Schwache ZahlenSalzgitter enttäuscht
An den Aktienmärkten sind die schwachen Zahlen von Salzgitter mit Enttäuschung aufgenommen worden. Das Papier fiel nach Bekanntgabe um ein Prozent, auch ThyssenKrupp-Aktien verloren. Experten sehen den Boom in der Stahlbranche am Ende.
Die Zahlen von Salzgitter sind am Markt nicht gut aufgenommen worden. Der MDax-Titel fiel um ein Prozent auf 141,30 Euro zurück. "Obwohl die Umsätze sowohl unsere Erwartung als auch die Markterwartungen übertrafen, erreichten die Ergebniszahlen die Schätzungen nicht", kommentierten die Analysten der LBBW das Quartalsergebnis von Salzgitter. Insbesondere die Segmente Stahl, Röhren und Handel hätten enttäuscht, was offenbar vornehmlich auf gestiegene Rohstoffkosten zurückzuführen sei, die nur mit einer Zeitverzögerung an die Kunden weitergegeben werden könnten.
"Es ist wie bei ThyssenKrupp: Der Boom in der Branche läuft so langsam aus", sagte ein Börsianer. ThyssenKrupp rutschten um 1,1 Prozent ins Minus. Die Aktie des Stahlhändlers Klöckner & Co konnte sich dagegen nach Vorlage von Quartalszahlen verbessern: Sie zog um 0,2 Prozent an.
Gewinnr ückgang im ersten Quartal
Der Stahlhersteller Salzgitter AG hat im ersten Quartal 2008 wegen kräftiger Preissteigerungen bei Rohstoffen einen stärker als erwarteten Gewinnrückgang ausgewiesen. Wie der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller mit Sitz in Salzgitter am Donnerstag mitteilte, sank das Ergebnis vor Steuern auf 291,9 Mio von 325,4 Mio EUR in der Vorjahresperiode. Das Ergebnis nach Steuern verringerte sich auf 194,9 (196,6) Mio EUR.
Die Analysten von UniCredit sehen zudem zunehmende Risiken auf der Kostenseite im zweiten Halbjahr. Sie senkten ihre Empfehlung für die Titel auf Halten von zuvor Kaufen. Die Aktie habe nun fast ihr Kursziel erreicht, sagten sie. Händler beurteilten den Quartalsausweis ebenfalls zurückhaltend. Der Gewinn enttäusche, sagten sie. Beim Ausblick habe sich der Konzern mit Hintertürchen für einen Rückzug offengehalten.
Starker Anstieg der Rohstoffpreise
Infolge der guten Geschäftsverläufe der Sparten Stahl, Röhren und Handel sei das Ergebnis dennoch auf "einem ausgezeichneten Niveau" geblieben, erläuterte der Konzern. Belastend hätten sich allerdings laufende Aufwendungen für Rohstoffe und Energien sowie ein zusätzlicher Materialaufwand für größtenteils seit Anfang Januar geltende weitere Preissteigerungen ausgewirkt.
Beim Umsatz profitierte Salzgitter von einer spürbaren Nachfragebelebung am europäischen Stahlmarkt. Der Umsatz wuchs im Quartalsvergleich um 22% auf 2,9 (2,38) Mrd EUR. Die 2007 erworbene Klöckner-Werke AG sowie weitere Gesellschaften des Röhrenbereichs hätten dazu 314,2 Mio EUR beigetragen. Analysten hatten für das Startquartal einen Umsatzzuwachs auf 2,73 Mrd EUR prognostiziert.
Leichter Gewinnrückgang im Gesamtjahr erwartet
Zuversichtlich äußerte sich der Konzern zum erwarteten Geschäftsverlauf für 2008. Demnach geht Salzgitter nun für das Gesamtjahr von einem operativen Gewinn von mehr als 900 Mio EUR aus. Bislang hatte die Bandbreite für das anvisierte Ergebnis von 803 Mio bis 948 Mio EUR gelautet. Allerdings könnten Währungseffekte oder Vormaterialpreisänderungen zu erheblichen Ergebnisschwankungen führen, hieß es einschränkend zu der Prognose. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen ein Vorsteuerergebnis von 1,31 Mrd. EUR erzielt.
Im Stahlbereich peilt der Konzern für das Gesamtjahr aufgrund der weiter steigenden Rohstoffkosten einen "nochmals herausragenden, aber gegenüber 2007 verminderten Gewinn" an. Für die Sparte Handel wird ebenfalls mit einem geringeren Ergebnis gerechnet. Das Ergebnis des Unternehmensbereichs Röhren dürfte sich wegen der guten Auftragslage in der Nähe des Vorjahreswertes bewegen, hieß es weiter.