Unterhaltung
Ob er auch mal gerne Bond, James Bond, wäre?
Ob er auch mal gerne Bond, James Bond, wäre?(Foto: imago/APress)
Freitag, 30. Oktober 2015

"Der Feind sitzt in Ihrem Büro!" : Christoph Waltz ist gar nicht so böse

Christoph Waltz spielt im neuen James-Bond-Film mit und dass er weder Miss Moneypenny noch den Tüftler Q geben wird, ist klar. Die Rolle von 007 ist auch vergeben, was bleibt? Die Rolle des Bösewichts, natürlich! Ja, na klar, die wird ja gern mit einem Deutschen, Dänen oder Österreicher besetzt. Seit seinem Auftritt in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" (2009) als sadistischem SS-Standartenführer Hans Landa allerdings scheint ihm die Rolle des Bösen auf den Leib geschneidert zu sein: in einem weiteren Tarantino-Streifen - "Django Unchained" - war er der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz. Nicht ganz so böse wie in seinem Oscar-gekrönten Auftritt davor, aber doch so böse, dass er sich 2013 gleich wieder einen Oscar als bester Nebendarsteller abholte. Aber nicht nur Quentin Tarantino hat ihn so besetzt, auch in "The Green Hornet" spielte er einen Bösewicht.

Natürlich hat Christoph Waltz auch andere Figuren zum Leben erweckt. Liegt es aber in der Natur der Sache, dass der Schurke dem Publikum einfach besser im Gedächtnis haften bleibt? Christoph Waltz kann damit gut leben - auch wenn es ihm ein bisschen wehtut, dass man ihn nun schon in eine Schublade gepackt hat. Aber dennoch kommt der Mann, der demnächst in "Tarzan" zu sehen sein wird (gar als Tarzan??) extrem entspannt rüber, als er n-tv.de zum Gespräch in Berlin trifft. Die Frage danach, ob eine Rolle bei "James Bond" eine Art Ritterschlag für ihn sei, bügelt er ganz nonchalant mit: "Das kann ich nicht behaupten, über Ritter oder Nicht-Ritter entscheidet die Queen allein" ab. Aber sein Lächeln ist ein kleines bisschen diabolisch: "Ich bin Schauspieler - ich mach' doch nur, was im Drehbuch steht."

Dann anders gefragt: Mit wie viel Ehrfurcht nähert man sich einer Rolle in einem James-Bond-Film?

Brüder im Geiste?
Brüder im Geiste?(Foto: imago/APress)

Hoffentlich mit wenig. Ich denk mir immer, mit wie viel Ehrfurcht müsste ein Dirigent Wagner begegnen - und dann? Er muss doch vor allem das Publikum kriegen, und ich will nur helfen, eine Geschichte zu erzählen. Mit Ehrfurcht könnte ich nicht so gut operieren. Dem Thema Ehrfurcht nähere ich mich lieber zu Hause. Für die Bond-Bösewichter habe ich übrigens Respekt und Bewunderung, das kann ich nicht anders sagen. 

Und dann sagt Christoph Waltz noch etwas, das so klingt, als wolle er ein Lieblingswort unterbringen: "Ich pflege eine gewisse Irreverenz den Vorgängen gegenüber, das ist nicht verkehrt."

Aha, denken Sie jetzt, ist ja interessant, der Mann kann Fremdwörter, auch noch aus dem Lateinischen, der lässt sich trotz Wohnsitz in Hollywood nicht die gute deutsche Butter vom Brot nehmen, aber was heißt das nochmal gleich? "Unehrehrbietigkeit". Ja, nee, dann doch lieber Irreverenz.

Welche Drehorte waren Ihnen die liebsten?

Jeder hat seine Besonderheiten. Mir persönlich hat das Anthropologische Institut in Mexiko-City am besten gefallen. Aber das hat mit dem Film ja nichts zu tun (lacht). Für den Verlauf der Geschichte ist für mich persönlich das Beste in Pinewood in den Studios entstanden.

Kann man in der Rolle des Bösen etwas Therapeutisches sehen, wenn man ansonsten ein ganz reizender Mensch ist?

Woher wollen Sie denn wissen, ob ich reizend bin? Ich sag' mal so, wie es bereits Fritz Teufel gesagt hat: "Wenn's der Wahrheitsfindung dient", in meinem Fall also: Wenn man sein Sensorium darauf ausgerichtet hat, dann lässt es sich wohl nicht verhindern, sich ein wenig zu therapieren.

Welche ist Ihre erste Bond-Erinnerung?

Video

Das Auto! 1962 gab es mich zwar schon, aber ich durfte die Filme ja nicht sehen. Mit den Autos hab' ich aber gespielt. Ich hatte einen DB5, wo man den Fahrer so auf Knopfdruck aus dem Wagen katapultieren konnte. (spricht österreichisch) Und hinten hat a Raketen rausgeschossen und ein Schutzschild hatte es auch, ein großes und teures Geschenk war das damals. 

Wie ist es denn, sich für die deutsche Synchronisation selbst zu sprechen und zu sehen?

Ach, das ist kein großes Ding, das macht man halt so. Ich mach' das mit einem fantastischen Team - der Synchron-Regisseur ist auch der Übersetzer, Christoph Cierpka - der macht das toll.

Wären Sie nicht auch gern mal James Bond gewesen, als Kind?

Nein, mir war der Unterschied immer sehr klar.

Vermissen Sie in Hollywood noch immer die Jahreszeiten? Hier ist jetzt Herbst ...

Der Herbst an sich ist ja keine nationale Angelegenheit ... (lächelt)

Bond ist wieder witziger geworden, oder?

Ja, eine der schönsten britischen Eigenschaften, die Ironie, kommt wieder zum Schwingen. Der Humor hat nie ganz gefehlt, finde ich, aber es ist noch vergnüglicher geworden. Der Film ist ein bisschen altmodischer.

Auf der einen Seite altmodischer - früher war der Feind Russland oder ein anderer Aggressor - jetzt ist es der Feind die Information, die Überwachung, eine Cloud. Der Feind sitzt eventuell gar unter uns?

Eventuell? Unter Garantie sitzt der unter uns! Und in Ihrem Büro!! Das ist wirklich besorgnisserregend. Das sind unvermeidbare und irreversible Tatsachen. Und Sie haben völlig recht: Das ist mit ein Grund, warum James Bond über 50 Jahre überleben konnte, weil die Thematik immer eine aktuelle ist. Von der atomaren Bedrohung über den Eisernen Vorhang hin zum Überwachungsstaat. (zögert) Tja, so ist die Großwetterlage.

Ach ja, und Tarzan wird er wegen der Geschichte spielen, nicht wegen der Rolle (er ist nicht Tarzan) ...

Mit Christoph Waltz sprach Sabine Oelmann

"Spectre" startet am 5. November in den deutschen Kinos.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen