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Drei von denen, die es wissen wollen: Ella Endlich, Alex Diehl und Jamie-Lee Kriewitz.
Drei von denen, die es wissen wollen: Ella Endlich, Alex Diehl und Jamie-Lee Kriewitz.(Foto: Imago / Collage: n-tv.de)

"Ein bisschen Frieden" reloaded?: Wer statt Naidoo zum ESC soll

Von Volker Probst

Jetzt haben wir den Salat: Nach dem Hü-und-Hott-Desaster um Xavier Naidoos Nominierung für den Eurovision Song Contest kommt es nun doch zum Vorentscheid. Der NDR hat die zehn Bewerber für das Ticket nach Stockholm vorgestellt. Auweia.

Das kann ja nun auch niemand gewollt haben. Wenn jemand zum Beispiel sagt, dass er nicht unbedingt in Berlin leben möchte, heißt das ja nicht gleich, dass er gerne in Pusemuckel zu Hause wäre. Und dass sich Kritik an der Zwangsbeglückung mit Xavier Naidoo geregt hat, bedeutet eigentlich auch nicht sofort, dass man beim Eurovision Song Contest (ESC) nun automatisch mit C-Prominenz glänzen wollte. Eigentlich. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat bekannt gegeben, welche zehn Bewerber jetzt als Deutschlands Vertreter beim Song-Contest-Finale am 14. Mai in Stockholm zur Wahl stehen werden.

Sie darf den Vorentscheid mal wieder moderieren: Barbara Schöneberger.
Sie darf den Vorentscheid mal wieder moderieren: Barbara Schöneberger.(Foto: imago/Horst Galuschka)

Kurz gesagt: Große Namen - Fehlanzeige. Offenbar bewahrheitet sich die Befürchtung, dass kein größerer Popstar in Deutschland Lust darauf hat, lediglich als Kandidat zweiter Wahl aufzutreten. Noch dazu als nur potenzieller Kandidat. Denn nach dem Naidoo-Debakel gibt es nun wieder einen Vorentscheid - am 25. Februar in Köln, moderiert von Barbara Schöneberger.

Zwei Duos, dreimal Indie-Pop

Anders lässt sich die ebenso bunte wie unbekannte Truppe kaum erklären, die der NDR auf die Schnelle zusammengetrommelt hat, um die ESC-Fans jetzt wie gewohnt vor die Qual der Wahl zu stellen. Fangen wir also mit den kompletten No Names an: Joco nennen sich die Schwestern Cosima und Josepha als Gesangs-Duo. Ihren Song "Full Moon" gibt es noch nicht zu hören, doch ihr Debütalbum "Horizon" gab im Juni 2015 schon einmal einen ersten Einblick in ihre Klangwelten - melancholisch-düsterer und spärlich instrumentierter Indie-Pop.

Nicht gerade bekannter ist das gemischte Duo Keøma aus Köln. Dessen Sound geht in eine ganz ähnliche Richtung, wenn auch mit etwas mehr Verstärkern und Synthies. "Protected" heißt der Song, mit dem Kat Frankie und Chris Klopfer punkten wollen.

Woods of Birnam ist der Name einer dritten Formation mit Indie-Pop-Attitüde im Wettbewerb. Auf sie dürfte der eine oder andere vielleicht schon mal gestoßen sein, schließlich lieferte sie den Titelsong zu Til Schweigers "Honig im Kopf". Außerdem gehören ihr neben Sänger Christian Friedel vier Mitglieder der mittlerweile auf Eis gelegten Band Polarkreis 18 an, die 2008 mit "Allein, Allein" einen Nummer-1-Hit in Deutschland hatte. Das Lied, auf das Woods of Birnam beim ESC-Vorentscheid vertrauen, heißt indes "Lift Me Up (From The Underground)".

Metal und Luxuslärm

Musikalisch eine ganz andere Richtung schlagen Avantasia ein, Nebenprojekt des Edguy-Sängers Tobias Sammet. Edguy sind eine Metal-Band, die Fans des Genres ein Begriff sein könnte. Mit Avantasia verwirklichte Sammet ursprünglich seine Idee einer Metal-Oper - und nun für den ESC-Vorentscheid den Song "Mystery Of A Blood Red Rose".

Nachdem 2013 bereits Die Priester im Vorentscheid sang- und klanglos gescheitert waren, wird nun mit Gregorian die nächste Sacro-Pop-Combo auf die Zuschauer losgelassen. Bekannt geworden ist die Gruppe mit Coverversionen von Popsongs im Stil des gregorianischen Chorals. Wie bereits viele ihrer Alben trägt ihr Song beim Vorentscheid den Titel "Masters of Chant" - das müsste aber dann doch mal eine Eigenkomposition sein.

Luxuslärm gibt es seit 2006, doch der Bandname ist schon eine kleine Mogelpackung. Musikalisch geht das, was Sängerin Janine Meyer und ihre vier Jungs zum Besten geben, trotz einiger Rockeinflüsse stark in Richtung Schlager. Das passt ja aber irgendwie auch ganz gut ins atemlose Zeitalter von Helene I. Und dazu passt auch der Songtitel "Solange Liebe in mir wohnt".

"The Voice" und "Supertalent"

Ella Endlich will endlich mal wieder etwas anders singen als "Küss mich, halt mich, lieb mich". Mit ihrer Version des Songs aus dem Kultmärchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" gelang ihr 2009 ein größerer Charts-Erfolg. Jetzt setzt die Chanteuse auf "Adrenalin". Dabei ist es laut NDR erstaunlich, dass Endlich "in ihrem Terminkalender noch Platz gefunden hat. Allein im Februar stehen zehn Auftrittstermine bei der 'Willkommen bei Carmen Nebel'-Tour an." Na, Glückwunsch!

Jamie-Lee Kriewitz kennen zumindest die Zuschauer von "The Voice of Germany" - die 17-Jährige hat die Castingshow gewonnen. Nun will sie auch beim ESC-Vorentscheid den Sieg einfahren - mit ihrem bereits aus "The Voice" bekannten Lied "Ghost".

Alex Diehl gelang nach den Terroranschlägen von Paris mit seinem eilig auf der Gitarre zusammengezimmerten Friedenssong "Nur ein Lied" ein viraler Hit. Mehr als sieben Millionen Mal wurde der zugehörige Clip auf seiner Facebook-Seite aufgerufen. Bringt er nun "Ein bisschen Frieden" reloaded nach Stockholm?

Das liegt ebenso in der Hand der Zuschauer wie das Schicksal von Laura Pinski. Die ist das gewöhnt - 2012 nahm sie am "Supertalent" teil und wurde in der RTL-Show Vierte. Und auch sie könnte tatsächlich "Ein bisschen Frieden" in Schweden verbreiten - wenn auch auf andere Weise. Ihr Beitrag "Under The Sun We Are One" stammt nämlich - ja, Sie hören  richtig - aus der Feder von Ralph Siegel.

Comeback des "Mister Grand Prix"

Nachdem "Mister Grand Prix" zuletzt vermehrt erfolglos versucht hatte, mit San Marino beim ESC etwas zu reißen, darf er nun also wieder in Deutschland ran. Und wer dieses Kapitel ein für alle Mal überwunden geglaubt hatte, steht kopfschüttelnd daneben. Dass die Hin-und-Her-Nummer bei Naidoo den NDR vor Probleme stellen würde, auf die Schnelle wenigstens noch einigermaßen taugliches Personal für den Vorentscheid zu finden, schien klar. Doch dass die Probleme so groß sein würden, dass nun am Ende fast nur noch Laiendarsteller, Castingshow-Kinder, ein Facebook-Wunder und Ralph Siegel aushelfen können, macht dann doch einigermaßen fassungslos.

Xavier, komm zurück, möchte man da schon fast politisch komplett unkorrekt rufen. Doch da das spätestens nach Naidoos Gesäusel von Muslimen mit Judenstern nun wirklich nicht mehr geht, schwant einem bereits die Vorstellung von einer untersetzten Nicole mit Halbglatze und Bart. Oder sollte Alex Diehl tatsächlich an der "Voice" Jamie-Lee Kriewitz scheitern? Am 25. Februar fällt die Entscheidung. Und man kann nicht gerade sagen, dass wir ihr entgegenfiebern.

Quelle: n-tv.de

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