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Der Vierzylinderdiesel ist das erste Triebwerk aus einer ganzen Familie neuer Otto- und Dieselmotoren bei Mercedes.
Der Vierzylinderdiesel ist das erste Triebwerk aus einer ganzen Familie neuer Otto- und Dieselmotoren bei Mercedes.

Der OEM 651 geht in Rente: Neuer "Wunderdiesel" von Mercedes

Mit dem OM 651 hätte Mercedes fast sein blaues Wunder erlebt. Jetzt tritt der einstige Wunderdiesel als meistgebauter Motor der Marke ab und macht den Weg frei für seinen Nachfolger: den OM 654. Auch er dürfte in Zukunft zu einem der meist verwendeten Triebwerke werden.

Wundermotor und Alptraum-Triebwerk: Der Mercedes-Vierzylinderdiesel mit der internen Bezeichnung OM 651 bereitet sich auf die Rente vor. In der neuen E-Klasse debütiert im Frühjahr der Nachfolger OM 654, der deutlich sparsamer und sauberer sein will. Vor allem aber soll er weniger Probleme machen als sein Vorgänger.

Der OM 651 wurde im Herbst 2008 mit großem Tamtam eingeführt. Der Hightech-Vierzylinder galt als "Wundermotor", als Paradebeispiel deutscher Ingenieurskunst. Gedacht war er als Allzweckwaffe für nahezu sämtliche Modelle der Palette, von der kompakten A- bis zur luxuriösen S-Klasse. Noch heute wird er in zahlreichen Baureihen bis hin zu den Transportern angeboten, ist mittlerweile der Motor mit der höchsten Stückzahl in der Markengeschichte. Richtig glücklich hat der Vierzylinder seinen Hersteller aber erst in den letzten Jahren gemacht.

Der Erste einer ganzen Familie

Am Anfang sorgte der OM 651 vor allem für Ärger. Schon knapp ein Jahr nach Markteinführung versagten reihenweise die Hightech-Injektoren der Kraftstoff-Einspritzung. Die Motoren schalteten in den Notlaufmodus, tausende Fahrzeuge inklusive der teuren S-Klasse mussten in die Werkstatt. Kern des Problems waren die Einspritzdüsen mit Piezo-Technik, die in den stärkeren Versionen des Motors montiert waren – damals technisch der letzte Schrei. Sie können Kraftstoff mit variablem Druck und in schneller Taktung in den Brennraum injizieren, was den Verbrauch spürbar senkt und das Abgasverhalten verbessert. Allerdings waren die filigranen, im Kraftstoff schwimmenden Piezo-Injektoren auch extrem empfindlich. Mittlerweile hat Mercedes die Probleme im Griff, bedient sich bei einem anderen Zulieferer.

Auch der neue OM 654 verwendet wieder Piezo-Injektoren, wenn auch technisch weniger anspruchsvolle als sein Vorgänger sie zu Beginn nutzte. Und er setzt generell auf Reduzierung der Komplexität, nicht unbedingt technisch, aber vor allem bei Entwicklung und Fertigung. Denn der Vierzylinderdiesel ist das erste Triebwerk aus einer ganzen Familie neuer Otto- und Dieselmotoren, die allesamt möglichst viele Gleichteile nutzen sollen. Geplant sind Varianten mit vier und sechs Zylindern, für den Längs- und den Quereinbau. Sie sollen sowohl in Autos mit Front- und Heck- als auch solchen mit Allradantrieb zum Einsatz kommen.

Vollaluminium und Stufenmulden

Der neue Vierzylinderdiesel, der der E-Klasse das Typenschild E 220 d beschert, dürfte zu den meistverwendeten Familienmitgliedern zählen. Auch weil Mercedes bewusst weiter auf sparsame Selbstzünder setzt, um die künftigen CO2-Grenzwerte einzuhalten. Der neue Motor verbraucht 13 Prozent weniger als sein Vorgänger, liefert mit 195 PS jedoch 25 PS mehr Leistung. Möglich wird das unter anderem durch die neue Vollaluminium-Bauweise und neu gestaltete Stahlkolben mit sogenannten Stufenmulden, die den Verbrennungsverlauf besonders günstig beeinflussen sollen.

Im Gesamtpaket soll der OM 654 fit für die fernere Zukunft sein. Auch die Erfüllung der kommenden RDE-Abgastests unter realen Bedingungen ist laut Mercedes kein Problem. Dafür sorgen neben dem üblichen Oxidationskatalysator ein SCR-Katalysator und ein Dieselpartikelfilter mit Stickoxid-mindernder Beschichtung.

Quelle: n-tv.de

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