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Sonntag, 13. März 2011

Filmgeschichte als Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase wird 80

Von "Solo Sunny" bis zum "Sommer vorm Balkon": Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase hat Filmgeschichte geschrieben - mit Berliner Schnauze. Am 13. März 2011 wird er 80 Jahre alt.

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase schrieb mit Vorlagen für Regisseure wie Gerhard Klein, Konrad Wolf, Frank Beyer und Andreas Dresen Filmgeschichte.
Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase schrieb mit Vorlagen für Regisseure wie Gerhard Klein, Konrad Wolf, Frank Beyer und Andreas Dresen Filmgeschichte.(Foto: picture alliance / dpa)

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase hat "auf beiden deutschen Seiten Filmgeschichte geschrieben". Davon legen Filme wie "Solo Sunny", "Berlin - Ecke Schönhauser" und "Sommer vorm Balkon" Zeugnis ab. Die Schauspielerin Iris Berben brachte als Präsidentin der Deutschen Filmakademie mit dieser Beschreibung die Leistung und das Leben Kohlhaases auf den Punkt. Die Filmakademie feiert den Drehbuchautor, der am 13. März 2011 80 Jahre alt wird, bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2011 daher auch mit einem Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Der Autor, der auch den Nationalpreis der DDR und das Bundesverdienstkreuz bekam, nahm bereits 2010 einen Goldenen Bären der Berlinale für sein Gesamtwerk entgegen.

Der einstige Starautor der DDR-Filmgesellschaft DEFA, der mit renommierten Regisseuren wie Konrad Wolf, Frank Beyer und Gerhard Klein zusammenarbeitete, hat wie manche andere ostdeutsche Filmautoren als SED-Mitglied auch die Schattenseiten der offiziellen SED-Kulturpolitik kennengelernt. Kohlhaase gehörte zu jenen DDR-Autoren von Rang, die nach dem Mauerfall von 1989 auch im jüngeren deutschen Film Anschluss fanden und Erfolg hatten.

International bekannt

Auch wenn Drehbuchautoren stets weniger als Regisseure beachtet werden, wurde Kohlhaase international bekannt - vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem 1982 gestorbenen Regisseur Konrad Wolf bei dem Antikriegsdrama "Ich war 19" (1968) und mit Frank Beyer bei "Der Aufenthalt" (1982).

Bei der noch heute verblüffend gesellschaftskritisch anmutenden Tragikomödie "Solo Sunny" von 1979 arbeitete der Drehbuchautor auch als Ko-Regisseur von Wolf mit. Für die Hauptdarstellerin Renate Krößner gab es auf der Berlinale 1980 im Westteil der Stadt sogar einen Silbernen Bären für ihre Darstellung der eigenwilligen, durch die DDR-Provinz tingelnden, aufmüpfigen Sängerin Sunny.

Prenzlauer Berg zwischen Boheme und Bröckelfassaden

Der Film, der Kohlhaases Vorliebe für den schnoddrigen Berliner Tonfall erkennen lässt, wurde eines der berühmtesten Beispiele für die erneute Hinwendung des DDR-Films zum ostdeutschen Alltag nach den ersten mutigen, aber bald erstickten Versuchen der DEFA-Studios in den 60er Jahren. "Solo Sunny" zeigt den Prenzlauer Berg in Berlin in den grauen Tönen des realen Sozialismus ebenso wie die melancholische Bohème-Stimmung und den trotzigen Lebenswillen des bunten Künstlervolkes zwischen den bröckelnden Fassaden.

Der nach dem Mauerfall wieder aufgeblühte "Prenzelberg" sollte ein Vierteljahrhundert später auch den Hintergrund seiner vielgelobten Alltagskomödie "Sommer vorm Balkon" in der Regie von Andreas Dresen werden. Ein Kritiker ("Süddeutsche Zeitung") nannte den Film sogar einen "klassischen DEFA-Film - eine letzte Blüte der großen Filmtradition der DDR".

Herz und Berliner Schnauze

Wie hier zeigte auch die in Babelsberg noch kurz vor dem Mauerfall gedrehte Gaunerkomödie "Der Bruch" aus den ersten Nachkriegsjahren (mit Götz George in der Regie von Frank Beyer) deutlich Kohlhaases Handschrift und Vorliebe für den kleinen Mann mit Mutterwitz und Herz - und "Berliner Schnauze". Mit Dresen arbeitete Kohlhaase auch 2009 bei der Insiderkomödie aus der Filmbranche "Whisky mit Wodka" zusammen. Volker Schlöndorff war der Regiepartner bei dem Terroristendrama "Die Stille nach dem Schuss" von 1999.

Der Progress-Filmverleih hat sämtliche DEFA-Kinospielfilme im Verleihprogramm. Zum 80. Geburtstag Kohlhaases zeigen das Berliner Filmkunstkino Babylon und das Filmmuseum Potsdam eine Auswahl seiner Filme, neben den Klassikern auch "Eine Berliner Romanze" von 1956. Beim Internationalen Filmfestival in Istanbul läuft im April "Ich war 19".

Quelle: n-tv.de

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