Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 310 Warum riechen nur andere den Knoblauchatem?

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Manche Menschen können von Knoblauch gar nicht genug bekommen, andere finden den Geschmack (und Geruch) ekelhaft und meiden ihn.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Warum riecht man nach Knoblauch, wenn man welchen gegessen hat? Und warum nimmt man Knoblauchgeruch bei anderen nicht mehr wahr, wenn man selbst welchen gegessen hat? (fragt Carsten N. aus Münster)

Knoblauch ist eine Gewürzpflanze, der heilende Kräfte zugeschrieben werden. Die für die Küche interessanten Zwiebeln bestehen aus mehreren Zehen. Diese werden im Ganzen, als Scheiben, klein geschnitten oder zerquetscht verwendet, um an den besonderen Geschmack der eigentlich geruchlosen Pflanze zu kommen. Doch warum riecht man denn nun unangenehm, wenn man Knoblauch gegessen hat?

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Döner Kepab wird häufig mit Knoblauch-Soße gegessen.

(Foto: picture alliance / dpa)

In den Zehen befinden sich zwei besondere Inhaltsstoffe: die geruchsfreie schwefelhaltige Aminosäure Alliin und das Alliin- spaltende Enzym Alliinase. Wird die Zehe von außen beschädigt, setzt eine chemische Kettenreaktion ein. Durch beispielsweise das Zerschneiden der Zehe trifft das Enzym Alliinase auf Alliin - dieses spaltet die Aminosäure. So entsteht Allicin, eine schwefelhaltige Verbindung, die nicht stabil ist. Das bedeutet, das Allicin wandelt sich zum Teil relativ schnell in andere Verbindungen wie Di- und Trisulfide um. Für den aromatischen Geruch von frisch verarbeitetem Knoblauch ist das Allicin verantwortlich. In der Natur schützt dieser Mechanismus die Pflanze vor Fraßfeinden. Allicin besitzt zusätzlich eine antiseptische Wirkung. Es tötet Bakterien und andere Keime ab. Zudem sollen Allicin und die Verbindungen, die daraus entstehen, für die gesundheitsfördernden Eigenschaften beim Menschen verantwortlich sein.

Isst man nun Gerichte mit Knoblauch, gelangt das Allicin und Verbindungen, die daraus entstehen, zunächst in den Magen. Von hier aus kann der typische Geruch über die Speiseröhre aufsteigen und gleich nach dem Essen zu üblem Mundgeruch führen. Vom Magen aus werden die Inhaltsstoffe des Knoblauchs im Darm weiter verdaut und gelangen von dort aus in den Blutkreislauf und schließlich in die Lungenbläschen. So entsteht die bekannte Knoblauchfahne. Nach einer Weile wird der charakteristische Duft beim Schwitzen schließlich auch über die Haut abgegeben.

Die Nase ist schnell müde

Den speziellen Geruch, den Freunde des gesunden Gewürzes ausdünsten, nehmen jedoch nur die Menschen wahr, die selbst keinen Knoblauch gegessen haben. "Die Knoblauch-Ausdünstungen werden meist als unangenehm wahrgenommen, weil darin Schwefelverbindungen enthalten sind", erklärt Professor Michael Keusgen, Dekan des Fachbereiches Pharmazie an der Philipps Universität Marburg. "Schwefelgerüche werden vom Menschen mit 'Achtung! Gefahr! Vorsicht!' in Verbindung gebracht, weil sie einerseits bei vulkanischen Aktivitäten und andererseits bei Verwesung entstehen", so der Experte weiter.

Doch die Nase des Menschen kann Gerüche nur für rund 20 Sekunden mit ihrer vollen Intensität wahrnehmen. Danach verschwindet der Duft, wenn er nicht variiert oder zunimmt, allmählich wieder aus dem Bewusstsein. Isst man nun selbst Knoblauch, so kann der Geruchssinn den typischen Knoblauchduft nur in den ersten Sekunden erkennen. Anschließend reagieren die Rezeptoren nur noch wenig sensitiv, solange eben, wie der Duft mehr oder weniger konstant bleibt. "Dadurch ist man selbst nicht mehr in der Lage, den Knoblauchgeruch bei anderen Menschen bemerken. Die Geruchsrezeptoren sind mit dem eigenen Knoblauchduft sozusagen gesättigt", beschreibt Keusgen. Das gleiche Prinzip gilt auch beim eigenen Parfüm, das man nach einiger Zeit der ständigen Benutzung selbst kaum noch riechen kann.

Gegen den Knoblauchduft sind viele Gegenmittel überliefert, die allerdings nur bedingt helfen. Milch, Schokolade oder das Kauen von Kaffeebohnen sollen den unangenehmen Geruch zumindest kurzfristig übertünchen. Auch Chlorophyll, also das Grün in essbaren Blättern, soll geruchsneutralisierende Wirkungen haben. Asiaten dagegen schwören auf eingelegten Ingwer als Anti-Knoblauch-Geruchsmittel. Da der Knoblauchduft nicht nur über den Atem, sondern auch über die Haut abgegeben wird, können alle Hausmittel nur für kurze Zeit den üblen Geruch überlagern. Selbst Knoblauchkapseln oder -dragees, die für die Gesundheit eingenommen werden, bleiben nicht vollständig ohne riechende Nebenwirkungen.

Übrigens: Da man seinen Eigengeruch nicht wahrnimmt, sollten Knoblauchliebhaber aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen den Verzehr der gesunden Zehen auf die freien Tage oder den Urlaub legen. Der Partner sollte zudem immer zum Mitessen animiert werden, außer man will ihn auf Abstand halten.

Quelle: n-tv.de

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