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Hoher Besuch bei "Deutschland sucht den Superstar": Darth Vader hat seine Strumtruppler mitgebracht.
Hoher Besuch bei "Deutschland sucht den Superstar": Darth Vader hat seine Strumtruppler mitgebracht.(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

DSDS geht in die 13. Runde: Death-Metal-Brötchen mit Lewwerworscht

Von Kai Butterweck-Kiesling

Die Startfolge der neuen DSDS-Staffel karrt sie mal wieder alle auf den roten Teppich: die talentfreien Körperverletzer, die kritikresistenten Möchtegern-Entertainer und die noch unentdeckten Stimm-Juwelen.

Das Jahr ist noch keine zwei Tage alt, da fegen schon die schrillsten Töne über die Dächer der Republik. Und wer ist mal wieder schuld daran? Natürlich: Deutschlands Pop-Titan und Camp David-Garderobenständer Dieter Bohlen und seine DSDS-Jury. Diesmal mit am Start: Scooter-Aushängeschild H.P. Baxxter sowie Abgesandte der hiesigen Schlager-Antike (Michelle) und Moderne (Vanessa Mai). Zu hören bekommen die auserwählten Musikrichter mal wieder jede Menge Hoch- und Tiefpunkte aus Deutschlands Kellern, Duschkabinen und Jugendzimmern, wobei die Tiefpunkte, wie jedes Jahr zu Beginn einer neuen Staffel die Nase vorn haben. 

Adnan sorgt bei der Jury für heitere Momente.
Adnan sorgt bei der Jury für heitere Momente.(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Unter dem Motto "No Limits" garantiert die mittlerweile 13. Ausgabe der Speerspitze aller nationalen Castingshows bereits von vornerein zahlreiche Fremdschäm-Raketen. Da wäre beispielsweise der 17-jährige Adnan aus Stuttgart, seines Zeichens angehender Altenpfleger und selbst ernannter Chor-Experte. Es dauert keine halbe Minute, da kullern beim Hyper-Roboter H.P. Baxxter bereits die ersten dicken (Lach-)Tränen. Natürlich wollte er den Kandidaten keineswegs auslachen, so der Techno-Pionier. Aber irgendwann konnte er nicht mehr an sich halten. Der Rest der Jury tut es ihm gleich. Allesamt greifen nach den Taschentüchern. Der sich monoton aus den tiefsten Tiefen des Schwabenlands an die Oberfläche buddelnde Bariton des Kandidaten legt sich über Barclay James Harvests "Hymn" wie ein nasser Sack auf Pergamentpapier. Am Ende bleibt nichts übrig; außer (Tränen-)Flüssigkeit und ein bedröppelt dreinblickender Interpret in Schockstarre.

Klingone mit Karriere-Ambitionen

Ebenfalls fehl am Platz sind die beiden Kunstbanausen Lars und Daniel. Während der eine (Lars) im Lidl-Outfit auf Hinterhof-Homie macht und Dieter Bohlen mit selbst zusammengeschusterten Schimpf-Reimen auf die Pelle rückt, düst der andere (Daniel) mit imaginärem Warp-Antrieb ins musikalische Nirgendwo. "Das grenzt an Körperverletzung", wettert H.P. Baxxter. Aber alles halb so wild. Der gute Daniel mit der Dieter Eilts-Gedenkfrisur und dem Charme eines etwas aus der Reihe tanzenden Klingonen will später schließlich Astrophysiker werden. Und wie sagte schon Sigourney Weaver vor 36 Jahren: Im Weltraum hört dich niemand schreien! Also: ruhig Blut.

Yannik ist Berufsmusiker - das hilft ihm aber auch nicht.
Yannik ist Berufsmusiker - das hilft ihm aber auch nicht.(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Nicht ganz so hoch hinaus will der 18-jährige Yannik aus der Pfalz. Dem stolzen "Berufsmusiker" und Pfälzer Mundart-Nerd fliegen regionale Konzertanfragen nämlich nur so zu. Im vergangenen Jahr will der junge Musikant auf sage und schreibe 222 Bühnen gestanden haben. Hut ab! Dieter Bohlen lässt sich vom imposanten Briefkopf des Jungen mit der Gitarre aber nicht beeindrucken. "Deine Stimme klingt nach Nichts", gibt der Pop-Titan zu Protokoll. Zu viel für Yannik. Aus dem eben noch "munteren" und "sympathischen" Süddeutschen wird eine zutiefst beleidigte "Lewwerworscht". Viermal Nein und ein müde abwinkender Dieter Bohlen sind zu viel für den Pfälzer Bub. "Mach die Kameras aus", erzürnt er sich beim Abgang nach draußen. Die sich etwas piefig als zugeschnürte Ton-Rektorin präsentierende Michelle gibt dem Gescheiterten noch einen guten Rat mit auf den Weg: "Wer keine Kritik einstecken kann, der …". Aber da ist der gute Yannik bereits über alle Berge.

Death Metal trifft Leona Lewis

Auch das Ratinger Modepüppchen Melanie packt bereits enttäuscht ihre sieben Sachen, ehe sich kurz nach ihrem Auftritt doch noch ein grinsender Dieter Bohlen vor ihr positioniert und ihr den begehrten Recall-Zettel unter die Nase hält. Verdient? Schwer zu sagen? Die eine Hälfte ihrer "Run"-Interpretation hat sicherlich ihre Momente. Die andere Hälfte hingegen wird überschattet von unerwarteten Death Metal-Grunzattacken, die einzig H.P. Baxxter als "geil" einstuft. Cannibal Corpse meets Leona Lewis? Alles ist möglich. "No Limits" halt.

Neben bewährten musikalischen Querschlägern gibt es aber natürlich auch das ein oder andere tonale Schmankerl zu bewundern. So beeindruckt die 39-jährige Vlada nicht nur mit Vokuhila-Haarpracht und kunterbuntem Batik-Look, sondern auch mit einem Opern-Timbre der Extraklasse. Auch Benjamin vom Bodensee und Angelika aus dem hessischen Bad Arolsen überzeugen mit wahlweise berührenden (Benjamin) und energiegeladenen (Angelika) Vibes.

Die Krone des Staffelbeginns setzt sich allerdings ein 19-jähriger gebürtiger Portugiese mit brasilianischen Wurzeln namens Igor auf. Der in Bremen lebende Schüler haut die komplette Jury mit seiner stimmgewaltigen Version von Sam Cookes "A Change Is Gonna Come" so dermaßen aus den Socken, dass diese ihn sogleich in den Jamaika-Recall befördert. So kann's also auch gehen. Mit in den Schlaf nimmt man aber eher den Geruch von Pfälzer Lewwerworscht, das Grunzen eines Engels mit Teufelshörnern und das Bild eines durchs Weltall fliegenden Remscheiders mit Navigationsproblemen.

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Quelle: n-tv.de

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