Der Börsen-TagDAX testet abwärts
Dem DAX fehlen zum Wochenauftakt positive Kursimpulse. Der deutsche Börsenleitindex geht mit einem Minus von 0,2 Prozent und 16.069 Punkten aus dem Handel. Im Verlauf rutscht er sogar unter die 16.000er Marke. Auch an der Wall Street fehlen zunächst Impulse. Hauptbelastungsfaktor hierzulande: frische Konjunkturdaten aus China: Die Wirtschaftsleistung ist dort im zweiten Quartal um 6,3 Prozent gewachsen, was aber deutlich unter der Prognose von 6,9 Prozent liegt. Nach Einschätzung von JP Morgan unterstreichen die BIP-Daten die Dringlichkeit von Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft.
Hier täusche der gute Eindruck, sagt Chef-Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Denn im Vorjahresquartal schrumpfte das BIP aufgrund von Corona-Beschränkungen und des strauchelnden Immobiliensektors gegenüber dem Vorquartal. Die Vergleichsbasis war also entsprechend niedrig, so dass es für ein hohes Wachstum nicht viel bedurfte. "Und genau darin liegt auch die eigentliche Botschaft: Kaum hat die Nach-Corona-Erholung begonnen, scheint sie sich auch bereits wieder ihrem Ende zu nähern", warnt Gitzel. Hoffnungen auf Staatshilfe könnten enttäuscht werden: "Die Bazooka packt die chinesische Regierung schon seit längerem nicht aus". Zuletzt war dies nach der Finanzmarktkrise 2008 der Fall. Es sei daher wahrscheinlich, dass die Staatsführung gezielte Programme im Bereich der erneuerbaren Energien oder für den Kauf von E-Autos fördern werde.
"Der DAX kämpft mit der psychologisch wichtigen 16.000-Punkte-Marke", kommentiert ntv-Börsenkorrespondentin Nancy Lanzendörfer. "Gute Nachrichten von der Bundesbank, die besagen, dass die Rezession hierzulande vorüber ist, reichen den Anlegern nicht aus", erläutert sie. "Die unerwartet schwach ausgefallenen BIP-Daten aus China belasten zu stark. Zudem blickt der DAX auf einen Vorwochengewinn von mehr als drei Prozent zurück."
Am Aktienmarkt geraten die von chinesischen Käufern abhängigen Luxusfirmen unter Druck. Die Edelmarken-Konzerne LVMH und Hermes in Paris sowie Moncler in Mailand büßen bis zu mehr als vier Prozent ein. Auch ein Kurseinbruch von rund zehn Prozent auf ein Dreieinhalbmonatstief beim Schweizer Branchenschwergewicht Richemont trübt die Stimmung. Zwar schnellten die Verkäufe von Schmuck, teuren Uhren und Luxusmode in der umsatzstärksten Region Asien kräftig nach oben. Gebremst wurde der Aufschwung allerdings durch eine weiter verhaltene Nachfrage auf dem amerikanischen Kontinent, sodass die Zahlen des Konzerns hinter den Erwartungen blieben.