Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 187 Zähneputzen vor dem Frühstück?

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Zahnreinigung mal anders ... Auch das Gebiss eines Geisterbahn-Dinos will gepflegt sein.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ich habe mal gehört, dass man zwischen dem Essen und der Zahnpflege eine gewisse Zeit verstreichen lassen sollte. Daher möchte ich wissen: Wann sollte man sich am Morgen, wenn die Zeit knapp ist, die Zähne putzen? Besser gleich nach dem Aufstehen oder aber nach dem Frühstück – ohne zeitlichen Abstand? (fragt Linda W. aus Aachen)

Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen. Schließlich heißt es: "Vor dem Schlafen, NACH dem Essen: Zähneputzen nicht vergessen!" Und so lauert das schlechte Gewissen immer im Hinterkopf, wenn man den Tag mal zähneputzenderweise beginnt und den Karies verursachenden Bakterien dann mit dem Frühstück gleich wieder Nahrung verschafft. Zu sehr hat sich der Merksatz aus Kinderzeiten eingeprägt, als dass man die dort nahegelegte Reihenfolge in Frage stellen wollte.

Aber so einfach ist es nicht. Unsere Leserin hat recht: Der richtige Zeitpunkt für die Zahnreinigung ist tatsächlich auch von der zur Verfügung stehenden Zeit abhängig. Und ein weiterer Aspekt ist zentral: die Art der Ernährung.

Honigreste? Weg damit!

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Eine wirkungsvolle Zahnreinigung braucht Zeit. Doch danach sind die Kauwerkzeuge gut geschützt.

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"Nach dem Verzehr von vorwiegend klebrigen, zuckerhaltigen Speisen sollte man die Zähne möglichst bald von diesen Karies fördernden Angreifern befreien", sagt Uwe Blunck vom CharitéCentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Berlin. Wer morgens also am liebsten ins Honigbrötchen beißt oder nur mit gesüßtem Kaffee und Schokocroissant in Schwung kommt, greift am besten direkt nach dem Essen zur Zahnbürste.

Genau das allerdings gilt es zu vermeiden, wenn das Frühstück vorwiegend aus Obst und Saft besteht. Die darin enthaltene Säure ätzt die Zähne nämlich minimal an. Kommen dann auch noch Bürste und Zahncreme zum Einsatz, kann es passieren, dass die Oberfläche der Zähne abgetragen wird. Langfristig ist ein deutlicher Verlust von Zahnhartsubstanz die Folge. Der macht sich dann sowohl im Zahnhalsbereich als auch auf den Kauflächen bemerkbar. Die Zähne werden hitze- und kälteempfindlich und verfärben sich mitunter. Im Extremfall sehen sie zerklüftet und wie abgeschmolzen aus. Fachleute sprechen von Erosionsdefekten.

Dem Zeitdruck zuvorkommen

Doch so weit muss es natürlich nicht kommen. Zeit ist ein einfaches Mittel, um der Erosion vorzubeugen. Denn auf den Speichel ist meist Verlass. Er verdünnt die in der Nahrung enthaltene Säure, transportiert sie ab und remineralisiert zugleich den Zahnschmelz. Ist dieser Schutz wiederhergestellt und die Säure im Mund neutralisiert, kann auch die Bürste wieder ran. Der Haken an der Sache ist der, den unsere Leserin bei ihrer Frage im Hinterkopf hat: Es dauert ein bis zwei Stunden, bis der Speichel seine Wirkung getan hat. Fast 120 Minuten also müsste man nach einem obstreichen Frühstück verstreichen lassen, bis man mit dem Putzen beginnt. Doch wer kann sich das in der morgendlichen Hektik erlauben? Und selbst, wenn man die Zeit hat: Denkt man zwei Stunden nach dem Essen noch an die Zahnpflege? Eher nicht …

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Käse schließt nicht nur den Magen, er kann indirekt auch die Zahnpflege unterstützen.

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Uwe Blunck, als Spezialist für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin, spricht daher eine klare Empfehlung aus: "Je saurer die Speisen sind, desto eher sollte man VOR dem Essen die Zähne putzen." Und selbst für diejenigen, die mit Müsli oder Honigbrötchen in den Tag starten, kann diese Reihenfolge die bessere Wahl sein. "Wer die Erfahrung gemacht hat, nach dem Frühstück unter Zeitdruck zu stehen und seine Zähne daher nicht die nötigen drei bis fünf Minuten reinigen zu können, sollte diese Zeit lieber vor der Mahlzeit investieren", sagt Blunck.

Putzen mit Muße

Grundsätzlich gilt: Je länger die Mundhygiene durchgeführt wird, umso besser sind die Zähne geschützt. Die Plaque – das ist der Bakterien beinhaltende Zahnbelag – sollte mit Bürste und Zahncreme, Zahnseide und anderen Hilfsmitteln beseitigt oder zumindest vermindert werden. Das braucht seine Zeit. Doch umso entspannter kann man sich danach an den Frühstückstisch setzen. Denn das Fazit des Experten lautet: "An einem plaquearmen Zahn entsteht wahrscheinlich auch bei zuckerhaltiger Ernährung weniger schnell eine Karies als an einem Zahn, der nur sehr oberflächlich geputzt wurde – etwa aus Zeitgründen."

Übrigens: Auch beim abendlichen Zähneputzen gilt es, den Zeitfaktor zu bedenken. Denn Cola, Wein und Salatdressings zum Beispiel sind ebenfalls stark säurehaltig und daher ein Angriff auf die Zähne. Wer die neutralisierende und remineralisierende Wirkung des Speichels unterstützen will, schließt das Abendessen nach gutem, altem Brauch mit einem Stück Käse ab.

Quelle: n-tv.de

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