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Ganz schön unterschiedlich, diese Pfeffermanns. Davon lebt die Amazon-Serie "Transparent".
Ganz schön unterschiedlich, diese Pfeffermanns. Davon lebt die Amazon-Serie "Transparent".(Foto: Amazon Studios)
Freitag, 11. Dezember 2015

Besser als "Transparent" geht nicht: Der Papa ist jetzt eine Frau

Von Anna Meinecke

Was passiert, wenn ein Familienvater im letzten Lebensdrittel mitteilt, eine Frau zu sein? Die Amazon-Serie "Transparent" verhandelt eindrucksvoll Liebe, Sex und Identität. Staffel zwei ist bewegend, politisch und so ziemlich das Beste, was man derzeit gucken kann.

Er nannte sie einst die Rolle seines Lebens und vermutlich stimmt das sogar. In der Amazon-Serie "Transparent" spielt Jeffrey Tambor Maura Pfeffermann, eine Transfrau, die sich erst im deutlich vorgerückten Alter entscheidet, nicht länger als Familienvater leben zu wollen. So viel vorweg: Es gibt natürlich ziemlich viele nette Serien. Solche eben, die man sich an einem müden Sonntag einfach mal reinziehen kann. "Transparent" ist auch so eine - nur besser.

Genau genommen ist die Amazon-Serie sogar das allerbeste Format - weil es ganz anders ist als alles, was sonst so über die Bildschirme flimmert, weil es klug ist, urkomisch, manchmal schmerzhaft, aber immer einfühlsam. Für Staffel eins hagelte es Preise, darunter zwei Golden Globes und fünf Emmys. Staffel zwei ist seit heute abrufbar über Amazon Prime. Mit elf neuen Folgen hat sich die Macherin der Show, Jill Soloway, selbst übertroffen.

Monogamie, Sex & Privileg

Erstmal wird geheiratet - so beginnt Staffel zwei von "Transparent".
Erstmal wird geheiratet - so beginnt Staffel zwei von "Transparent".(Foto: Amazon Studios)

Staffel zwei beginnt, wie andere Serien aufhören: mit einer Hochzeit. Zu diesem Anlass hat sich die gesamte Familie Pfeffermann für ein Foto versammelt. Ganz in Weiß gekleidet, sieht man den Charakteren die Turbulenzen der Vorgängerfolgen nicht an. Das ändert sich aber natürlich schnell. Dabei nehmen die neuen Episoden immer mehr auch Mauras Angehörige ins Visier und bei breit gefächerter Themensetzung beweist "Transparent" erneut Gespür für Zeitgeist, Interesse an gesellschaftlicher Debatte und die Fähigkeit, politisch zu sein, ohne polemisch zu werden.

Die ewige Studentin Ali (Gaby Hoffmann) wird sich fragen müssen, ob die lesbische Liebe althergebracht Hetero-Vorstellungen von Partnerschaft so sehr entgegentreten muss, dass Monogamie nicht einmal mehr denkbar ist. Mauras Ex-Frau Shelly (Judith Light) wird spüren, dass der Sex, der einst großartig war, sich Jahre später falsch anfühlen kann. Und Maura sollte Sensibilität dafür entwickeln, dass sie sich trotz all ihrer Sorgen unter Transfrauen vielleicht dennoch bei den Privilegierten einreihen muss. "Wir haben nicht alle deine Familie. Wir haben nicht alle dein Geld", erinnert sie ihre Freundin Davina (Alexandra Billings, nur eine der vielen Transfrauen im Cast).

Queer & feministisch

Trans ist nicht gleich trans - das muss Maura noch lernen.
Trans ist nicht gleich trans - das muss Maura noch lernen.(Foto: Amazon Studios)

"Transparent" ist eine queere, feministische Show. Was vor gar nicht allzu langer Zeit noch ein Nischenthema war, ist heute dank Personen wie Laverne Cox aus dem Cast der Netflix-Serie "Orange is the New Black" oder Caitlyn Jenner aus dem Kardashian-Clan in der Mitte der Gesellschaft angekommen. "Viele Leute haben mir gesagt, dass die Show ihnen hilft, sich damit wohlzufühlen, wie sie sind", erzählt Soloway bei der Vorstellung der neuen "Transparent"-Staffel. Es bewegt sie, wenn sie Fremde mit ihrer Arbeit berühren kann.

Seit gut zehn Jahren schreibt die US-Amerikanerin Fernsehserien - ein Hit war vor "Transparent" nie dabei. Deswegen machte sie sich auch keine großen Sorgen, als sie das Skript zu dem Format verfasste - obwohl es von der Geschichte einer Frau zehrt, die einst ihr eigener Vater war. An einem gewöhnlichen Sonntagmorgen vor drei Jahren outete sich die damals 74-Jährige vor ihrer Familie. "Ich hatte sofort diesen Geistesblitz und dachte: Das ist eine Fernsehserie!", so Soloway. Sie sollte recht behalten.

"Meine Liebeserklärung ans Fernsehen"

Heute ist "Transparent" nicht nur Teil von Soloways Geschichte, sondern auch der vieler anderer Menschen überall auf der Welt. Sie erzählt von jemandem, der nach dem Outing zehn Jahre lang keinen Kontakt mehr mit den eigenen Kindern hatte. "Jetzt haben mich meine Kinder angerufen und gesagt: 'Hast du diese Show gesehen?' Und nun spreche ich wieder mit meiner Familie", verriet man ihr. Ein anderer nutzte die Serie, um sich als schwul zu outen. "Ich habe meine Eltern angerufen und gesagt: 'Schaut euch diese Serie an und dann ruft mich an!'", zitiert Soloway.

Es mag das Thema Transsexualität sein, das Zuschauer auf "Transparent" aufmerksam macht. Was sie fesselt, ist jedoch die Familiengeschichte, in die das Thema eingebettet ist. Mauras Geschlechtsangleichung steht für die Komplexität des Lebens und die facettenreichen Personen, die es gestalten. Kein Protagonist ist nur Sympathieträger oder Feindbild, die wertvollen Momente liegen in den feinen Nuancen der Übergänge zwischen dem, was einem vertraut erscheint, und dem, was man verachtet. "Die Show ist meine Liebeserklärung ans Fernsehen - sie ist Soap, Drama, Comedy", sagt Soloway. "Für mich ist damit ein Traum wahr geworden."

Die zweite Staffel von "Transparent" ist seit dem 11. Dezember 2015 in der englischen Originalfassung über Amazon Video abrufbar. Ab dem 29. Januar 2016 ist dann auch die deutsche Synchronfassung verfügbar.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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