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Für einen leichten Anfang: Alltag in Amerika

Es ist zu einer Binsenweisheit geworden: Nach Gütern, Kapital und Dienstleistungen nimmt nun auch die grenzüberschreitende Mobilität von Personen immer stärker zu. Mit einer deutlichen Verzögerung hat dieser Trend auch Deutschland erreicht. Eine wachsende Anzahl von Deutschen kann sich vorstellen – zumindest für eine gewisse Zeit – im Ausland zu studieren, zu arbeiten, zu leben. So unterschiedlich die Beweggründe im Einzelnen auch sein mögen, alle Veränderungswilligen stehen vor dem Problem, sich hinreichende Informationen über ihr Zielland zu beschaffen. Erst eine realistische Abwägung der verschiedenen einzukalkulierenden Umstände kann allzu unangenehme Überraschungen verhindern. Die schockierend-belustigenden Episoden in den einschlägigen Auswanderer-Fernsehsagas zeigen, dass es diesbezüglich noch jede Menge Nachholebedarf gibt.

Auch wenn es einige dieser Abenteurer in eher exotische Länder zieht, der überwiegende Teil orientiert sich an zumindest westlich geprägten Ländern. Die USA bleiben dabei, allen Torheiten der Bush-Regierung zum Trotz, für viele Deutsche eine Art Sehnsuchtsziel. Dabei existiert allerdings immer noch ein nur sehr eingeschränktes Bewusstsein dafür, wie anders die Uhren dort ticken. Neben einer sich signifikant unterscheidenden Mentalität und in vielfacher Hinsicht abweichenden Vorlieben wird der USA-Ankömmling auch mit einer nicht eben kurzen Liste an rein praktischen Hindernissen konfrontiert.

Eine gute Möglichkeit, sich mental und organisatorisch für diese Herausforderungen zu wappnen, stellt der von Kai Blum verfasste und im Januar 2008 in 2. Auflage im Conbook Medien-Verlag erschienene Ratgeber "Alltag in Amerika" dar. Blums erklärtes Ziel ist es, dem Leser Basisinformationen zu vermitteln, die sich unabhängig von der konkreten Verweildauer stellen und dabei helfen sollen, den Auftakt möglichst komplikationslos zu gestalten. Schon bei einer kurzen Durchsicht des Inhaltsverzeichnisses wird deutlich, wie groß die Anzahl der zu berücksichtigenden Aspekte ist. Denn neben sehr nahe liegenden Fragen wie Anreise, Jobsuche, Abwicklung des Umzuges etc. gilt es nämlich auch sich über in unseren Breiten eher nebensächlichere Sachverhalte wie das richtige Verhalten bei Naturkatastrophen und Vorsichtsmaßnahmen gegen wilde Tiere (Stinktiere und Waschbären) zu informieren. Auch kann es nicht schaden, vorab zu wissen, dass beim Hauskauf die jeweilige Verbrechensrate im Viertel ein sehr entscheidender Punkt ist oder das sich aufgrund der oft defekten Gasheizungen die Anschaffung eines "carbon monoxide detectors" lohnt, will man nicht mit einer Gasvergiftung im Krankenhaus landen.

Zur Auflockerung des Textes sind immer wieder kleine, augenzwinkernde Exkurse eingeschoben, die einen guten Eindruck von typisch amerikanischen Eigenheiten geben. So ist etwa Arzneimittelwerbung gegen Depressionen, Asthma, Allergien allgegenwärtig während Nasentropfen und Zäpfchen völlig unbekannt sind. Interessant ist auch, dass sich der leichte Geschmacksunterschied von europäischer zu amerikanischer Coca Cola aus der Verwendung von Maissirup erklärt, der in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten ist und in viel stärkerem Maße als Zucker zu Übergewicht führt!

Bei allen Rubriken wurde insbesondere darauf geachtet, dass sie einen praktischen Mehrwert bieten: Überall im Text werden hilfreiche Internetadressen und Telefonnummern, die jeweiligen amerikanischen Bezeichnungen sowie konkreten Kennzeichen von notwendigen Formularen angegeben. Kurzum: Für alle, die mit dem Gedanken spielen, eine Zeit lang in den USA zu leben, wird das Buch eine nützliche Vorbereitungslektüre und dann vor Ort ein treuer Ratgeber sein.

Daniel Müller

Kai Blum: "Alltag in Amerika. Leben und Arbeiten in den USA", Conbook Medien Verlag, 17,90 Euro

Quelle: n-tv.de

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