Auto
Selbst vor den noblen Veranstaltungen in Pepple Beach macht die Wirtschaftskrise nicht Halt. Die Preise für die verkauften Porsche 356 bleiben unter den Erwartungen.
Selbst vor den noblen Veranstaltungen in Pepple Beach macht die Wirtschaftskrise nicht Halt. Die Preise für die verkauften Porsche 356 bleiben unter den Erwartungen.

Concour d‘Elegance in Pebble Beach: Gartenparty mit Autoshow

Wenn sich Marken, Mythen und Moneten treffen, sind teure Klassiker nicht weit. Die umfangreichste Ansammlung alter und neuer automobiler Preziosen findet sich stets im August rund um das kalifornische Städtchen Monterey.

Pebble Beach gehört zweifellos zu den Orten mit der höchsten Dichte an teuren Fahrzeugen. Zumindest für eine Woche im August ist der Strandzipfel mit dem berühmten Golfclub ein Synonym für automobilen Luxus. Sieben Tage lang reiht sich eine Oldtimerveranstaltung an die andere, ergänzen Rennsportevents die Klassikerausfahrten und trifft sich die Creme de la Creme des Automobils.

Höhepunkt ist zweifellos der abschließende Concour d‘Elegance am berühmten 18. Loch des Golfclubs von Pebble Beach. Dort werden rund 150 erlesene Automobile aus sieben Jahrzehnten ausgestellt. Neben dem kleineren, aber noch feineren Concours der Villa d’Este am Comer See in Italien ist Pebble, wie die Einheimischen es salopp abkürzen, wohl der zweitwichtigste Show-Act der Szene.

Limitierte Tickets für 400 Dollar

Es ist müßig, die 21 ausgestellten Ferrari-Preziosen, die zehn Bugatti oder die 15 Pierce-Arrow aufzuzählen oder zu beschreiben. Pebble bietet Klassiker im Überfluss, was leider auch den Überblick etwas erschwert. Der wird auch nicht einfacher, wenn man tags zuvor die kleine, aber noch exklusivere Konkurrenz vor Ort besucht hat. Wie Pebble gehört auch The Quail zur Monterey Peninsula Automotive Week. Hier darf gucken, wer eines der limitierten Tickets zum Stückpreis von 400 Dollar erhalten hat.

Sehen und gesehen werden: Die Sammler zeigen ihre Schätzchen gerne auf beiden Veranstaltungen.
Sehen und gesehen werden: Die Sammler zeigen ihre Schätzchen gerne auf beiden Veranstaltungen.

The Quail gastiert auf dem gleichnamigen Golfplatz und bietet für die ausgewählte Gästeschar einen bunten Überblick über die aktuelle Klassikerszene. Nebenbei darf hier die Autoindustrie ihre Neuwagen vorstellen, was in Pebble selbst verpönt ist. Entsprechend gibt es Stände mit den aktuellen Modellen von Bentley, Bugatti, Ferrari, Lamborghini oder AMG. Der Eintrittspreis garantiert, wie es ein Lamborghini-Verkäufer dezent umschreibt, eine gewisse Klasse, und so tummeln sich die gut betuchten Fans alter und neuer Traumwagen wie auf einer großen Gartenparty.

"All-Inclusive" auf hohem Niveau

Damit diese auch richtig losgeht, sind an allen Ecken und Enden Restaurant platziert, an denen man sich verköstigen darf. Der Eintrittspreis beinhaltet Essen und Getränke. Zum "All-Inclusive-Preis" gibt es beispielsweise Edel-Champagner von Roederer bis zum Abwinken, was vom Publikum gerne angenommen wird. Auch vereinzelte Cocktail- oder Weinständestände gehören dazu.

Mit dem Champgner steigt die Kauflaune. Wer will, kann direkt zuschlagen.
Mit dem Champgner steigt die Kauflaune. Wer will, kann direkt zuschlagen.

Natürlich machen Martinis, Champagner und allerlei Weine aus dem nahen Nappa Valley unter der Sonne Kalifornien genossen gute Laune. Unter Umständen auch Kauflaune. Deshalb gibt es direkt am Gelände eine Auktionshalle, wo man spontan klassische Fahrzeuge erwerben kann. Allerdings ist das Preisniveau in diesem Jahr wohl in Folge der Wirtschaftskrise nicht extrem hoch. Die Gebote bleiben oft unter den Vorstellungen der Verkäufer. Ein Porsche 356 Cabrio der ersten Serie beispielsweise erzielt 240.000 Dollar. Ausgeschildert war es mit 300.000 Dollar und ein gut gepflegter Porsche 912 für 18.000 Dollar wäre in Deutschland ein echtes Schnäppchen. Vielleicht hat aber auch die Geschichte des Autos nicht gestimmt. Schließlich werden die Autos umso wertvoller, je bekannter seine Besitzer waren.

Militärmaschinen über dem Golfplatz

Zurück zur Gartenparty mit angeschlossener Autoausstellung. Die Stimmung ist nach dem Mittagessen auf dem Höhepunkt. Passend dazu, und typisch amerikanisch, zieht eine Flugzeugstaffel mit alten Militärmaschinen ihre Bahnen über den Golfplatz. Sie koloriert den Himmel in den Nationalfarben weiß, rot und blau.

Bugatti glänzt mit einem besonders üppigen Auftritt und darf sich über einige Verkäufe freuen.
Bugatti glänzt mit einem besonders üppigen Auftritt und darf sich über einige Verkäufe freuen.

Apropos blau: Bereits um 15 Uhr muss der Ausschank von Roederer tatsächlich abwinken, die Vorräte sind verzehrt. Gut, dass es wenigstens noch Kaviar gibt. Um den zu erhalten, steht auch der gemeine Milliardär auf The Quail in der Schlange an. Als Ausgleich für diese wohl eher ungewohnte Tätigkeit kann er dann, anders als der einfache Millionär, anschließend bei Bugatti einkaufen gehen.

Sammler schlagen direkt zu

Die Nobelmarke von VW stellt den neuen Geschwindigkeitsrekordhalter Veyron Supersport vor und konnte vor Ort gleich 23 Bestellungen zum Stückpreis von rund 1,9 Millionen Euro notieren. So buchte zum Beispiel ein Amerikaner indischer Abstammung spontan und hat damit bald bereits sechs Veyrons in seiner Garage.

Andere sammeln lieber Ferrari und geben dafür ähnliche Summen aus. Dass der frisch erworbene Ferrari LM 250 rund fünf Millionen Dollar gekostet hat, verschweigt der Weinhändler aus Los Angelos nicht uns, wohl aber seiner Freundin. "Ich habe ihr gesagt, den bekomme ich für ein paar Hunderttausend" erzählt er, "wenn sie den richtigen Preis wüsste, gäbe es wieder Diskussionen". Über Geld wird hier deutlich offener gesprochen, als man es aus Europa gewohnt ist, es steht aber trotzdem nicht im Mittelpunkt. Der besagte Weinhändler entpuppte sich als Spezialist für Ferrari-Farben und kann sehr genau bestimmen, wann in Maranello dieses bestimmte Himmelblau-Metallic zum ersten Mal verwendet wurde.

Shelby gibt sich die Ehre

Neben den europäischen Edelmarken steht in den USA natürlich die eigene Autotradition hoch im Kurs: vor allem Sportwagen. Corvettes aller Baureihen parken friedlich neben alten und neuen Cobras. Auf vielen prangt der Schriftzug "Shelby". Der legendäre Tuner ist ein Urgestein der US-Szene und hat mit Bigblock-V8-Motoren schon in den Sechzigern für ein Übermaß an Leistung bei seinen Produkten gesorgt. Er ist selbst zugegen und nimmt von Moderator Richard Charlesworth einen Preis für sein Lebenswerk entgegen. Seine Autos bestimmen den Sound von The Quail, weil ein ums andere Mal ein V8 mit offenen Ansaugtrichtern angelassen wird und damit immer eine der kleinen Kapellen übertönt, die im Umfeld der Ausstellung die Partystimmung unterstützen sollen.

Das noble Pebble setzt sich dagegen von dieser Gartenparty für besonders Reiche ab. Mit einem Eintrittspreis von 150 Dollar ist es für die Besucher weniger exklusiv, dafür sind die Fahrzeuge zum Teil noch hochwertiger. Aber die Grenzen verschwimmen, weil die Sammler ihre Preziosen hier wie da gerne zeigen. Die wirklich wertvollen Auszeichnungen für die Autos und ihre Eigner gibt es aber nur in Pebble.

Bilderserie
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen