Vorstellung Mazda 5Eine solide Welle
Mazda hat seinen Van namens 5 überarbeitet. Das Auto will seine gute Position im Segment der Familiendampfer ausbauen. Könnte klappen, denn das Auto ist ein gutes Angebot. Auch wenn nicht Gold ist, was von außen glänzt.
Im Grunde ist Mazda relativ spät auf den Zug der Großraum-Vans aufgesprungen. Als der 5 im Jahr 2005 auf den Markt kam, hatten sich Opel Zafira und VW Touran schon die besten Plätze auf dem deutschen Markt gesichert. Zwar betonen die Japaner, dass sie schon 1963 den ersten Van namens Familia 800 auf dem Markt hatten. Aber in Europa ist dieses Fahrzeug so gut wie unbekannt. Auch der MPV von 1989 spielte auf dem deutschen Markt kaum eine Rolle. Erst dem Premacy, der 1999 erschien, ward ein gewisser Verkaufserfolg beschieden.
Vom Vorgänger hat die Marke, die in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen feiert, weltweit immerhin 500.000 Einheiten verkauft. Der deutsche Anteil der 170.000, die in Europa an die Kunden gebracht wurden, liegt bei 60.000 Autos. Immerhin 5,4 Prozent des Marktsegments der großen Vans gehören damit der "Zoom-Zoom"-Marke. Und dort tummeln sich beachtliche 18 Wettbewerber nahezu aller großen Automarken.
Inspiration aus der Natur
Da muss man also schon auffallen als Van, um die Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen. Bei Mazda hat man dazu über die gesamte Produktlinie eine neue Designlinie entwickelt, dass nun auch den 5 voll erfasst hat. Nagare nennt sich diese Linie, was für die Kunden aber ziemlich unerheblich sein dürfte. Wichtiger ist da schon die Tatsache, dass sich die Designer von der Natur inspirieren lassen und weiche, sanfte Formen in die Gestaltung ihrer Autos einfließen lassen.
Beim Mazda 5 sind das vor allem optisch ansprechende Sicken, die sich seitlich über die vorderen und hinteren Türen ziehen. Auch die Front wird durch runde Formen bestimmt. Ähnlich wie beim kleinen Bruder, dem 2, trägt der 5 von vorne ein freundliches Gesicht. Im Heck schließt der Mazda etwas weniger augenfällig ab.
So weit, so nett. Was in dieser Klasse aber vor allem zählt sind Fakten. Das ist vor allem Nutzwert, über die die typische Familie ihre Kaufentscheidung trifft. Aber natürlich spielen auch die Antriebe eine Rolle. Weniger deren Dynamik als die Wirtschaftlichkeit. Kommen wir also zum den wirklich wichtigen Dingen.
Auf einer Länge von 4,58 Meter bietet der Mazda schon so einiges an Nützlichem. Wahlweise gibt es fünf oder sieben Sitze, die nach dem Karakuri-Prinzip konstruiert sind. Schon wieder ein japanischer Begriff, der sich schwer übersetzen lässt. Grob umschrieben meint das Ganze aber, dass ein Gegenstand etwas Überraschendes bietet. Im Falle des 5 ist das zum Beispiel ein mittlerer Sitz der Rückbank, dessen Sitzfläche sich versenken lässt und so eine Armlehne daraus wird. Alternativ wird daraus ein zusätzliches Fach für Kleinteiliges, wobei dann unter dem rechten Sitz weiterer Stauraum entsteht. Der mittlere Sitz kann auch ganz weggeklappt werden und so bietet sich ein Durchgang zu Reihe drei. Allerdings eher für Kinder und kleinere Personen geeignet.
Viel Raum und leichter Zustieg
Durch die beidseitigen Schiebetüren – Mazda war hier bei den Vans damals Pionier – ist der Einstieg in die zweite Sitzreihe sehr bequem. Um auch die optionale dritte Sitzreihe lässt sich gut erreichen, da sich die Sitze der zweiten Reihe um 27 Zentimeter nach vorne schieben lassen. Das Raumangebot ist vorne und in Reihe zwei vorbildlich. Und selbst die dritte Sitzreihe bietet, bei etwas gutem Willen noch Platz für erwachsene Menschen. Ebenso lässt sich diese aber umlegen und schafft so 426 Liter Ladevolumen. Maximal werden beim Siebensitzer daraus 1485 Liter. Bei der fünfsitzigen Version sind es 438 Liter oder 1597 Liter maximal. Das ist viel, aber nicht Klassenspitze. Ein Touran schluckt beispielsweise bis zu 1989 Liter.
So schick der Mazda von außen auch ist. Im Innenraum herrscht Hartplastikambiente vor, was die Wertigkeit des Fahrzeugs doch etwas herabsetzt. Zwar gibt es an Verarbeitung und Funktionalität nichts auszusetzen, aber der Gesamteindruck ist doch weniger positiv als der erste Blick von außen. Die Mittelkonsole st übersichtlich angeordnet und gut bedienbar. Gleiches gilt für das Cockpit. Neu beim Mazda 5 ist die Option ein serienmäßiges Navigationssystem mit Bluetooth-Funktion und Multimedia-Verbindung zu bestellen. Der Preis steht noch nicht genau fest, wird aber wohl um die 600 Euro liegen. Ein attraktiver Preis.
Neue Zwei-Liter-Direkteinspritzer
Schmalkost ist hingegen auf der Motorenseite angesagt. Zwei Benziner gibt es erst mal. Die 1,8-Liter-Version ist überarbeitet worden, leistet 115 PS und soll 7,2 Liter verbrauchen. Das entspricht einer CO2-Emission von 159 Gramm. Neu ist der Zwei-Liter-Motor mit Direkteinspritzung. Er bringt serienmäßig ein Start-Stopp-System mit und positioniert sich daher beim Verbrauch mit 6,9 Litern unter dem anderen Aggregat. Beide Motoren erfüllen die Euro Norm 5.
Bei einer ersten Ausfahrt konnten wir eine Runde mit dem größeren Motor drehen. Das Start-Stopp-System namens "i-stop" funktioniert sehr harmonisch. Auch deshalb, weil es, im Gegensatz zu anderen Systemen, beim Abstellen des Motors die Zylinder vorpositioniert und so sehr schnell und mit voller Kraft wieder anzuspringen vermag. Mit den 150 PS ist das 1410 Kilogramm schwere Auto ausreichend, aber nicht übermotorisiert. Bis zur nominellen Höchstgeschwindigkeit von 194 Stundenkilometer zieht es sich, beim Durchzug geht es jedoch ganz ordentlich voran. Die maximalen 191 Newtonmeter des Motors liegen bei 4000 Umdrehungen an, aber zwischen 2500 und 4500 Umdrehungen bietet der Motor nahezu sein optimale Kraft an.
Diesel erst ab nächstem Jahr
Preislich macht Mazda mit dem 5 ein recht attraktives Angebot. Der Einstieg gelingt mit 20.490 Euro für den kleineren Benziner. Zum Start liegt er durch einen Bonus knapp unter der Schallmauer von 20.000 Euro. Ab der mittleren Ausstattungsvariante gibt es die dritte Sitzreihe und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Wahrscheinlich werden sich fast drei Viertel der Kunden für diese Variante entscheiden. Schon in der Basisvariante bringt der 5 ein MP3-Radio, Klimaanlage und ein umfangreiches Sicherheitspaket mit ABS, ESP, Gurtstraffer und sechs Airbags mit. Wer lieber Diesel fahren möchte, der muss auf den 1,6 Liter großen Selbstzünder bis 2011 warten. Die beiden Benziner gibt es zum Verkaufsstart am kommenden Wochenende bereits.
Mazda macht auch mit dem neuen 5 ein attraktives Angebot. Das Auto ist insgesamt ein rundes Paket, nur das Hartplastikambiente des Armaturenbretts und der nicht übermäßig kräftige Spitzenbenziner schmälern den positiven Gesamteindruck leicht. Dafür ist der Mazda 5 optisch ein Hingucker und bietet reichlich Nutzwert für seinen attraktiven Preis. Gut möglich, dass sich, wie von Mazda angepeilt, noch in diesem Jahr 2000 Kunden für das Auto entscheiden. Nagare hin, Karakuri her – Der Mazda 5 ist eine Überlegung wert.