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Ralf Schmitz scheint etwas zu suchen, Denzel Washington sieht zu.
Ralf Schmitz scheint etwas zu suchen, Denzel Washington sieht zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Hedi, Hannah oder Hollywood? : "Ick geh' nur zum Lanz!"

Von Sabine Oelmann

Das erste Mal – dieses Jahr. Und gleich alles richtig gemacht? Naja, jedenfalls gar nicht mal so schlecht. Wir erfahren, dass Matthias Schweighöfer gern seinen Hintern in die Kamera hält und dass Denzel Washington ein super Typ ist, auch wenn er ein bisschen komatös wirkt.

Er redet immer noch zu viel, bleibt ein wenig zu lange an einem Gast kleben, und die anderen auf der Couch fangen an, sich ein bisschen zu langweilen und mit den Füßen zu wippen. "Wozu bin ich denn eigentlich gekommen, wenn der nur mit dem redet", mag sich der oder die eine anfangs gedacht haben. Denn – seien wir ehrlich – in dem Gewerbe reden die Leute nun mal gerne, und zwar am liebsten über sich. Und ihren neuesten Film, oder was auch immer sie zu erzählen haben, Doktor Sigmund Lanz soll gefälligst zuhören. Im Idealfall. Also, hören wir mal zu: Frau Hörbiger ist, ja, was eigentlich? Sie ist die Grande Dame des deutschen TVs, und sie hat erstaunlich wenig mit Herrn Washington geflirtet. Das hat Cindy gemacht: "Wissen Sie eigentlich, dass eine ganze Stadt nach Ihnen benannt wurde?", fragt sie keck den Star. "Oh ja", antwortet Denzel, "und ein ganzer Bundesstaat." Sehr höflich sagt er das, mit einem freundlichen Lächeln, er ist vielleicht von seinem Hollywood-Kollegen Tom Hanks gut auf die Sendung vorbereitet worden.

Ist von Hollywood-Kollegen Tom Hanks gut vorbereitet worden - Denzel Washington.
Ist von Hollywood-Kollegen Tom Hanks gut vorbereitet worden - Denzel Washington.(Foto: picture alliance / dpa)

Zugegeben, ein bisschen ist da immer noch was vom Kindergeburtstags-Mythos übrig geblieben, immer hat man das Gefühl, dass nebenan die Prosecco-schlürfenden Muttis sitzen und sagen: "Also mein Denzel, der hat dieses Talent von seinem Opa mütterlicherseits in die Wiege gelegt bekommen." - "Ja, Frau Washington, obwohl ich mir beim Matthias anfangs doch Sorgen darum gemacht habe, dass er immer wieder die Hosen runterzieht, einfach so, aus dem Nichts." - "Mädels, ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich mir für Sorgen um die Cindy gemacht habe, als sie noch klein war, jedes Buffet hat sie abgegrast, bis zum letzten Krümel. Dass sie jetzt die neue Hunziker ist, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Cheers!" Ja, so könnte es aussehen hinter der Bühne, und Markus Lanz’ Mama hätte auch wirklich allen Grund, sich Sorgen um ihren Sprössling zu machen und mit Sprühpflaster in der Tür zu stehen, denn ständig muss er den starken Maxen markieren und lässt zum Beispiel andere, viel schwerere Kerle auf sich drauf springen. Seine "Tschällentsch" jedoch hat er dieses Mal gegen ein Mädchen gewonnen, ohne seinen gestählten Zustand zu sehr in den Vordergrund zu spielen, und er hätte ihr den Sieg gegönnt, aber er hat wieder gewonnen, der Markus. Er kann einfach nicht anders.

Auf der Couch lagen außerdem noch Komiker Ralf Schmitz, der viel kicherte, und die Olympioniken und Goldmedaillengewinner Magdalena Neuner und Robert Hartung herum. Die Wetten waren wie immer durchwachsen. Sportliche Wetten sind gut, also sowas wie FlicFlac auf einem Laufband. Auch besondere Fertigkeiten wie "An einer Flasche hören und sagen, wie viel noch drin ist" sind irgendwie bewundernswert, aber die Zuschauerin auf dem heimischen Sofa bleibt doch immer etwas ratlos zurück ob der Obsessionen ihrer Mitbürger. Würde sie sich nicht Sorgen um, sagen wir mal, ihren Partner machen, wenn der jetzt dafür trainieren würde, die BH-Größe wahllos zusammen gewürfelter Probandinnen daran erkennen zu wollen, wie das Geräusch beim Öffnen desselbigen klingt? Hmm, würde sie ihn noch ernst nehmen können? Nein, würde sie nicht. Aber egal, die Geschmäcker und Hobbys sind ja verschieden.

Jede Milch schmeckt anders

Sie glitzert wie eine Diskokugel und macht ihre Sache nicht schlecht - Cindy aus Marzahn.
Sie glitzert wie eine Diskokugel und macht ihre Sache nicht schlecht - Cindy aus Marzahn.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Kinderwette, ja, mal überlegen, wie sag’ ich es nur, ohne allzu arrogant zu klingen? Super ist schon mal, wenn man mit Kindern die Sendung guckt. Dann lernen diese Stadtgören endlich mal, wie eine Kuh aussieht (nicht lila) und dass die Milch nicht aus dem Kühlschrank kommt, sondern aus dem lieben Vieh. Tja, und sonst? Haben wir erfahren, dass Landkinder echt anders gestrickt sind, ohne Wertung, und dass Kühe echt coole Namen haben, wie eben Hedi, Hannah oder Hollywood. Und dass die Milch aus jeder Kuh anders schmeckt. Frage vom besorgten Stadtkind auf dem Sofa: "Unsere Milch schmeckt aber so wie immer, oder, Mama?" - "Ja, und obwohl sie Bio ist, trinken wir sie weiterhin gerne kalt und nicht euterwarm." Die Erstklässlerin ist beruhigt und schläft spontan ein, auch wenn Horst Lichter als Yeti verkleidet auf dem Bauernhof durch den Stall spukt und Andrea "Kiwi" Kiewel als "Außenreporter" auf die drei Bauerskinder einkreischt, als wäre sie einem Altersheim: "Gell, jede Milch schmeckt anders, gell?"

Das mit dem Einschlafen wäre keine schlechte Idee, aber die Wäsche muss noch aufgehängt, der Tisch abgeräumt, drei Rückrufe erledigt werden, und wir stoßen erst wieder zum Programm, als Denzel Washington trotz gewonnener Wette seine Schuld einlöst und in einem Kino in Laufnähe Bretzeln verteilt, ohne - by the way - eine Zange oder Handschuhe zu benutzen. Die verdutzten Preview-Kinogänger seines neuesten Streifens "Flight", der erst nächste Woche offiziell in Deutschland startet, kapieren bis zum Schluss nicht wirklich, dass der Meister selbst anwesend ist. Wie auch, im Kino ist es ja dunkel ...

Ist es Erotik-Öl?

Ganz und gar nicht dunkel ist Cindys Dresscode: Sie glitzert wie eine Diskokugel und macht ihre Sache nicht schlecht. Obwohl die "New York Times" in letzter Zeit über sie berichtet hat und Hollywood (nicht die Kuh, dieses Mal) quasi schon rief, entschied sie sich für das alte ZDF-Flagschiff: "Ick geh zum Lanz" - fast schon ein geflügeltes Wort, möchte man meinen. So oder ähnlich wird auch Pep Guardiola entschieden haben: "Ick geh zu Bayern." Welche Summen in beiden Fällen auch geflossen sein mögen: Der Erfolg wird Cindy und Pep recht geben. Markus wirkt dagegen ein wenig huschig. Aber das ist vielleicht normal, nachdem der 120-Kilo-Masseur - der durchaus unterhaltsam war und mit Massageöl in der Hand lustige Furzgeräusche von sich gegeben hat, bevor er erraten musste, um welches Öl es sich handelt - wie bereits erwähnt auf seinen Brustkorb gesprungen ist.

Da wir von Mister Washington (leicht gejetlagged von seiner Promotion-Tour durch die ganze Welt) nun wissen, was eine gute lange Ehe ausmacht (der Frau immer recht geben) können wir beruhigt ins Bett gehen, die Ohrwürmer der Bands "Caligula" (formerly known as Mando Diao) und Leona Lewis noch immer summend. Und die Mutter von Cindy, die hätte sich gar keine Sorgen um die berufliche Zukunft ihrer Tochter machen müssen, die hätte ja auch Filosofin werden können: An Matthias Schweighöfer gewandt, der NATÜRLICH in der Sendung ist, um seinen neuen Film "Schlussmacher" zu promoten, obwohl der Film das gar nicht mehr nötig hat, und dem dank Markus Lanz und der ZDF-Redaktion ein paar Filmausschnitte vorgespielt werden, in denen er sämtlichst die Hosen runterlässt und er von hinten nackt zu sehen ist, sagt die überwiegend pinke Dame: "Man zeigt immer gerne hinten, wenn man vorne nüscht hat." Das ist doch mal ein volksnahes Wort zum Sonntag.

Quelle: n-tv.de

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