vorstöße für eine Namensänderung der Arbeitnehmerorganisation vor dem Hintergrund der Schelsky-Affäre habe die Mehrheit abgelehnt. "Die AUB hat an diesem Wochenende ihren Frieden gemacht mit Schelsky. Er ist Teil der AUB und wir werden ihn irgendwann mal hinter uns lassen", sagte Brand-Hückstädt.

Der neue Vorstand räumte ein, dass die Schelsky-Affäre die AUB auch Mitglieder gekostet habe. Bundesweit seien rund 500 Austritte verzeichnet worden. Bei Siemens habe rund ein Drittel der "weit mehr als 1000 Betriebsratsmitglieder" der AUB den Rücken gekehrt. "Bei Siemens ist das Ganze ein echtes Problem"", sagte Brand-Hückstädt. Bei anderen Betrieben dagegen kaum. Insgesamt sind bei der AUB nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder organisiert. Konkretere Zahlen wollte der Vorstand nicht nennen. Betriebsgruppen der AUB gebe es in 1600 Unternehmen. Ihnen solle im Rahmen der vereinbarten neuen Transparenz mehr Eigenständigkeit garantiert werden. Eine Vernetzung mit dem Bundesvorstand sei über regionale Initiativkreise geplant.

Quelle: n-tv.de

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