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Vor allem an Händen, Armen und Beinen sind die blauen Adern bei manchen Menschen gut zu sehen.
Vor allem an Händen, Armen und Beinen sind die blauen Adern bei manchen Menschen gut zu sehen.(Foto: kwe)
Dienstag, 13. März 2018

Frage & Antwort, Nr. 524: Warum sehen Adern blau aus?

Von Jana Zeh

Als Blaublüter wurden lange Zeit Menschen mit adliger Abstammung betitelt. Tatsächlich schimmern manche Adern im Körper bläulich durch die Haut, obwohl das Blut, das darin fließt, doch rot ist. Wie kommt das?

"Bitte mal eine Faust machen", sagt die Schwester, die gleich die hervordringende Vene in der Armbeuge anstechen wird. Diese schimmert, wie einige andere auch, blau durch die Haut, obwohl das Blut, das aus ihr herausfließt, rot ist. Wie es zu dieser abweichenden Farbwahrnehmung kommt, erklärt Professor Thomas Schmitz-Rixen. Der Gefäßchirurg am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main weiß, dass es sich dabei um Physik handelt und nicht, wie manch einer vielleicht denken mag, um die Farbe der Venenwand.

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Auch die in Anatomiebüchern eingetragene blaue Farbe, die für sauerstoffarmes Blut steht, hat nichts mit der tatsächlichen Farbe des Blutes in den Venen zu tun. "Das Blau wurde bereits in alten Anatomiebüchern ausgewählt, weil sauerstoffarmes Blut wesentlich dunkler ist als Blut, das sauerstoffreich ist", erklärt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin weiter. 

Bei diesem Phänomen geht es nicht um die Farbe des Blutes, sondern um die optischen Eigenschaften der Haut und der darunter liegenden Schichten. "Das Tageslicht, das auf die Haut trifft, hat verschiedene Wellenlängen. Die werden auf verschiedene Weise von den Schichten der Haut reflektiert", erläutert Schmitz-Rixen. Der kurzwellige (blaue) Anteil wird von den Venen, die sehr oberflächlich, also zwischen einem halben und zwei Millimetern tief in der Haut liegen, blau reflektiert. Der langwellige Anteil des Lichts dagegen dringt zwar tiefer in die Haut ein, wird jedoch vom Blut absorbiert, also quasi verschluckt, so dass tieferliegende Adern mit bloßem Auge gar nicht mehr gesehen werden können. Bei Menschen mit dunkler Haut oder starkem Übergewicht kann jedoch auch das kurzwellige Licht nicht bis zu den Blutgefäßen durchdringen.

Blaues Blut bei Adligen?

"Je heller die Haut ist, umso blauer, manchmal sogar blaugrün, erscheinen die Venen", fasst Schmitz-Rixen zusammen. Auf dieser Grundlage lässt sich auch erklären, weshalb Menschen von Adel mit dem vergangenen Schönheitsideal einer hellen Haut in der Vergangenheit als Blaublüter bezeichnet worden sind. Die Zuschreibung, die aus dem mittelalterlichen Kastilien stammen soll, ist ein Hinweis auf die sehr helle Haut der adeligen Westgoten germanischer Abstammung. Die dort eingefallenen arabischen Mauren sollen die Adeligen so genannt haben. Der Begriff setzte sich im Laufe der Zeit trotzdem in ganz Europa als Synonym für Adelige durch und wird bis heute benutzt.

Übrigens: Auch wenn alle Menschen rotes Blut haben, gibt es in der Natur Lebewesen, deren Blut tatsächlich blau ist. Tintenfische sowie einige Schnecken- und Krebsarten gehören dazu. Bei ihnen wird der Sauerstoff nicht an Eisen, sondern an Kupfer im Blut gebunden. Beim sogenannten Hämocyanin, also dem Blutfarbstoff beim blauen Blut, wird Sauerstoff an zwei Kupfer-Ionen gebunden und verfärbt sich dadurch blau. Hämocyanin ohne Sauerstoff ist dagegen farblos.

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Quelle: n-tv.de