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Das Buch ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 49,80 Euro.

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Sonntag, 11. Juli 2010

Heilige Zuflucht im Verfall: Durch die Ruinen der Cinecittà

Solveig Bach

An der Via Tuscolana, 9 Kilometer vom Römischen Stadtzentrum entfernt, wird im Januar 1936 der Grundstein für ein neues Filmgelände gelegt. 15 Monate später beginnen in der Filmstadt Cinecittà die ersten Dreharbeiten.

"Ben Hur" und "Cleopatra" werden hier gedreht, Fellini arbeitet hier und Rosselini und Pasolini. Von all dem ist auf den Bildern des New Yorker Fotografen Gregory Crewdson nichts zu sehen. Das Goldene Zeitalter des italienischen Kinos ist vorbei und Crewdson findet bei einem Besuch an der Via Tuscolana nur verfallende Kulissen längst vergangener Dreharbeiten vor.

Crewdson hat seine Bildsprache radikal geändert.

Crewdson hat seine Bildsprache radikal geändert.
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die aber faszinieren ihn. Angebote der Studioleitung, den Anblick des Vergehens mit ein wenig Müll- und Unkrautbeseitigung etwas abzumildern, lehnt er höflich ab, erfährt der Leser in einem einführenden Essay zu Crewdsons Bildband "Sanctuary". Er ist das Ergebnis dieses Besuches.

"Sanctuary", das kann ein heiliger Ort sein oder eine Zuflucht, bei Crewdson werden die alten Kulissen irgendwie zu beidem. Entgegen seiner Gewohnheit, mit großem Stab, viel Licht und Schauspielern zu arbeiten, reduziert sich der Fotograf auf das natürliche Licht, ein wenig Wasser und eine Digitalkamera. Die Kulissen, die er so fotografiert hat, geben nie vor, etwas anderes zu sein und werden doch Seite für Seite ein immer realerer Raum.

Früher ist der Aufwand, den er für seine Bilder betrieben hat, oft mit dem für Film-Dreharbeiten verglichen worden. Bezugsraum war der Film bisher allemal. Diese Verbindung hat er nun kongenial weiterentwickelt ins beinahe Dokumentarische.

Wucherndes Grad, bröckelnde Steine, abblätternde Farbe, Crewsdon will in seiner einmonatigen Fotosession im Juni 2009 die Grenzen zwischen Realität und Phantasie, Natur und Kunst, Schönheit und Vergänglichkeit einfangen. Entstanden sind dabei zum Teil verstörende, labyrinthische Bilder, in deren nahezu unendlicher Perspektive der Betrachter sich beinahe verlieren kann.

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