Unterhaltung

Schlicht und blickdichtGewinnen ohne Wind

30.05.2010, 13:32 Uhr
imageSabine Oelmann
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Der König von Deutschland und seine Prinzessin! (Foto: dpa)

Alle hatten sie diese Hilfsmittel, Wind, Feuer, knall bumm bäng - nur unsere Lena, die kam im schlichten kleinen Schwarzen und blickdichten Strümpfen auf die Bühne. Ein Sieger-Look?

Wir hatten uns extra schick gemacht: Alle in schwarz, alle, auch die im fortgeschrittenen Alter, eine Haarspange am tiefen Seitenscheitel um unser jugendliches Inneres zu demonstrieren, alle in leicht x-beiniger Haltung.

Gestern war "Lena-Abend" - früher war es "Sex and the City", davor "Ally McBeal", vielleicht noch "Desperate Housewives". Jetzt also Frauen-Abende wegen eines echten Fräuleinwunders. Sie kam erst als Zweiundzwanzigste an die Reihe - aber das Warten hat sich ja gelohnt. Es war ja auch nicht so übel, was da vorher geboten wurde: Ein Flitzer zum Beispiel, der sich während des spanischen Auftritts auf die Bühne geschmissen hatte sorgte für einen wiederholten Auftritt des Künstler und beim zweiten Mal Hören fanden wir sogar den gar nicht so schlecht.

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Lena über ihre Begegnung mit der norwegischen Prinzessin Mette-Marit: "Das war schon ziemlich cool, so 'ne Prinzessin ist schon was Geiles. Sie sah süß aus, hatte ein pinkes Kleid an, und die Haare schnuckelig gemacht." (Foto: dpa)

Da wir wetten wollten, wer gewinnt, hörten wir uns die anderen Beiträge natürlich genauestens an. Nicht übel, was die Länder dieses Jahr so boten: Es war weder langweilig, selten peinlich, gar nicht mehr so eklig und martialisch (wie beispielsweise die finnische Gruppe Lordi im Jahr 2006) und am Ende recht schwer zu sagen, auf wen man denn nun setzen sollte.

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Süß, diese Finnen damals ... (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Idealisten unter uns haben gesiegt: Sie wollten einfach aus Idealismus für unsere Lena stimmen - oder hatten sie doch die Google-Meldungen gelesen, die ihren Sieg prognostizierten? Egal. Andere fanden Portugal klasse, die, die sich für Insider hielten, setzten auf Aserbaidschan, die drei Männer in der Runde (die komischerweise nicht Fußball geguckt haben) waren völlig hin und hergerissen zwischen all den dunkelhaarigen Schönheiten, denen ihre Flatterkleidchen mitsamt Extensions um die Ohren wehten und vergaßen darüber ganz, dass es hier um einen Sing-Wettbewerb ging und nicht um eine Casting-Show, bei der am Ende Fotos verteilt werden.

Der Christian holt die Lena ab

Die 11- bis 15-Jährigen unter uns konnten "Satellite" samt Lena-Akzent und Bewegung perfekt intonieren und der Rest überlegte bereits, ob man nicht schon jetzt eine Loge in der O2-Arena reservieren sollte, da die Feierlichkeiten 2011 ja doch in der Hauptstadt stattfinden würden. Oder etwa nicht? Inzwischen buhlt ja jedes 100.000-Einwohner-Dorf um die Austragungrechte: Niedersachsen, weil das Mädel aus Hannover kommt ("Es wäre toll, wenn der Song-Contest nächstes Jahr in die Medienstadt Hannover kommt!" gibt Ministerpräsident Christian Wulff zum Besten, der Lena auch vom Flughafen abholt, man, wird die aus dem Häuschen sein!), Hamburg hat aber auch was mitzureden: "Die Stadt fiebert seit Jahren mit dem Grand Prix und wir werden alles tun, um ihn in Hamburg möglich zu machen", so Ole von Beust, Bürgermeister der Hansestadt, und auch Köln dürfte nicht ganz uninteressiert sein, schließlich hat Lenas Entdecker Stefan Raab da seinen Firmensitz und garantiert große Lust, in seiner Stadt zu feiern.

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Wer kann, der kann! (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Sie alle aber vergessen: Berlin! Mal abgesehen davon, dass das die Hauptstadt ist und wir hier am besten feiern können, das gestern schon geübt haben und die Loge auch schon reserviert ist, haben wir hier einen Bürgermeister, der nicht nur den Titel "Regierender" trägt, sondern der auch noch offizieller "Partymeister" und "Highheel-Champagner-Schlürfer" ist! Jawoll, Wowi, hol uns den Grang Pri in die Stadt, aber zacki!

Nochmal zur Kleiderfrage: Das kleine Schwarze war schon immer "in", spätestens seit "Frühstück bei Tiffany", und es wird immer in bleiben. In Zeiten wie diesen trifft schlichte, zeitlose Eleganz den richtigen Nerv, Lena betont, dass sie damit "ihre schwarze Seele" unterstreichen wollte und gegen den ganzen Pomp vieler anderer Teilnehmerinnen mit Schmetterlingsflügeln oder ablenkenen Tänzern auf der Bühne hat Lena einfach alles richtig gemacht. 12 Punkte sind nicht genug!!!