Wirtschaft
Mittwoch, 20. April 2005

800.000 Mobilcom-Aktien: Honorar für Kubicki?

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki verfügt offenbar über ein Aktienpaket im Wert von 13 Millionen Euro an der Telekommunikations-Gesellschaft Mobilcom.

Der "Stern" berichtete am Mittwoch vorab, in einem Wertpapierdepot des Kieler Rechtsanwalts bei der Verwaltungs- und Privatbank in Vaduz (Liechtenstein) lägen rund 800.000 Mobilcom-Aktien.

Kubicki habe bestätigt, dass die Aktien ursprünglich von seiner Mandantin Sybille Schmid-Sindram stammten, der Ehefrau des Mobilcom-Gründers und früheren Großaktionärs Gerhard Schmid. Das auf ihn übertragene Aktienpaket diene ausschließlich dazu, künftige Prozesskosten und Anwaltshonorare seiner Mandantin Sybille Schmidt Sindram abzusichern, meldete das Hamburger Magazin unter Berufung auf Kubicki.

Gegen den früheren Milliardär und Mobilcom-Gründer Schmid und dessen Ehefrau ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel wegen des Verdachts auf Betrug, Bankrott und Beihilfe zum Bankrott. Wie Oberstaatsanwalt Uwe Wick bestätigt, wird derzeit ein möglicherweise illegaler Transfer von gut 2,8 Millionen Mobilcom-Aktien auf Depots in Liechtenstein überprüft.

Geheimkonten in Liechtenstein

Bei der Anmeldung seiner Privatinsolvenz im Jahre 2003 soll Schmid dieses Aktienpaket verschwiegen haben. Die Staatsanwaltschaft hat bereits in zwei weiteren Fällen Anklage gegen Schmid erhoben. Zum einen soll er als früherer Mobilcom-Chef seiner Frau als Chefin der "Millennium GmbH" 70 Mio. Euro ohne vertragliche Grundlage gezahlt haben. Zum anderen wird gegen ihn im Zusammenhang mit dem Bau eines Bürokomplexes in Kiel ermittelt.

Über die Stimmrechte an den Aktien auf dem Wertpapierdepot in Vaduz verfügt nach Informationen des "Sterns" weiterhin Frau Schmid-Sindram. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, besitzt sie derzeit knapp fünf Prozent des Mobilcom-Kapitals. Abgesehen von den Papieren Kubickis halte sie alle Aktien entweder selbst oder über Liechtensteiner Briefkastenfirmen, bei denen sie die wirtschaftlich Berechtigte sei.

Über einen Antrag auf der Hauptversammlung wollen das Ehepaar Schmid sowie eine Reihe von Kleinaktionären die Mobilcom zu einer Schadenersatzklage in Milliardenhöhe gegen ihren Großaktionär France Tlcom zwingen. Schmids Konkursverwalter klagte bereits gegen die France Tlcom auf Schadenersatz. Nach dem Debakel um die Mrd.teuren UMTS-Lizenzen fordert er von France Tlcom 4,25 Mrd. Euro Schadenersatz plus Zinsen.

Nach Angaben des Mobilcom-Sprechers Tobias M. Weitzel hat sich auch Kubicki zu der Hauptversammlung angemeldet. "Sein Aktienpaket wurde als Fremdbesitz angemeldet", sagte Weitzel am Mittwoch. Der Vorgang sei aus Sicht seines Unternehmens "höchst pikant"; die Beurteilung überlasse er der Staatsanwaltschaft.

Quelle: n-tv.de