Unterhaltung
Als Frau hat man es nicht leicht in der mittelalterlichen Welt von "Game of Thrones". Das muss auch Sansa erfahren.
Als Frau hat man es nicht leicht in der mittelalterlichen Welt von "Game of Thrones". Das muss auch Sansa erfahren.(Foto: Twitter/GameOfThrones)

Verherrlichung sexuellen Missbrauchs?: "Game of Thrones" vergewaltigt wieder

Von Anna Meinecke

Es geht nicht zimperlich zu bei "Game of Thrones". Über kurz oder lang entblößen sich fast alle Charaktere der Serie als mordende, intrigierende Monster. Die Kritiker lieben das, nur eins stößt ihnen auf: die grafische Darstellung sexueller Gewalt.

"Game of Thrones" ist roh, schonungslos und unvorhersehbar. Wenn George R.R. Martin in seinem Fantasy-Epos beliebte Charaktere sterben lässt, reagieren Fans erst mit Schock, dann aber mit Bewunderung. Gerade die Willkür der Schicksalsschläge, die die Bewohner des fiktiven Kontinents Westeros ereilen, hält die Spannung aufrecht. Doch auch Liebhaber brutaler Mittelalterszenarien haben eine Schmerzgrenze. Und die scheint gerade die Fernsehadaption der Romanreihe gerade ein weiteres Mal überschritten zu haben.

In der jüngsten Folge der HBO-Serie wurde erneut gezeigt, was bereits in der Vergangenheit für zornige Reaktionen sorgte: eine Vergewaltigung. Unnötig sei die, finden viele Beobachter - zumal in den Büchern alles ein wenig anders vorgesehen ist.

! Achtung Spoiler !

Endlich zurück in ihrer Heimat Winterfell muss Sansa Stark ein weiteres Mal heiraten: Ramsay Bolton. Die nächtliche Zeremonie böte auch den perfekten Rahmen für eine Beerdigung. Zurück in den Gemächern wird sie - nachdem sie nachdrücklich ihre Jungfräulichkeit beteuert hat - vor den Augen ihres Ziehbruders Theon Greyjoy alias Reek von ihrem frisch Angetrauten vergewaltigt.

Die Geschichte des Missbrauchs bei "Game of Thrones" reicht zurück bis in Staffel eins. Damals wurde Daenerys Targaryan ebenfalls in ihrer Hochzeitsnacht von ihrem Mann zum Sex gezwungen. Das war 2011, als sich das Format noch wesentlich weniger Beliebtheit erfreute. Laut wurde die Kritik erst, als im vergangenen Jahr, in Staffel vier, als die garstige Cersei Lannister sich ihrem Bruder und zuweilen Geliebten Jamie fügen muss.

Sadist erfüllt Erwartungen

Anstoß nahmen Kommentatoren zu dem Zeitpunkt nicht speziell am Akt der Vergewaltigung. Vielmehr tadelten sie die Einbettung der Szene in den Handlungsstrang, sorgten sich, derartig sexualisierte Gewalt könnte verherrlicht werden oder durch die Form der Darstellung jedenfalls nicht der traumatisierenden Natur des Missbrauchs gerecht werden.

Die Kritik mag angebracht sein, für die infrage gestellte Sansa-Szene greift sie nicht. Die Vergewaltigung der jungen Frau zu zeigen, war nicht unnötig, sondern konsequent. Die Bilder waren weniger explizit als bei den vergangenen Darstellungen und gerade wegen der zurückhalten Kameraführung und kluger Sound-Gestaltung verstörend. Im Gesicht von Schauspieler Alfie Allen, der Theon mimt, spiegelt sich eindrucksvoll der Horror des Geschehens.

Die Vorstellung, Sansa hätte eine romantische Hochzeitsnacht erwarten können, muss als naiv abgetan werden. Ramsay ist ein unberechenbarer Sadist, der aus Langeweile Ex-Freundinnen an Hunde verfüttert oder zum Vergnügen Gefangene kastriert. Wenn man etwas von dem jungen Erben erwarten kann, ist es bitterste Brutalität. In der Welt von "Game of Thrones" konnte nur ein Tyrion Lannister, ihr Ex-Mann, seine schöne Braut wider Willen von ihren ehelichen Pflichten befreien. Welcher andere Charakter in Sansas Umfeld könnte so viel Anstand aufbringen?

"Du kannst mir keine Angst machen"

Als Minderjährige musste Sophie Turner Sansa die Angst vor einer Vergewaltigung ins Gesicht spielen. Damals rettete sie Sandor Clegane, der als "The Hound" bekannt ist. Drei Staffeln später ist die mittlerweile immerhin 19 Jahre alte Turner begeistert von ihrer tatsächlichen Missbrauchsszene. "Als ich die Szene gelesen habe, fand ich sie irgendwie super", verriet die Schauspielerin der Zeitschrift "Entertainment Weekly". "Ich finde es großartig, wie Ramsay Theon befiehlt, zuzugucken. Das ist alles so verkorkst. " Dem Produzenten habe sie ein schlechtes Gewissen gemacht, weil sie solch eine Einstellung habe drehen müssen. "Aber insgeheim habe ich es geliebt."

Wenngleich Sansa zum Ende der neusten "Game of Thrones"-Folge machtlos scheint, hat sie sich doch genau in dieser Episode auch erstmals wieder selbst ein kleines Stückchen Macht erkämpft. Als Ramseys Geliebte Myranda versucht, sie einzuschüchtern, entgegnet ihr Sansa: "Ich bin Sansa Stark von Winterfell. Das hier ist mein Zuhause. Du kannst mir keine Angst machen." In diesem Moment spricht aus der Erniedrigten eine Königin.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen