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Dollar als Weltleitwährung? Die Zeiten könnten bald vorbei sein.
Dollar als Weltleitwährung? Die Zeiten könnten bald vorbei sein.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Geld als Massenvernichtungswaffe: Der "Weltkrieg der Währungen" tobt

Von Thomas Badtke

Das Ringen um die globale Vorherrschaft ist in vollem Gange. Soldaten, Panzer oder Flugzeugträger sind dabei obsolet, im 21. Jahrhundert wird mit Währungen gefochten, ist das Geld die ultimative Waffe. Dollar, Yuan, Euro oder Gold, wer wird gewinnen?

Während sich die Welt nach Fukushima vor einem atomaren Super-GAU fürchtet, sollten die Menschen rund um den Globus ihre Ängste stattdessen auf die weltweiten Devisenmärkte fokussieren. Auch wenn es martialisch klingen mag: Von dort droht ein viel größeres Problem. Denn dort tobt bereits seit Jahren ein Weltkrieg - der "Weltkrieg der Währungen". Dollar, Euro, Yuan, Gold: Sie alle kämpfen um die Vorherrschaft, um den Titel der Weltleitwährung. Involviert sind Politik und Wirtschaft, Regierungen und Zentralbanken. Die Folgen bekommen wir, die Bürger, bereits zu spüren - egal, ob wir Chinesen, Amerikaner, Europäer oder Deutsche sind.

Daniel D. Eckert, Autor von "Weltkrieg der Währungen".
Daniel D. Eckert, Autor von "Weltkrieg der Währungen".

Dollar, Euro, Yuan, ja selbst Gold, sind für uns Bürger harmlose Zahlungsmittel. Wir bekommen unseren Lohn darin, "tauschen" es gegen Güter oder Dienstleistungen ein. Sparen es, weil wir dessen Wertstabilität schätzen. Es ist problemlos teilbar, transportierbar und haltbar. Für die große Politik sind diese ursprünglichen Funktionen des Geldes nur Nebensache. Währungen haben für sie eine andere Funktion: Im Spiel um die weltweite Macht dient die Währung des eigenen Landes als Angriffs- und Verteidigungswaffe gleichermaßen. Galt im Kalten Krieg das atomare Schreckgespenst als ultimative Drohkulisse, ist es heutzutage die eigene Währung, mit der die Regierungen ihre Forderungen weltweit durchsetzen, ihre Machtpositionen festigen und ausbauen.

Währungen als Atombomben des 21. Jahrhunderts

Früher ging es darum, wer die meisten Soldaten, Panzer oder Flugzeugträger hatte oder eben das größte atomare Potenzial. Heute heißt es: "Wer die Macht über Währungen hat, kann Wohlstand umverteilen." Denn "Geldpolitik ist Weltpolitik" im "Weltkrieg des 21. Jahrhunderts", dem "Weltkrieg der Währungen". Diese These vertritt der Journalist Daniel D. Eckert in seinem Buch "Weltkrieg der Währungen - Wie Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollar kämpfen". Er tut dies mit martialischen Worten, schreibt von "finanziellen Massenvernichtungswaffen", von "finanziellen Atombomben". Ein Vokabular, das für Aufsehen sorgt, aber das durchaus angemessen erscheint ob der enormen Auswirkungen von Wechselkursverschiebungen und der prekären weltwirtschaftlichen Lage.

Euro: Missgeburt oder lachender Dritter?
Euro: Missgeburt oder lachender Dritter?(Foto: picture alliance / dpa)

Der Euro, einst als starke und stabile europäische Leitwährung geplant - aber von Anfang an nicht nur in Deutschland umstritten - kämpft derzeit, mit einer hausgemachten Schuldenkrise: Griechenland droht der Staatsbankrott, Portugal nun auch. Die nach dem Vorbild der Bundesbank errichtete Europäische Zentralbank hat ihre seit der Gründung 1998 über Jahre aufgebaute Reputation innerhalb nur weniger Monate verspielt. Statt der Unabhängigkeit von der Politik, macht die Institution nun mehr und mehr gemeinsame Sache mit ihr. Statt der Geldwertstabilität, die sie einst wie die Bundesbank als oberstes Ziel auf ihre Fahnen geschrieben hatte, befindet sich die EZB durch mehrere Schritte des sogenannten quantitative easing mitten auf dem Weg einer inflationistischen Geldpolitik. Einen Weg, den die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bereits seit Jahren eingeschlagen hat.

Kurz nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers fährt die Fed zunächst den Leitzins auf nahe null nach unten (qualitative easing). Als die US-Wirtschaft dennoch nicht nachhaltig auf die Beine kommt und Deflationsängste aufkommen, legt die Fed nach - mit quantitative easing. Das bedeutet nichts anderes, als das die Notenbank lang laufende Staatsanleihen oder Hypothekenpapiere kauft, in der Regel mit frisch gedrucktem Geld. Mit diesem Markteingriff spritzt die Fed Geld ins Finanzsystem, dem allerdings kein Mehr an Gütern oder Dienstleistungen gegenübersteht. Die Politik des billigen Geldes führt zu einer Geldentwertung. Gerät diese außer Kontrolle, ist der Weg zur Inflation frei und auch eine Hyperinflation ist dann nicht mehr vollkommen auszuschließen. Und spätestens dann schlägt im "Weltkrieg der Währungen" die Stunde der Dollar-Rivalen.

Politischer Aufschrei mit leisen Tönen

Und da spielt nicht mehr der Euro die erste Geige, sondern der chinesische Yuan. Das "Volksgeld" liegt der chinesischen Regierung am Herzen - aus mehreren Gründen: Der Erfolg der heimischen Exportindustrie hängt genauso davon ab wie die Inflationsrate. Ist letztere zu hoch oder büßt der Exportweltmeister an Stärke ein, sprich: schwächelt die Wirtschaft und steigt die Arbeitslosigkeit - kommt es also zu einer ökonomischen Debastabilisierung -, dann hat das auch direkte Auswirkungen auf die politische Macht. Eine "Revolution der Massen" ist durchaus denkbar, das Ende der herrschenden Kommunisten absehbar. Indem Peking aber das alleinige Sagen über den Yuan behält, ist die Macht nur schwer angreifbar.

Dollar oder nicht Dollar? Das ist die Frage des 21. Jahrhunderts.
Dollar oder nicht Dollar? Das ist die Frage des 21. Jahrhunderts.(Foto: picture alliance / dpa)

Um die Exportindustrie zu stärken, hält China den Yuan künstlich niedrig. Das gelingt auch über einen längeren Zeitraum, weil der Yuan nicht frei handelbar ist: Er unterliegt Kapitalverkehrskontrollen und darf nicht frei ein- oder ausgeführt werden. Der künstlich niedrig gehaltene Yuan sorgt dafür, dass chinesische Produkte auf dem Weltmarkt günstiger zu haben sind, als die der Konkurrenz. Die deutsche Solarindustrie kann davon ein Lied singen. Ab und an gibt es dann einen politischen Aufschrei der wirtschaftlichen und politischen Eliten aus den sich benachteiligt fühlenden Ländern, geändert hat das allerdings bisher nichts.

Amerika hängt an Chinas "Nadel"

Das liegt am "Faustpfand", den die derzeit zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt besitzt. Und dieses Pfand heißt Währungsreserven. Das Gesamtvolumen der in Euro, Dollar, Gold etc. gehaltenen Reserven beläuft sich laut Autor Eckert auf 2,5 Billionen Dollar und entspricht damit rund 30 Prozent der globalen Währungsreserven. Auf den Greenback entfallen allein 1,7 Billionen Dollar. Ein Teil davon kommt auf "natürliche“ Weise zustande: Exporteure verkaufen ihre Waren im Dollarraum - die US-Konsumenten sind die liebsten Kunden - und tauschen bei der heimischen Zentralbank ihre Erlöse in Yuan. Ein weiterer Teil jedoch kommt durch Dollarkäufe der Regierung zustande, die so den Yuan-Kurs künstlich niedrig hält.

Der Großteil der Dollarbestände ist in amerikanischen Staatsanleihen investiert. China ist damit der größte Einzelgläubiger der USA. Eine gefährliche Situation - mit jeder Menge politischer Sprengkraft. China finanziert den Konsum der US-Bürger. Je stärker dieser ausfällt, umso höher die Verschuldung, umso mehr US-Staatsanleihen werden lanciert, die wiederum von China aufgekauft werden. "Wenn Schulden Amerikas Heroin sind, dann ist China Amerikas wichtigster Dealer. Doch was ist, wenn der Junkie sich zugleich als Sheriff gebärdet, der mit dem Dealer in einer anderen Angelegenheit aneinandergerät?", fragt Eckert.

Brisant und hochaktuell

In Hollywoodfilmen kommt es dann zum Showdown. In Eckerts Buch nicht - vorerst. Dort heißt es weiter Dollar gegen Yuan. USA gegen China. Oder kann Europa doch noch eine gewichtige Rolle mit dem Euro im Währungskrieg um die globale Vorherrschaft spielen? Vielleicht gelingt es der Gemeinschaftswährung, als stabilisierender Faktor in dem amerikanisch-chinesischen Spannungsfeld zu agieren? Vielleicht gebührt der Siegerkranz aber auch dem Gold, schließlich gilt es als "sicherer Hafen in unsicheren Zeiten"?

"Weltkrieg der Währungen" ist im FinanzBuch Verlag erschienen.
"Weltkrieg der Währungen" ist im FinanzBuch Verlag erschienen.

Vieles ist möglich. Das beweist Eckert mit seinem Buch "Weltkrieg der Währungen". Ein Buch, das auch für Wirtschaftslaien sehr gut lesbar und leicht verständlich ist sowie gekonnt historische und aktuelle Themen miteinander verknüpft - ganz ohne Illustrationen allerdings. Der Leser erfährt beispielsweise etwas über den Aufstieg und Fall des Dollars, wie China geschickt nach der monetären Macht greift und vor welchen Zerreißproben der Euro steht.

Eckert erklärt in lebhaftem Stil, welche währungspolitischen Schlüsselereignisse zu gravierenden Machtverschiebungen sowohl zwischen der "Alten Welt" und der "Neuen Welt" als auch innerhalb Europas sowie Asiens geführt haben. Wieso wurde der Goldstandard abgeschafft? Wieso sorgen die Wörter "Bretton Woods" noch heute für so manch leuchtende Anlegeraugen? Wieso hängen die Deutschen so an ihrer D-Mark? Wieso spielt das Britische Pfund heute keine große Rolle mehr?

Wer Lust auf ein hochaktuelles Wirtschaftsbuch hat, kommt an Daniel D. Eckerts 'Weltkrieg der Währungen“ nicht vorbei.

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Quelle: n-tv.de

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