Schwarze Kassen bei SiemensZweiter Ex-Vorstand im Visier
Im Siemens-Schmiergeldskandal ermittelt die Staatsanwaltschaft nach Presseinformationen nun auch gegen Ex-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger. Der 54-Jährige stehe im Verdacht, von schwarzen Kassen des Konzerns gewusst und dubiose Zahlungen gedeckt zu haben. Neubürger wäre nach Thomas Ganswindt der zweite frühere Zentralvorstand, der unter Verdacht steht.
Im Siemens-Schmiergeldskandal ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auch gegen Ex-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger.
Der 54-Jährige stehe im Verdacht, von schwarzen Kassen des Konzerns gewusst und dubiose Zahlungen gedeckt zu haben, berichtete die "Süddeutsche" am Donnerstag in einer Vorabmeldung. Bei einer Vernehmung habe Neubürger bestritten, in die Vorfälle verwickelt zu sein. Neubürger wäre nach Thomas Ganswindt, der zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saß, der zweite frühere Zentralvorstand, der unter Verdacht steht. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld wandte sich am Donnerstag mit einem eindringlichen Appel an die Mitarbeiter.
Neubürger galt in seiner Zeit als Finanzvorstand als enger Vertrauter des früheren Siemens-Chefs Heinrich von Pierer, der heute Aufsichtsratsvorsitzender ist. Er galt lange auch als möglicher Nachfolger Pierers. Im vergangenen Frühjahr verließ er überraschend den Siemens-Konzern. In der Schmiergeldaffäre haben laut SZ geständige Manager und Angestellte ausgesagt, Neubürger habe früh von dem System schwarzer Kassen erfahren und versucht, fragwürdige Zahlungen zu vertuschen. Neubürger selbst habe Mitte Dezember erklärt, er habe von den Korruptionsfällen im Unternehmensbereich Telekommunikation (Com) als Mitglied des Konzernvorstandes nichts gewusst. "Wir im Vorstand sind offenbar hinters Licht geführt worden." Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht äußern.
Die Staatsanwaltschaft geht derzeit davon aus, dass eine Gruppe von teils hochrangigen Siemens-Mitarbeitern rund 200 Millionen Euro unterschlagen und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt hat. Siemens selbst geht sogar von verdächtigen Zahlungen von bis zu 420 Mio. Euro aus.
Kleinfeld sagte am Donnerstag vor etwa 1000 Beschäftigten in München: "Das Unternehmen kann nur überleben, wenn es für Integrität, Rechtschaffenheit und Transparenz steht." Der Konzern setze auf volle Aufklärung und werde keine Verstöße dulden. Auch an die Zulieferer werde man dieselben, strengen Maßstäbe anlegen.
Kleinfeld kündigte an, dass künftig die Unterstützung und Beachtung der Verhaltens-Richtlinien ein Pflichtbestandteil der Mitarbeiterbeurteilung sei. Zudem werde für die Mitarbeiter eine Service-Hotline eingerichtet, die 24 Stunden am Tag besetzt sei.