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Lena Odenthal ermittelt in "Du gehörst mir".
Lena Odenthal ermittelt in "Du gehörst mir".(Foto: dpa)

"Tatort" mit Odenthal & Co.: Muskeln, Machos, Mega-Zicken

Von Ingo Scheel

Da kann Bon Iver noch so sehr schmachten, Kopper fluchen, Lena hadern - selbst die Tränen eines Rappers sind dagegen machtlos: Am Ende geht die Story von "Du gehörst mir" auf dem Schlachtfeld des Ludwigshafeners Zickenkriegs unter.

"Können wir uns vielleicht auf das Wesentliche konzentrieren?" bittet Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) irgendwann gegen Mitte des Falles, und in der Tat: Mit ein wenig mehr Konzentration hätte "Du gehörst mir", der mittlerweile 64. Einsatz des Kommissariats um die toughe Tätowierte, durchaus zu den okayeren Episoden gehören können. Die Zutaten: Ballett und Body-Building, Rap und Rabauken, beste Freundinnen und intime Feinde.

Der Start gerät vielversprechend: Das farbverwaschene Intro versieht das latent sommerverdöste Ludwighafen mit einer ungewohnt urbanen Note, die Bilder sind ansehnlich montiert und wie da Muskelmann Tarim Kosic (Luca Riemenschneider) gleich zum Auftakt zwischen zwei Autos zermalmt wird, das dampft jene Action aus, die auch einem Nick Tschiller durchaus gut zu Gesicht gestanden hätte. Wie dann aber Kopper (Andreas Hoppe) unmittelbar danach beim Urinieren auf dem Parkdeck, immerhin der titelgebende Tatort, zu sehen ist, da kippt die Chose dann bereits wieder ins übliche Schema: Hier wird nicht nur an Ecken, sondern auch und vor allem an diverse Karren gepinkelt.

Spuren führen in Bodybuilding-Studio

Das Ludwigshafener "Tatort"-Team: Kopper und Odenthal.
Das Ludwigshafener "Tatort"-Team: Kopper und Odenthal.(Foto: imago/STAR-MEDIA)

Dabei gibt es genug zu tun: Im Krankenhaus liegt die junge Balletttänzerin Marie (Elisa Afie Agbaglah) schon seit Wochen im Koma. Sie wurde vergewaltigt und dabei so schwer verletzt, dass ihre Überlebenschancen nur gering sind. Am Bett wachen im Wechsel ihre verzweifelte Mutter Birte (Sandra Nedeleff) und ihre beste Freundin Evelyn (Lilli Fichtner). Die Ermittlungen ergeben schließlich, dass es sich bei dem ermordeten Kosics um einen der Täter handelt, die Spuren führen zudem in sein Bodybuilding-Studio. Dort stemmt auch Kumpel Daniel (Vladimir Burlakov) die Eisen und die Girls und ist zudem in einen regen Handel mit anabolen Steroiden verwickelt. Wollte Marie die Pillendreher verpfeifen? Oder hat doch Rapper Yago Torres (Matthias Weidenhöfer) etwas mit der Sache zu tun?

In einem seiner Videos hatte Marie ein paar ansehnliche Pirouetten gedreht. Als "El Macho" verbaut der Reimkünstler das Schwanensee-Thema zu 90er-Jahre-Hip-Hop, der klingt, als hätte Oli P. nach einem Abendkurs Spanisch die B-Seite von Coolios "Gangsta's Paradise" gecovert. Die Mosaiksteine sind ausgelegt, ans Zusammenbauen, geschweige denn ans Überprüfen einer der naheliegendsten Optionen (die ziemlich beste Freundin), denkt hier kaum einer, viel zu sehr ist man in Grabenkämpfe verstrickt. Als hätte man irgendwelche Facebook-Schimpfereien im Losverfahren ins Drehbuch geschmuggelt, wird hier derart sinnlos, ziellos, geistlos gezickt, geschimpft, gegreint, gezetert.

Zickenkrieg ohne Ende

Zickenkrieg galore, quer durch die Geschlechter, die Dienstränge, im Büro, am Tatort, im Restaurant. Selbst Dialoge, die normal beginnen, switchen wie auf Nadelpieks-Kommando in Schimpfsturm-Modus, dass man nur das sonntagsmüde Haupt kratzen kann. Revier-Rookie Johanna (Lisa Bitter) gegen die Odenthal, Kopper gegen Johanna, Lena gegen alle. Wie und warum und wieso - kaum ersichtlich. Soll das irgendein Subplot befeuern? Dem in die Jahre gekommenen Team ein wenig Feuer unterm Allerwertesten machen? Oder einfach nur vom Einschlafen abhalten?

Dazu hätte es auch gereicht, sich auf die gelungenen Bestandteile von "Du gehörst mir" zu konzentrieren. Film- und Fernsehpreis-Träger Roland Suso Richter weiß, wie man Spannung erzeugt, dazu die ungewöhnliche Nah-dran-Ästhetik, die jede geplatzte Ader auf Koppers Zinken sichtbar macht, der stimmige Rhythmus des Kamerateams Jürgen Carle und Christoph Schmitz - all das ist 'wesentlich' genug, um auf Lena Odenthals Forderung zurückzukommen. Der alles übertönende Zickenkrieg sabotiert diesen "Tatort" jedoch so arg, das selbst die tränentiefe Schlusssequenz, in der Lena Odenthal zum Klang des traurigen Bon Iver Maries Maschinen abschaltet, das Ganze kaum noch zu retten vermag.

Quelle: n-tv.de

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