Auto

Peugeots Hybrid4: Geteilte Arbeit

Markus Mechnich

Zahlreiche Hersteller arbeiten derzeit an Hybrid-Systemen. Die Ergebnisse nennen sich Mild-Hybrid oder Soft-Hybrid und sind mal mehr und mal weniger sinnvoll. Bei Peugeot lässt man sich Zeit und bringt erst im übernächsten Jahr ein Hybrid-Fahrzeug auf den Markt. Die Technologie mit dem Namen Hybrid4 kann aber weit mehr als nur mit einem Elektromotor Benzin sparen.

In der Studie Prologue Hybrid4 hat Peugeot den Stand der Technik verbaut. Bis 2011 wollen die Franzosen ein serienreifes Fahrzeug auf den Markt bringen.
In der Studie Prologue Hybrid4 hat Peugeot den Stand der Technik verbaut. Bis 2011 wollen die Franzosen ein serienreifes Fahrzeug auf den Markt bringen.

Eine gängige Weisheit in den Entwicklungsabteilungen vieler großer Autokonzerne lautet derzeit: Diesel und Hybrid vertragen sich noch nicht. Fieberhaft wird geforscht, um die beiden Technologien in ein Auto zu schaffen. Denn eines ist klar: Wenn die ohnehin recht verbrauchsgünstigen Diesel-Motoren mittels Elektromotor noch sparsamer gemacht werden könnten, dann würden sie alle bisherigen Hybriden wohl locker in die Tasche stecken.

Der Ansatz von Peugeot ist aber nicht nur wegen der Kombination Diesel und Elektro-Motor interessant. Die Franzosen wollen beim 3008, einem Crossover-Modell zwischen SUV und Van, mittels des zusätzlichen Elektroantriebs auch einen Allrad-Antrieb etablieren. Der Elektro-Motor sitzt dabei direkt über der Hinterachse und bezieht seine Energie aus zwei Nickel-Metallhydrid-Batterien, die in der Reserve-Rad-Mulde unter dem Kofferraum sitzen. "Der Kunde hat außer dem Fehlen eines vollwertigen Ersatzrades keinerlei Einbußen an Raum oder Ladevolumen", sagt Peugeot-Pressesprecher Bernhard Voß.

Mächtig viel Drehmoment

Bunter Strauß an Technik: Gleich mehrere Elektroniksysteme trimmen das Auto auf Sparsamkeit.
Bunter Strauß an Technik: Gleich mehrere Elektroniksysteme trimmen das Auto auf Sparsamkeit.

Ein Nachteil, den sich alle Hybrid-Systeme teilen, ist das höhere Gewicht. "Für die Batterien könnten es wohl 40 bis 50 Kilo werden", so Voß. Aber das fällt bei dem größeren 3008 nicht so stark ins Gewicht. Es stellt sich die Frage, warum man bei Peugeot auf Nickel-Metallhydrid-Batterien setzt, wo man allerorten hört, dass die Zukunft doch den Lithium-Ionen-Akkus gehört. "Lithium-Ionen-Batterien sind deutlich teurer und sehr anfällig für schwankende Temperaturen", sagt Voß. Vor allem die Kühlung von Lithium-Ionen-Akkus bereitet allen Ingenieuren massive Probleme. Bei Minusgraden verlieren sie Spannung und bei Hitze müssen sie stark gekühlt werden, um eine ordentliche Leistung abzuliefern.

Die Hybrid4-Technik kann mit beeindruckenden Zahlen glänzen. Im Concept-Car Prologue Hybrid4 wartet das Auto auf Basis des 3008 mit einer Systemleistung von 200 PS auf. 167 bringt der Zwei-Liter-Diesel mit und 37 PS kommen vom Elektroantrieb auf der Hinterachse. Das Drehmoment verteilt sich mit 300 Newtonmeter vorne und 200 Newtonmeter hinten auf die beiden Achsen. Im Gegensatz zu "normalen" Allradantrieben braucht der Hybrid4 keine Kardan- oder sonstige Antriebswelle unter dem Fahrzeug. Lediglich ein Steuerungskabel führt vom Motorraum zum Heck des Fahrzeugs und koordiniert die beiden Antriebe.

Forschung läuft auf Hochtouren

Mit der Technik ist ein Verbrauch von 4,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer möglich. Dabei entlässt der 3008 rund 109 Gramm CO2 pro Kilometer in die Umwelt. Für ein Auto dieser Leistungsklasse sind das beeindruckende Werte. Von der Beschleunigung und Elastizität kann er sich mit deutlich stärkeren Motoren messen. Um die Batterie auch immer gut zu füllen, wird die Hybrid-Technik von einem neuen "Stop&Start"-System, einer Energierückgewinnung und einem automatisierten Sechsgang-Schaltgetriebe flankiert.

Blick in die Zukunft: Das Cockpit des Prologue Hybrid4.
Blick in die Zukunft: Das Cockpit des Prologue Hybrid4.

Peugeot kann relativ frei von Marktzwängen an der Kombination Diesel und Hybrid forschen. Der Hersteller hat sein Absatzgebiet fast ausschließlich in Europa. Die Motoren müssen nicht aufwändig an US-Standards oder andere Diesel-Qualitäten in Südamerika oder Asien angepasst werden. Deshalb läuft die Forschung im Entwicklungszentrum in Vélizy im Süden von Paris auf Hochtouren. Dem Standort des französischen PSA-Konzerns sind bereits einige Prototypen entsprungen. Im Januar 2006 zeigte Peugeot den 307 mit einem 1,6-Liter-Diesel und zusätzlichem Elektro-Motor mit 31 PS. Auf der letzten IAA vor zwei Jahren wurde die Hybridtechnik bereits in einem 308 Prototypen gezeigt. In Kombination mit dem stärkeren 110-PS-Motor kam man da schon auf einen Verbrauch von 3,4 Liter auf 100 Kilometer. Alle Peugeot-Modelle haben zusätzlich eine ZEV-Taste in der Mittelkonsole. Mit diesem "Zero-Emission-Antrieb" lässt es sich rein elektrisch fahren, solange die Batterien reichen.

Teure Hybridtechnik

Warum man beim ersten Serienmodell mit Hybrid auf den neuen 3008 setzt?: "Die Hybridtechnik ist immer noch teuer. Kunden, die ohnehin bereit sind ein etwas höherpreisiges Auto zu kaufen, sind auch eher bereit einen Aufpreis für Hybridtechnik aufzubringen", erklärt Voß. Es ist eben immer noch ein Kostenproblem mit dem dualen Antrieb. Und beim Geld hört das Umweltbewusstsein oft auf. Dennoch glaubt man bei Peugeot an die Zukunft der Kombination Diesel und Hybrid.

Auf der Teststrecke in  Belchamps, in der Nähe des Stammwerks in Souchaux, haben daher bereits einige Prototypen mit der Technik ihre Runden gedreht. Auch die Zulieferer sind intensiv in die Entwicklungsarbeit integriert. 2011 soll der erste Großserien-3008 mit Hybrid4-Antrieb vom Band laufen. Auch sonst verfolgt man ehrgeizige Ziele im Konzern. Das "Stop&Start"-System soll bis übernächstes Jahr in einer Million Autos integriert werden. Denn bei Peugeot will man wieder Vorreiter bei den Umweltschutz-Anstrengungen werden. Bei der Einführung des serienmäßigen Rußpartikelfilters vor einigen Jahren lag man ganz vorne. Und da will die Löwenmarke auch beim Thema Hybrid wieder hin.

Quelle: n-tv.de

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