Unterhaltung
Sonntag, 19. März 2017

Luc Verlains erster Fall: Dieser Kommissar macht Lust auf Austern

Von Hubertus Volmer

Der Krimi "Retour" von Alexander Oetker weckt Vorfreude auf einen Urlaub in Frankreich. Schon nach wenigen Seiten wünscht man, es wäre warm und man hätte einen kalten Muscadet im Glas.

Wenn ein Kollege ein Buch schreibt und einem ein Exemplar zukommen lässt, dann hofft man, dass es gut ist. Wenn nicht, dann setzt man darauf, dass er nie fragt, ob man es gelesen hat. Fragt er doch, dann sagt man, diese eine Szene am Ende sei wirklich gelungen.

Das Buch ist bei Hoffmann und Campe erschienen und kostet 16 Euro.
Das Buch ist bei Hoffmann und Campe erschienen und kostet 16 Euro.

In diesem Fall sind ausweichende Höflichkeitsfloskeln überflüssig. Dieses Buch ist so gut, dass man es nicht nur selbst genießen, sondern weiterempfehlen will. Alexander Oetker, politischer Reporter bei RTL und n-tv, hat einen Krimi vorgelegt, der sich praktisch von alleine liest. Die Geschichte spielt in Frankreich, im Aquitaine. Hier, am Atlantik, ist Luc Verlain aufgewachsen, von hier ist er nach Paris abgehauen, weil er die Enge der Provinz nicht aushielt. Um seinen an Krebs erkrankten Vater häufiger sehen zu können, kommt er nun zurück. Er wechselt von der Pariser Mordkommission zur Brigade Criminelle nach Bordeaux, von der Seine an die Garonne. Daher der Titel des Buches: "Retour".

Bereits an seinem ersten Tag in der Mordkommission von Bordeaux liegt ein junges Mädchen tot am Strand von Lacanau. Ihr wurde der Schädel eingeschlagen, für die Leiche muss Luc einen Teller gratinierter Austern stehen lassen. Entschädigt wird er, weil die Rückkehr in die Heimat sehr viel schöner ist, als erwartet. Bei den Ermittlungen kommt er seiner Kollegin Anouk näher, mit ihr teilt er sogar seine letzten "Parisienne"-Zigaretten. Und er geht mit ihr essen. Für den Leser heißt das, dass er sich nach nicht mal 80 Seiten nach Frankreich wünscht. Man wünscht, es wäre warm und man hätte einen kalten Muscadet im Glas, und am Abend einen Rotwein aus dem Médoc.

Kein idealisiertes Frankreich

Oetker schafft es, eine lebendige französische Atmosphäre auf den Seiten seines Buches auszubreiten. Man merkt, dass er Frankreich liebt (von 2008 bis 2011 war Oetker Frankreich-Korrespondent), aber er idealisiert es nicht. In "Retour" begegnet einem das Frankreich der Front-National-Rassisten ebenso wie das der feinen Familien, die britische Butler beschäftigen und Polizisten nicht empfangen, wenn ihnen nicht danach ist. Das Frankreich der Urlauber, die an heißen Tagen Grand-Cru-Rotwein trinken, weil das der teuerste auf der Karte ist. Und natürlich das Frankreich der ganz normalen Franzosen, die so sind, wie nette Leute sein sollten.

Der Mordfall tritt dabei fast ein wenig in den Hintergrund. Wie die Sache ausgeht, wird hier selbstverständlich nicht verraten, aber es bleibt bis zum Schluss spannend. Das liegt auch daran, dass man wissen will, wie die Geschichte mit Anouk weitergeht, denn da ist noch die deutsche Surflehrerin Cecilia und eine gewisse Delphine in Paris. Das Buch eignet sich vortrefflich, um Vorfreude auf einen Frankreich-Urlaub anzuregen, es weckt Appetit auf Austern – selbst dann, wenn man diese kleinen, glibschigen Dinger bislang nicht so angenehm fand. Kurzum: Dieses Buch macht Spaß. Seine Schwachstelle ist, dass es irgendwann endet. Glücklicherweise ist es Luc Verlains erster Fall. Ein zweiter wird folgen. Und hoffentlich noch viele weitere.

"Retour" bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Mehr über Luc Verlain (und Aquitanien) finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen