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Das Trocknungsmittel Silikagel ist völlig ungiftig.
Das Trocknungsmittel Silikagel ist völlig ungiftig.(Foto: ThoMar OHG)
Dienstag, 10. Juni 2014

Frage & Antwort, Nr. 330: Wozu sind die Silikagel-Beutel gut?

Von Jana Zeh

Immer wieder finde ich zwischen neugekauften Dingen diese kleinen Beutelchen mit dem Aufdruck "Silica Gel". Aber was ist da drin und wozu genau liegt es den Waren bei? (fragt Johanna B. aus Darmstadt)

Jeder kennt die kleinen Beutelchen mit Aufdruck, die vielen Waren beigelegt sind. Was drin ist, steht drauf: Silica Gel, Desiccant - auf Deutsch: Silika- oder auch Kieselgel, Trocknungsmittel. Aber was ist das eigentlich und warum müssen Schuhe neben einem Trocknungsmittel lagern?  Und wieso steht auf der Verpackung "Throw away, do not eat?"

Silikagel, mit verschiedenen Indikatoren gefärbt.
Silikagel, mit verschiedenen Indikatoren gefärbt.(Foto: ThoMar OHG)

Einer, der es ganz genau wissen muss, ist Philipp Päplow, Technischer Berater im Vertrieb der ThoMar OHG, einem Hersteller und Lieferanten von Trocknungsmitteln verschiedenster Art. Er erklärt, dass Silikagel-Beutelchen die Feuchtigkeit in Produktverpackungen aufnehmen und reduzieren sollen, damit sich beispielsweise kein Schimmel und keine unangenehmen Gerüche bilden. Der Inhalt der Beutel besteht zu 98 Prozent aus Siliciumdioxid (SiO2). Dieses ist als Trocknungsmittel geeignet, weil es sehr porös ist und eine sehr große innere Oberfläche hat. Das Mittel gibt es in verschiedenen Körnungen: von feinem Pulver bis hin zu den Kügelchen.

Binden von Feuchtigkeit

Die Beutel, die in den Verpackungsbeilagen verwendet werden, beinhalten viele kleine, feste Kügelchen. "Ein Gramm Silikagel hat eine innere Oberfläche von 600 bis 800 Quadratmetern", erklärt der Experte weiter. Abhängig von der Umgebungstemperatur und relativer Feuchte kann dieses eine Gramm bis zu 36 Prozent seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft binden. Das bedeutet, ein Silikagel-Beutel mit einem Gewicht von einem Gramm kann bis zu 0,36 Gramm Schwitzwasser oder Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche anlagern (adsorbieren). Durch Erhitzen kann die Feuchtigkeit von dem Gel auch wieder entfernt werden. Dieser Vorgang wird dann Desorption genannt.

Kann man denn die Beutel recyceln? "Man könnte", sagt Päplow. Silikagel kann bei 100 bis 110 Grad getrocknet und dann immer wieder als Trockenmittel benutzt werden. "Bei den kleinen Beutelchen, die man als Verpackungsbeilage verwendet, hat das allerdings keinen Sinn, denn diese müssten zuerst aus ihrem Beutel, der meistens aus luftdurchlässigem Vlies besteht, geholt werden, dann erhitzt und abgekühlt wieder in die Beutel gefüllt", so Päplow.

Völlig ungiftig

Das lässt zwangsläufig die Frage nach dem Preis aufkommen: "Ungefähr einen Cent kostet ein Beutel mit 0,5 Gramm Inhalt, allerdings wird es für Großabnehmer noch billiger", antwortet Päplow. Er betont zudem, dass Silikagel völlig ungiftig ist. Aus diesem Grund kann es auch bei Lebensmitteln wie Algenblättern oder Brausetabletten für Trockenheit sorgen. Und sollten die Kügelchen doch mal aus Versehen verschluckt werden, werden sie genauso, beziehungsweise mit Feuchtigkeit angereichert, vom Organismus wieder ausgeschieden.

Der Verpackungshinweis "Do not eat. Throw away" ist lediglich dazu da, um eine Verwechslung mit Lebensmitteln zu vermeiden. "Wäre Silikagel gesundheitlich bedenklich oder sogar giftig, dann würden nicht nur die Warnhinweise anders aussehen. Die Beutelchen dürften dann auch niemals mit Lebensmitteln verpackt werden", erläutert Päplow.

Eine Ausnahme macht allerdings eine Variante des Silikagels, das sogenannte Blaugel. Es ist tatsächlich giftig. Dieses Trockenmittel ist blau eingefärbt und ändert seine Farbe zu rosa/pink, wenn es feucht wird. Es enthält den krebserregenden Stoff Cobalt(II)-chlorid und wird deshalb in Europa weitgehend nicht mehr gehandelt. Es wurde ersetzt durch das ungiftige Silikagel orange, welches einen schwermetallfreien Stoff als Indikator beinhaltet und nach Aufnahme von Feuchtigkeit grün/blau wird.

Übrigens: Mit Silikagel könnte man klimafreundlich heizen - und kühlen. Das Granulat gibt nämlich Wärme ab, sobald sich Feuchtigkeit anlagert. Es könnte in Zukunft als Wärme-Speicher zum Einsatz kommen. Erste Praxisversuche dazu laufen im Allgäu bereits.

Quelle: n-tv.de

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