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Nicht immer haben Autobauer bei den Namen ihrer Fahrzeuge Glück. Sprachliche Verwirrungen sind programmiert.
Nicht immer haben Autobauer bei den Namen ihrer Fahrzeuge Glück. Sprachliche Verwirrungen sind programmiert.

Automobile Namensirrungen: Unterwegs im "Scheißhaufen"

von Holger Preiss

"Nomen est omen" heißt es im Lateinischen: Der Name ist ein Zeichen. In manchen Fällen leider das falsche. Vor allem unterschiedliche sprachliche Bedeutungen können zu Verwirrungen führen. Doch gerade für Autobauer ist der Name wichtig. Allerdings gab es in der Geschichte schon einige Fehlgriffe.

Würde man Autofahrer fragen, was das Wichtigste an ihrem Fahrzeug ist, fielen die Antworten sicher unterschiedlich aus. Der eine würde den Motor favorisieren, der nächste den Komfort und ein anderer das Design. Nicht zu unterschätzen ist aber der Name des Autos. Wer würde schon gern mit einem "Wichser", "Trottel", "Scheißhaufen" oder "Schwanz" durch die Gegend fahren.

Der e-tron kommt schnittig daher, sein Name in Frankreich eher nicht.
Der e-tron kommt schnittig daher, sein Name in Frankreich eher nicht.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Was die Benennung von Fahrzeugen betrifft, ist schon einiges schiefgegangen. Selbst Premiumhersteller sind davor nicht gefeit. Ein Beispiel ist Audis e-tron, ein schnittiger Zweisitzer mit Elektroantrieb. Genauso, wie der Flitzer daherkommt, so klingt auch der Name e-tron im Deutschen: einfach edel. Im Französischen steht étron allerdings für Kothaufen oder Stuhlgang. Angesichts dessen erscheint eine solche Namensschöpfung dann doch eher gewagt. Aber Audi steht mit derartigen Namensirrungen nicht allein.

Mit dem "Wichser" ins Gelände

Vor Jahren taufte der japanische Autobauer Mitsubishi seinen Geländewagen auf den Namen Pajero. Eine südamerikanische Raubkatze - zoologische Bezeichnung "felis pajero" - war der Namensgeber, wie Mitsubishi mitteilte. Eigenschaften dieser "geschmeidigen und anmutigen Wildkatze" seien dem Pajero zu Recht zugeschrieben worden. Eine durchaus nachvollziehbare Erklärung. Blöd nur, dass im südamerikanischen Raum rund um Chile und Argentinien "el pajero" für einen Mann steht, der selbst Hand anlegt, also ein "Wichser". Dieser Fauxpas mutet umso peinlicher an, als die vulgärsprachliche Bedeutung doch sogar in vielen Wörterbüchern zu finden ist.

Die wohl bekannteste Namensirrung ist der "Pajero" von Mitsubishi.
Die wohl bekannteste Namensirrung ist der "Pajero" von Mitsubishi.

Das Unternehmen sagte später: "Eines hat Mitsubishi nicht bedacht: Pajero ist zwar die zoologische Bezeichnung für eine Wildkatze, aber ausgerechnet in der spanischen Vulgärsprache hat 'pajero' eine nicht wiederzugebende Bedeutung." Jedoch muss Mitsubishi einräumen: "Zu welcher Zeit das erkannt wurde, wissen wir leider nicht." Inzwischen gibt es alternative Namen für den Wagen: In Spanien etwa heißt er "Montero" (Berg-Jäger) und in Großbritannien "Shogun".

Auch der zweitgrößte Autobauer der Welt hat mit der Abkürzung MR2 –  die für Mittelmotor, Heckantrieb und Zweisitzer steht – nicht an die Franzosen gedacht. In der romanischen Sprache buchstabiert, klingt MR2 wie "merde". Als Fluch bedeutet das bei Deutschlands Nachbarn nichts anderes als "Scheißdreck". Toyota löste den Fall pragmatisch: In Frankreich heißt das Auto inzwischen nur noch MR.

Damenbinde oder Trottel

Doch nicht immer werden Fehlgriffe bei der Namensgebung korrigiert. Ein inzwischen in Deutschland wieder verschwundener Van von  Nissan trug den klangvollen Namen Serena und erinnerte hierzulande an eine Damenbinde. Als Fiat seinen Stadtflitzer "Uno" nach Finnland brachte, erfuhren die Italiener, dass das in der Landessprache ein "Trottel" ist.

Mit dem Namen Laputa hat sich Mazda in spanischsprachigen Ländern keinen Gefallen getan.
Mit dem Namen Laputa hat sich Mazda in spanischsprachigen Ländern keinen Gefallen getan.

Chevrolet nannte eine seiner Limousinen "Nova" und wunderte sich, warum die sich in Lateinamerika nicht verkaufte. Dort steht "no va" für "geht nicht". Ähnliches erlebte Ford mit seinem Modell "Pinto" in Brasilien. Der Name bezeichnet auf Portugiesisch ein sehr kleines männliches Geschlechtsteil. Und auch die Benennung des Mazda Laputa war keine gute Wahl: La Puta steht auf Spanisch für "die Hure".

Aber nicht nur die Übersetzung von Autonamen in eine andere Sprache kann zu Verwirrungen führen. Auch die hinter den Namen stehende Bedeutung ist manchmal mit dem Produkt nicht in Einklang zu bringen. So steht die Bezeichnung des Oberklassemodels von VW "Phaeton" für den Sohn des griechischen Sonnengotts Helios. Allerdings fuhr der den Himmelswagen seines Vaters auf einer Spritztour zu Schrott.

"Tiger" oder "Jaguar"

Der neueste Namensstreich von Porsche heißt Macan. Das kommt aus dem Indonesischen und heißt laut Porsche in der Übersetzung "Tiger". "Der Macan ist über die Assoziation Tiger geschmeidig, kraftvoll, faszinierend und 'auf dem Sprung'", sagte Marketing-Vorstand Bernhard Maier über die neue Bezeichnung. Doch befragt man das Wörterbuch, steht Macan eher für Jaguar, Macan tutul Amerika, um genau zu sein. Der Tiger ist "harimau".

Aber wie dem auch sei: Tiger oder Jaguar, geschmeidig und kraftvoll sind ja wohl beide. Bleibt nur zu hoffen, dass sich hinter Macan nicht noch andere Geheimnisse verbergen. Ein solches Missgeschick wäre für den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche ein Alptraum. Schon einmal war die Namenswahl bei Porsche nicht in allen Belangen für den internationalen Markt geeignet. Der Name Cayenne steht in Frankreich nicht nur für scharfen Pfeffer, sondern auch als Synonym für Straflager. In dem Lager (Bagnos) von Cayenne in Französisch-Guayana saß der Schriftsteller Henri Charrière ein, der seine Erfahrungen im Roman "Papillon" verarbeitete.

Quelle: n-tv.de

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