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Welthauptstadt des Fußballs: Buenos Aires - ein einzigartiges Porträt

Thomas Badtke

Es gibt etwas, und niemand weiß, was es ist, das den Fußball Argentiniens einzigartig macht. Vielleicht die uneingeschränkte Liebe der Fans zu ihrem Verein? Vielleicht die faszinierenden Stadien? Reinaldo Coddou H. geht auf die Suche nach dieser Einzigartigkeit und er findet sie in Buenos Aires.

Weiß-blaue Feierstimmung: Fußballspiele sind in Buenos Aires etwas Einzigartiges.
Weiß-blaue Feierstimmung: Fußballspiele sind in Buenos Aires etwas Einzigartiges.

Buenos Aires ist die Welthauptstadt des Fußballs. Das ist so unumstößlich wie das Amen in der Kirche. Keine andere Stadt auf dem Globus verfügt über mehr Profiklubs als die argentinische "Capital Federal" und der sie umgebende Speckgürtel der Provinz Buenos Aires. In der laufenden Saison 2010/11 spielen allein 14 Teams daraus in der höchsten argentinischen Spielklasse, der Primera Division, die insgesamt 22 Mannschaften umfasst.

In den vier Profiligen darunter kommen weitere 37 Vereine aus Buenos Aires hinzu. Mit der fünften Liga, die allerdings nur Amateurstatus genießt, sind es dann insgesamt 64 Vereine. Das Wahnwitzige und Faszinierende dabei: 60 Klubs davon haben ihr eigenes Stadion. Und keines ähnelt dem anderem. Alle sind sie irgendwie einzigartig und unverwechselbar - wie der argentinische Fußball selbst. Das eigene Stadion ist der Stolz eines jeden Klubs, das Herzblut eines jeden Fans.

Süßes Treiben im "La Bombonera"

"La Bombonera": Hier feiern die Boca Juniors.
"La Bombonera": Hier feiern die Boca Juniors.

Das bekannteste Stadion Argentiniens heißt im Volksmund "La Bombonera" - die Pralinenschachtel. Der offizielle Name ist "Estadio Alberto J. Armando" und es ist die Heimspielstätte der Boca Juniors. Die Besonderheit der Pralinenschachtel: Die Zuschauertribünen sind in drei Ringe unterteilt, allerdings nur auf drei Seiten, denn eine der Geraden besteht nur aus einer senkrechten Wand - mit VIP-Logen. Diese Form ist das Stadion bis heute nicht losgeworden, weil es bisher nicht gelang, die hinter der VIP-Wand liegenden Grundstücke zu kaufen, um eine "richtige" Tribüne bauen zu können. Die Kapazität ist damit auf unter 50.000 Plätze begrenzt. Was vielleicht ganz gut ist, da es heißt, dass die "Bombonera" bei Fußballspielen nicht zittert, sondern bebt.

Und das liegt an den Fans des mit 17 internationalen Titeln, darunter 6 Copa-Libertadores-Triumphe (das südamerikanische Gegenstück zur europäischen Champions League), zweiterfolgreichsten Klub der Welt - nach dem AC Mailand. Für die Fans des Lieblingsklubs von Diego Armando Maradona, der hier auch selbst spielte, sind Titel erst einmal egal, so lange in der "Bombonera" gegen den Erzfeind River Plate gewonnen wird. Boca Juniors gegen River Plate heißt auch Arbeiterverein gegen gehobene Mittelschicht und gilt als das Derby überhaupt noch vor den Klassikern Celtic gegen Rangers (Glasgow) oder AC gegen Inter (Mailand).

Unvollendete Vollkommenheit

River Plate wiederum spielt im "Monumental". 65.000 Zuschauer passen hinein. Es ist das größte Stadion des Landes und gilt als das Nationalstadion Argentiniens, weil dort die Nationalelf, die Albiceleste, ihre Spiele austrägt. Und weil Argentinien dort 1978 mit Trainer Cesar Luis Menotti und einem 3:1 über die Niederlande seinen ersten Weltmeistertitel gewonnen hat.

Independiente und Racing Club sind die traditionellen Rivalen aus dem südlichen Buenos-Aires-Vorort Avellaneda. Ihre beiden Stadien liegen nur einen Steinwurf auseinander. Das "Libertadores de America" verfügt derzeit über folgende Besonderheit: Das 1928 errichtete Stadion wurde 2006 für einen Neubau fast komplett abgerissen. Auch wenn es bisher erst zu zwei Dritteln wieder aufgebaut wurde - für die Fans ist es schon jetzt vollendet.

Von Wassergräben und großen Namen

Das "El Cilindro" von Racing, das eigentlich "Juan Domingo Peron" heißt, steht da besser da. Will heißen: kreisrund und überdacht. Zudem ragt aus dem Stadion ein funktionsloser Turm hervor. Der ist allerdings nicht einzigartig, weil ihn auch das Stadion "Palacio Tomas Adolfo Duco" von Atletico Huracan besitzt. Auch der Wassergraben im "El Cilindro" ist in den Stadien von Buenos Aires keine Seltenheit, bei den Heimspielstätten von Velez Sarsfield und Lanus gibt es das grüntrübe Nass ebenfalls.

Beim "Palast" sind die Sitzplätze aus Zement zudem gleich in die Tribüne eingelassen. Desweiteren tragen die einzelnen Sektoren des Stadions die Namen ehemaliger Spieler, Musiker oder auch Schriftsteller des Viertels, in dem der Klub beheimatet ist.

Den größten, weil bedeutungsschwangersten Namen trägt aber das Stadion von Argentinos Juniors: "Diego Armando Maradona"-Stadion. Die "Hand Gottes" gab hier mit 15 Jahren 1976 ihr Debüt in der ersten argentinischen Liga. Zuvor hatte Argentiniens Fußballnationalheld bereits in den Halbzeitpausen mit seinen Ball- und Orangen-Jonglierkünsten auf sich aufmerksam gemacht.

Nächster Urlaub gebucht: Buenos Aires

Um Maradona geht es in dem Buch "Buenos Aires - Welthauptstadt des Fußballs" von Reinaldo Coddou H. aber allenfalls am Rande. Im Mittelpunkt stehen die Stadien und das Geschehen in ihnen und um sie herum. Denn die Fußballklubs in Buenos Aires sind mehr als nur Vereine, in denen Männer Ball spielen. Sie sind für den Großteil der Einwohner der Mittelpunkt ihres Lebens, egal ob alt oder jung, arm oder reich. Das, worum sich das Hier und Jetzt dreht - und das nicht nur an jedem verdammten Sonntag.

Reinaldo_Coddou
Reinaldo_Coddou

Argentinien und insbesondere Buenos Aires atmet Fußball. Er strömt aus jeder Pore der Stadt, aus jeder Holztribüne, aus jedem Betonfeld, aus jedem Stacheldrahtzaun. Und er bahnt sich seinen Weg auch durch alle gesellschaftlichen und politischen Vorurteile hindurch in die Herzen der Menschen. Und genau das fangen die Bilder von Coddou, dem Mitbegründer des "11Freunde"-Magazins in voller Pracht, aber auch mit aller Wucht ein.

"Buenos Aires - Die Welthauptstadt des Fußballs" ist ein Fotoband, den man nicht mehr aus der Hand legen will. Es sei denn, um sein Reisebüro um die Ecke anzurufen und einen Flug nach Buenos Aires zu buchen. Denn wie schreibt Cesar Luis Menotti in seinem Vorwort zum Buch: "In den faszinierenden Stadien von Buenos Aires potenziert sich die ganze Liebe zum Fußball."

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Bilderserie
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Quelle: n-tv.de

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