Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 229 Warum bleicht Sonnenlicht aus?

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In der Sonne getrocknete Wäsche bleicht aus - manchmal erwünscht, oft unerwünscht.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Warum bleicht die Sonne Stoffe, Gemälde und sogar Haare aus? (fragt Elisabeth B. aus Münster)

Seit Generationen weiß man, dass weiße Wäsche, die in der Sonne trocknet, heller wird. Die Sonne bleicht die Wäsche ohne jeglichen chemischen Zusatz. Diesen Effekt kann man auch auf anderen Materialien erkennen. Warum?

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Sabrina Köhler

(Foto: b.gortan)

"Sonnenstrahlung ist eine sehr energiereiche Strahlung. Beim Auftreffen der Strahlung auf farbige Materialien kommt es zu chemischen Reaktionen mit den Farbstoffen", sagt Sabrina Köhler, Leiterin des Labors Spektroskopie bei den Hohenstein Instituten. Durch die Sonne bilden sich sogenannte Sauerstoffradikale, die zum Bleicheffekt, also zum gut sichtbaren Aufhellen von Farben führen. Der chemische Prozess wird als Oxidation bezeichnet. Mit Hilfe der Sonne können sogar ungewollte Flecken aus hellen Materialien entfernt werden. Sind die Wäschestücke nass, wird der Bleichvorgang angekurbelt.

"Die Aufhellung oder eine Farbveränderung entsteht, weil die Farbmoleküle durch die Sonnenenergie verändert oder sogar zerstört werden können", erklärt Köhler weiter. Vor allem dunkle Wäsche sollte zum Trocknen nicht in die direkte Sonne gehängt werden, sonst können ungewollte helle Streifen entlang der Wäscheleine entstehen. Im Sommer ist die Bleichkraft der Sonne erheblich höher als im Winter.

Auch Farben auf Gemälden müssen vor direkter Sonneneinstrahlung und dem damit einsetzenden Bleichprozess geschützt werden, denn sonst könnten das Aussehen und damit der Wert des Bildes erheblich geschmälert werden.

Auch Haare werden bleicher

Durch die Energie der Sonne können sogar Haare heller werden. Nicht jedes Haar bleicht jedoch gleich schnell aus. In den Haaren und der Haut des Menschen befinden sich nur zwei verschiedene Farbpigmente, die das Aussehen bestimmen. Im hellblonden Haar sind im Vergleich zum dunklen Haar wesentlich weniger Pigmente enthalten. Im hellen Haar dominiert das gelb-rötliche Phäomelanin. Dunkles Haar wird durch das sogenannte Eumelanin eingefärbt.

Bei intensiver Sonneneinstrahlung können die Farbstoffe die Lichtenergie nur noch teilweise in Wärme ableiten. Der Rest der Energie führt dazu, dass genauso wie bei gefärbten Wäschestücken die Pigmente aufgespalten und schließlich zerstört werden. Eumelanin, der dunkel färbende Farbstoff, ist wesentlich resistenter gegenüber der aggressiven UV-Strahlung der Sonne als Phäomelanin. Aus diesem Grund sind blonde Haare wesentlich weniger geschützt vor der Sonnenenergie als dunkle.

Übrigens: Wer gern hellere Haare haben möchte, kann den Bleicheffekt der Sonne mit Zitronensaft ankurbeln. Bei mittellangem Haar reicht der Saft von zwei Zitronen und eine Stunde Sommersonne aus. Allerdings funktioniert das nur bei von Natur aus helleren Haaren. Dunkle Haare müssten, um einen sichtbaren Effekt zu erhalten, wesentlich länger einer intensiven Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.

Quelle: n-tv.de

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