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Hannes Hegen im Jahr 2012 - da war er überrascht, wie populär seine Figuren immer noch sind.
Hannes Hegen im Jahr 2012 - da war er überrascht, wie populär seine Figuren immer noch sind.(Foto: picture alliance / dpa)

Comiclegende Hannes Hegen ist tot: Mit Dig, Dag und Digedag um die Welt

Von Markus Lippold

Den Funktionären der DDR waren die Digedags ein Dorn im Auge. Bei den Lesern waren sie dagegen äußerst beliebt. Hannes Hegen, der Vater der Comicfiguren, zeigte ihnen mit dem "Mosaik" die weite Welt. Bis er von der Gängelei genug hatte.

Das "Mosaik" war das einzige fortlaufende Comicheft der DDR. Schon bald nach seiner Einführung im Dezember 1955 genoss es Kultstatus. Dafür sorgten die bunten Geschichten, die exotischen Abenteuer und die drei Hauptfiguren - die Digedags. Erfunden wurden Dig, Dag und Digedag von Hannes Hegen. Wie nun bekannt wurde, ist der legendäre Comiczeichner bereits am vergangenen Samstag 89-jährig in Berlin gestorben.

Hegen, 1925 als Johannes Hegenbarth im heute tschechischen Böhmisch Kamnitz geboren, studierte Grafik und Buchkunst und arbeitete zunächst als Cartoonist etwa für den "Eulenspiegel". Zur Legende wurde er aber durch das von ihm begründete "Mosaik von Hannes Hegen", für das er von 1955 bis 1975 verantwortlich zeichnete. Es war die wohl beliebteste Zeitschrift der DDR, stets ausverkauft, oft nur als Bückware unter dem Ladentisch zu bekommen. Abos waren Mangelware und wurden nicht selten innerhalb der Familie vererbt.

Südsee, Rom, Amerika

Das erste "Mosaik" aus dem Dezember 1955 ist heute mehrere tausend Euro wert.
Das erste "Mosaik" aus dem Dezember 1955 ist heute mehrere tausend Euro wert.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Nicht nur junge Leser waren fasziniert von den Abenteuern der drei Hauptfiguren, die in die Südsee reisten, nach Italien und nach Amerika. Es waren Orte, die für DDR-Bürger unerreichbar waren. Mit dem "Mosaik" aber, mit den Digedags, waren sie plötzlich zum Greifen nah, wenn auch nur auf dem Papier. Auch die Geschichten waren turbulent und phantasievoll statt dröge und belehrend - auch wenn das "Mosaik" den Lesern oft geschichtliches oder naturwissenschaftliches Wissen vermittelte. Von Hegen und seinen Mitarbeitern erfundene Figuren wie Ritter Runkel sind bis heute populär.

Dabei war das "Mosaik" selbst in der Hochzeit des Kalten Krieges oft frei von Propaganda - im Gegensatz zu vielen anderen Zeitschriften für Kinder. Doch als Schöpfer der beliebten Digedags genoss Hegen einen Sonderstatus. Und das "Mosaik" war eine der kuriosesten wirtschaftlichen Konstruktionen des Landes: Es war die einzige Publikation des FDJ-Verlages Junge Welt, die von einem Privatunternehmen gestaltet wurde, von Hegen und seinem Team aus mehr als zehn Autoren, Zeichnern und Koloristen in einem Atelier in Berlin-Karlshorst.

Das Comicheft war 1955 als Alternative zu Comics aus dem Westen gegründet worden, die in der DDR als gewaltverherrlichender Schund und Schmutz abgetan wurden. Hegen war allerdings so klug, die Rechte an den von ihm erfundenen Digedags für sich zu behalten. Vielmehr schloss er mit den jeweiligen Verlagen Verträge über die Herausgabe des "Mosaik". Der durchschlagende Erfolg des Heftes und seiner Figuren gab ihm in den Verhandlungen schon bald eine gewisse Macht - und führten zu vielen Spekulationen über sein hohes Einkommen.

Bilderserie

Zum Ärger von Verlag und Funktionären lag es Hegen jedoch fern, aus dem "Mosaik" ein Propaganda-Instrument des Staates zu machen. So sind viele der Geschichten, die dort erschienen, lustige Reiseabenteuer, die die Leser aber umso lieber aufnahmen. Lediglich die sogenannte Weltraumserie, die um das Jahr 1960 erschien, trägt klare Züge der Auseinandersetzungen des Kalten Krieges. Dort besuchen die Digedags einen Planeten, auf dem sich eine Republik und ein Reich gegenüberstehen, die an Ost- und Westblock erinnern.

Ansonsten schafften es Hegen und sein Team oft, sich trotz zunehmenden Drucks staatlichen Vorgaben zu entziehen. Dem Verlag Junge Welt und Funktionären von SED und Freier Deutscher Jugend war das "Mosaik" allerdings ein Dorn im Auge, was immer wieder zu Auseinandersetzungen und Zensur führte. Der finanzielle Erfolg des "Mosaik", das auch ins Ausland verkauft wurde und wichtige Devisen einbrachte, ließ sie jedoch davor zurückschrecken, es ganz einzustellen.

Rückzug ins Privatleben

Es war Hegen, der 1974 nach Auseinandersetzungen um einen neuen Vertrag, die inhaltliche Ausrichtung und die Bezahlung einen Schlussstrich zog und den Vertrag mit dem Verlag kündigte. Die Digedags verschwanden aus dem Heft und wurden ab Januar 1976 von neuen Figuren ersetzt: den Abrafaxen. Deren Ähnlichkeit mit ihren Vorgängern führte zu einer Klage Hegens, die jedoch erfolglos blieb.

Hegen zog sich danach zurück. In der DDR kursierten etliche Gerüchte um seinen Verbleib. Selbst nach der Wende trat Hegen äußerst selten auf, gab nur wenige Interviews. Seine Digedags erlebten aber ein Comeback: Ihre Abenteuer waren nun problemlos in Sammelbänden und Sammlereditionen erhältlich, während alte Originalausgaben heute hohe Preise erzielen. Seinen Nachlass aus Tausenden Zeichnungen und Entwürfen übergab Hegen noch zu Lebzeiten dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, das daraus 2012 eine sehr erfolgreiche Ausstellung machte.

Bis zum 1. März 2015 zeigt eine Ausstellung im Dresdner Verkehrsmuseum die Geschichte der Digedags.

Quelle: n-tv.de

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